Es ist ein imposantes Bild, wenn ein 15-Tonnen-Schiff am Haken eines Kranes hängt. Vor allem, wenn der Kran extra für diese Aktion bestellt werden musste, weil der Hafenkran in Unteruhldingen ein solches Gewicht nicht tragen würde. Noch interessanter wird es, wenn das Schiff 105 Jahre alt ist und eine bewegte Vergangenheit auf dem Bodensee vorzuweisen hat. Der Stahlkoloss hat den Namen MS Deutschland und ist auch bekannt als Zehn-Pfennig-Fähre von Konstanz – so viel kostete einst eine Fahrkarte.

1913 in Hamburg gebaut

Gebaut wurde das Schiff 1913 von der Schlosswerft in Hamburg. Es fasst 65 Personen und gehörte dem Motorbootbetrieb der Stadtwerke Konstanz. Von 1915 bis 1918 war die MS Deutschland der Seewache zugeteilt, um Deserteure und Schmuggler im Konstanzer Trichter aufzuspüren.

Ab 1919 verkehrte es im Lokalverkehr im Konstanzer Trichter. Bis auf eine weitere Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg und die Beschlagnahme durch die französischen Behörden, war das Schiff wieder ab 1949 bis 1963 in Betrieb.

Idee vom Wassertaxi ist schon alt

Eine Verbindung ist aus heutiger Sicht hochinteressant, denn seit 2014 wird in Konstanz das Thema Wassertaxi diskutiert. Genau hier war das Schiff auf dem Rhein zwischen dem heutigen Constanzer Wirtshaus und dem Pulverturm im Einsatz. Diese Verbindung bestand unter anderem auch mit den Schiffen wie MS Komet und MS Niederburg noch bis 1991. Durch die Eröffnung der Fahrradbrücke wurde sie aber endgültig eingestellt.

Kahn diente jahrelang als Hausboot

Die MS Deutschland war bereits 1969 vom Motorbootbetrieb der Stadtwerke Konstanz verkauft worden. Seit 1978 diente sie als Hausboot und war im Dingelsdorfer Hafen beheimatet. Es waren wohl drei Studenten, die gemeinsam das Schiff erwarben. Allerdings hatten sie irgendwann keine Verwendung mehr und wollten es loswerden.

Die MS Deutschland liegt bereits auf dem Auflieger.
Die MS Deutschland liegt bereits auf dem Auflieger. | Bild: Reiner Jäckle

Besitzer: "Habe Boot aus Versehen gekauft"

Da schlug Norbert Gleichauf, Geschäftsführer der Yachtzentrum Überlingen GmbH Bodensee, zu. Allerdings gibt er zu: „Ich bin ein Blindkäufer und habe das Schiff eher aus Versehen gekauft.“ Dennoch freut er sich, dass die MS Deutschland in „einem erstaunlich guten Zustand“ sei. Natürlich rostet das Schiff an allen Ecken und Enden, aber es sei nirgends komplett durchgerostet. Auch der 100-PS-Motor, der 1965 eingebaut wurde, sehe so aus, als ob er nach dem Entlüften wieder laufen werde.

Schiff passt nicht in Liegeplatz

Die Angaben des Verkäufers sind laut Aussage Gleichaufs nicht ganz exakt, denn nach dem Kauf stellte er fest, dass das Boot 20 Zentimeter zu breit und einen Meter zu lang für seine Liegeplätze war. Das war auch der Grund, warum es zunächst in Dingelsdorf gelegen hatte. Erst im Winter schleppte er es nach Unteruhldingen, wo es jetzt ausgeschifft wurde, denn das Schiff soll weiterverkauft werden. Momentan befindet sich die MS Deutschland auf dem Trockenliegeplatz, um sie wieder flott zu machen. Nach 105 Jahren wird sie den Bodensee ziemlich sicher verlassen.