Uhldingen-Mühlhofen/Bregenz – „Wir wollen zeigen, dass diese Autos auch fahren und nicht irgendwelche Stehautos sind. Oldtimer, mit denen man richtig viel Spaß haben kann. Und wir haben Spaß, mit anderen Menschen, die alte Autos lieben, etwas durch die Gegend zu fahren.“ Reinhard Schade aus dem hessischen Marburg war einer von über 300 Fahrern und Beifahrern, der am Wochenende mit einem 64 Jahre alten Mercedes Benz 180 an der Bodensee-Klassik teilnahm. Hier konnten Zaungäste sieben Jahrzehnte Automobilgeschichte hautnah erleben.

Seine Beifahrerin Tina Gorschlüter aus Wetzlar erklärte: „Die alten Schätze müssen gefahren werden, weil sie sich sonst tot stehen.“ Der Rahmen einer solchen Rallye sei dafür besonders geeignet, eine Veranstaltung, bei der sich Menschen die Mühe machten, „wunderschöne Strecken herauszusuchen". So begeistert wie die beiden Oldtimerliebhaber, die für das Team Lebenshilfe Gießen starteten, waren auch die anderen Rallyefahrer: Überall überwog ein Lächeln, herzliche Begrüßungen waren an der Tagesordnung, man kannte sich, schließlich genießt man dasselbe Hobby.

Am zweiten Tag der Bodensee-Klassik machten die Oldtimer und Youngtimer Mittagsrast am Birnauer Oberhof: (von rechts) ein Riley Special (Baujahr 1934) und ein Jaguar XX120 TS (1954).
Am zweiten Tag der Bodensee-Klassik machten die Oldtimer und Youngtimer Mittagsrast am Birnauer Oberhof: (von rechts) ein Riley Special (Baujahr 1934) und ein Jaguar XX120 TS (1954).

180 Fahrzeuge 660 Kilometer unterwegs

Bei der dreitägigen Rallye fuhren 180 Oldtimer und Youngtimer rund 660 Kilometer durch die Bodenseeregion, das Allgäu, Oberschwaben, Vorarlberg und Tirol. Höhepunkte waren unter anderem der Lindauer Hafen am ersten Tag, die Mittagsrast im Birnauer Oberhof mit Ausblick auf den Bodensee sowie Meersburg und Markdorf mit ihren historischen Fachwerkhäusern am zweiten Tag, schließlich der Riedbergpass, Oberjoch und Füssen am letzten Tag. Die Bodensee-Klassik endete nach der Überquerung des Hochtannbergpasses auf dem Platz der Wiener Symphoniker in Bregenz.

Wertungsprüfungen in Friedrichshafen und Uhldingen-Mühlhofen

In fünf Etappen stellten die Fahrer der Klassiker aus den 1920er bis 1990er Jahren bei verschiedenen Wertungsprüfungen beispielsweise im Auto- und Traktormuseum Uhldingen-Mühlhofen oder am Dornier-Museum in Friedrichshafen ihr Können unter Beweis. Während der Rallye, deren Strecke jedes Jahr neu festgelegt wird, ging es nicht um Geschwindigkeit. Das Motto lautete: „Reisen statt Rasen."

Mit dabei waren viele besondere automobile Schmuckstücke, wie Ford Gran Torino von 1976. Ein baugleiches Modell fuhren „Starsky & Hutch“ in der gleichnamigen Kultserie. Der Ferrari Dino 246, Baujahr 1972, ist aus der TV-Serie „Die 2“ bekannt: Tony Curtis alias Danny Wilde fuhr in einem solchen Modell. Als eines der ältesten Fahrzeuge ging ein LaSalle 345-B des US-amerikanischen Automobilkonzerns General Motors von 1932 an den Start.

Start- und Zielpunkt der Rallye war an allen drei Tagen am Bregenzer Festspielhaus. Im Vordergrund ein BMW 327/28 aus dem Jahr 1939.
Start- und Zielpunkt der Rallye war an allen drei Tagen am Bregenzer Festspielhaus. Im Vordergrund ein BMW 327/28 aus dem Jahr 1939. | Bild: Holger Kleinstück

Fahrer in engem Kontakt mit Zuschauern

Am Rande der gesamten Strecke konnten die Zuschauer die Fahrzeuge fotografieren. Während ältere Zaungäste Kindheitserinnerungen auffrischten, war es für Jüngere interessant, „die alten technischen Wunderwerke zu bewundern, die eben noch nicht digitalisiert fahren. Diese ohne Bremskraftverstärker und ohne Servolenkung zu bewegen, ist eben sehr reizvoll“, erläuterte Tina Gorschlüter. Gerade diese Begeisterung am Streckenrand und der Dialog mit den Zuschauern gehörte für sie zu den stärksten Eindrücken. „Ganz toll ist, dass uns die Möglichkeit gegeben wird, die wunderschönen Innenstädte mit toller Kulisse und begeisterten Zuschauer zu befahren“, sagte sie. Und Reinhard Schade fasste zusammen: „Es ist sozusagen ein Kindergeburtstag für Erwachsene mit schönem Essen und bildschöner Landschaft.“

 

Die Rallye

Die Bodensee-Klassik wurde zum siebten Mal von der Zeitschrift „Auto Bild Klassik“ ausgerichtet. Startpunkt an allen drei Tagen war das Festspielhaus Bregenz. Die erste Etappe führte rund 130 Kilometer durch das Allgäu. Am zweiten Tag ging es durch Oberschwaben in Bayern und Baden-Württemberg: Die zweite Etappe (160 Kilometer) führte durch Aulendorf und Bad Saulgau, die dritte Etappe (90 Kilometer) am Bodensee entlang. Am dritten Tag ging es über die Allgäuer Hochalpen sowie durch Vorarlberg und Tirol in Österreich: Auf der vierten Etappe (rund 130 Kilometer) lenkten die Teilnehmer ihre Autos über den 1407 Meter hohen Riedbergpass, die letzte Etappe (rund 140 Kilometer) führte über den Hochtannbergpass und Dornbirn zurück nach Bregenz.