Am Montagmorgen hat vor dem Ravensburger Landgericht der Prozess gegen drei Männer im Alter von 27 bis 39 Jahren begonnen. Ihnen wird vorgeworfen, im Herbst 2018 34 Einbrüche in Häuser und Wohnung verübt zu haben. Die mutmaßlichen Einbrecher hatten es vor allem auf Bargeld und Schmuck abgesehen und trieben in einem weiten Gebiet der Bodenseeregion und Württemberg ihr Unwesen – bis am 20. Dezember die Handschellen klickten.

Mobiles Einsatzkommando nahm Männer in Markdorf fest

Nach diversen Observationen nahm ein mobiles Einsatzkommando die drei Männer in Markdorf auf frischer Tat fest. Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft. Auf 143 425 Euro beziffert die Staatsanwaltschaft den Wert des Diebesguts, dazu kommt ein Schaden von 34 000 Euro.

Drei Angeklagte, sechs Verteidiger, drei Dolmetscher

Für den Prozess vor der 7. Strafkammer sind neun Termine vorgesehen. Neben den drei Angeklagten nahmen sechs Strafverteidiger und drei Dolmetscher Platz, mit dem Staatsanwalt, einem psychologischen Gutachter sowie sechs Justizvollzugsbeamten war der Saal fast voll. Der um 20 Minuten verzögerte Start war bereits ein Omen für das nachfolgende Geschehen.

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Verteidiger kritisiert Wahl der Dolmetscherin

Kaum hatte die Vorsitzende Richterin Birgit Eißler den Prozess eröffnet, hakte es bereits. Die Strafverteidiger des angeklagten 39-Jährigen kritisierten, dass für ihren Mandanten dieselbe Dolmetscherin berufen worden war, die auch unmittelbar nach der Festnahme im Einsatz war. „Sie kommt damit auch als Zeugin in Betracht und kann nicht als Saal-Dolmetscherin eingesetzt werden“, sagte Rechtsanwalt Tomislav Duzel.

Weitere Kritik: Akten erst kurz vor Prozessbeginn oder unvollständig zur Verfügung

Ein zweiter Antrag folgte, der von den Kollegen umgehend unterstützt wurde. Die Strafverteidiger monierten, dass mehrere Tausend Aktenseiten erst zwei Tage vor dem Start der Verhandlung oder nur unvollständig zur Verfügung standen. Daher stellten die Verteidiger den Antrag auf eine Aussetzung des Verfahrens mindestens bis Juli. So folgte nach gut einer Stunde schon die erste Unterbrechung.

Erneute Pause nach Verlesung der Anklage

„Ich sehe keinen Anlass, das Tagesprogramm nicht weiter fortzusetzen, über die Anträge wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden“, sagte Richterin Birgit Eißler mit Rückendeckung der Staatsanwaltschaft. Nach der Verlesung der Anklage stockte es erneut. Weil das Gericht bei der Tagesordnung blieb, stellte Rechtsanwalt Duzel einen Befangenheitsantrag: „Ich sehe für meinen Mandanten keinen fairen Prozess gewährleistet.“ Damit war die nächste Beratungspause anberaumt.

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Da die Kammer weiterhin keinen Grund sah, die Dolmetscherin abzulösen, folgte der nächste Befangenheitsantrag. „Wenn wir so weitermachen, wie wir bisher miteinander umgegangen sind, wird das ein ewiges Verfahren“, schob die Richterin ein.

Weitere Verhandlungstermine im Juli und August

Nach insgesamt zehn Beratungspausen und fast sieben Stunden zog das Gericht die Reißleine. Die Kammer verständigte sich mit den sechs Strafverteidigern auf eine Aussetzung des Verfahrens, zuvor wurden die Befangenheitsanträge zurückgenommen. Die weiteren acht Sitzungstage, zu denen 59 Zeugen geladen sind, werden voraussichtlich auf Juli und August neu terminiert.