„Der Nächste bitte“: Florian Ruoff öffnet die Tür, um Corona-Testwillige ins Bermatinger Dorfgemeinschaftshaus zu lassen. Dort ist die Teststation der Gemeinde aufgebaut. Er ist eines der vielen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, (FFW) die sich zum ehrenamtlichen Dienst gemeldet haben. Am vierten Testtag sind er und sein FFW-Kamerad Dennis Schwarz im Einsatz.

Dritte im Bunde ist Petra Löhle. Sie gehörte zu einer kleinen Arbeitsgruppe, die vom Bermatinger Zahnarzt Dr. Ströbele in den Aufbau der Station, den Ablauf sowie die Art der Testungen eingewiesen wurde. Mittwochs macht sie die Abstriche, freitags Werner Ströbele. 32 sind an den Tagen jeweils vorgesehen. Während am ersten Testtag nur 13 Bürger das Angebot nutzten, waren die Termine vor Ostern und vergangenen Mittwoch schnell ausgebucht.

Warten auf den Test: Evelyn Gratwohl, Antonia Berger und Oliver Berger (von links) wollen sicher sein, dass sie niemanden anstecken.
Warten auf den Test: Evelyn Gratwohl, Antonia Berger und Oliver Berger (von links) wollen sicher sein, dass sie niemanden anstecken. | Bild: Christiane Keutner

Nach der Anmeldung bei der Gemeinde, die die Termine mit Uhrzeit vergibt, müssen die Bürger sich nach dem Eintritt die Hände desinfizieren, einen Anmeldebogen sowie eine Einverständniserklärung ausfüllen und warten, bis sie aufgerufen werden.

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In der Station hinter den Stellwänden klärt Petra Löhle die Testwilligen über die Vorgehensweise auf, fragt ab, welche Medikamente sie einnehmen und durch welches Nasenloch sie besser atmen können. Dort hinein führt sie das Teststäbchen, was bei vielen einen Tränenreiz auslöst, weshalb sie dankbar sind für das Papiertuch, das Petra Löhle gleich danach reicht.

Ergebnis nach zehn Minuten

Nach zehn Minuten Wartezeit – auf Stühlen mit entsprechendem Abstand zu weiteren Besuchern – erhalten die Getesteten ihr Ergebnis, auf das an diesem Tag alle mit einem erleichterten Lächeln reagieren. Wie Florian Ruoff, der ansonsten als Softwareentwickler arbeitet, berichtet, waren bisher alle Getesteten ohne Symptome. So musste bisher noch kein Fall ans Gesundheitsamt gemeldet und die Betroffenen in Quarantäne geschickt werden.

Familie Schweizer mit (von links) Marion, Helmut und Jakob Schweizer, meldet sich bei Florian Ruoff zum Test an.
Familie Schweizer mit (von links) Marion, Helmut und Jakob Schweizer, meldet sich bei Florian Ruoff zum Test an. | Bild: Christiane Keutner

Warum sie sich engagieren? Dennis Schwarz erklärt: „Wir sind bei der Feuerwehr, damit wir Leuten helfen können. Ob nun im Festzelt bei der Brandwache oder hier, das spielt keine Rolle. Auch bei Einsätzen steht das Wohl für andere im Vordergrund.“

Proaktiv war Petra Löhle: Die Sozialarbeiterin hatte sich nach einem Kursbesuch beim Roten Kreuz in Ravensburg bereits vor dem Start der Testungen bei der Gemeinde gemeldet und ihre Hilfe angeboten. Das passte, denn sie interessiert sich auch für medizinische Themen und hat ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst absolviert, wie sie erzählt. „Das ist für mich eine tolle Aufgabe und die Bürger sind sehr dankbar“, zeigt sie sich erfreut über die Resonanz.

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Wie es den Testwilligen ergeht, wissen die Drei aus eigener Erfahrung: Bevor die Bürger kommen, testen sich die Helfer selbst. „Das ist generell unangenehm. Man merkt, wenn es hinten ankommt und drückt einem die Tränen in die Augen, es ist aber erträglich“, meint Dennis Schwarz, der ansonsten als Mitarbeiter im Bereich Werksicherheit bei MTU arbeitet.

Diese Erfahrung teilen Birgit Langen, 42, aus Ahausen und ihr Sohn Marc: „Etwas unangenehm, aber es ging“, meint der 14-Jährige und die Mutter: „Man spürt es minimal, ein leichtes Kitzeln in der Nase.“ Eigentlich wollten sie sich bereits vor Ostern testen lassen, aber die Termine waren schon vergeben. Warum jetzt? „Zur Beruhigung: damit man einfach Sicherheit hat. Wir haben ein Schulkind, da weiß man nicht, ob das mal den Virus mit nach Hause bringt. Ich selbst habe keine Bedenken, dass ich mich sonst wo angesteckt habe“, erklärt Birgit Langen, die als Steuerfachangestellte im Homeoffice arbeitet.

Glücklich zeigt sich Hedwig Gartmann, 77, über ihr Ergebnis, das sie nach der Testung schwarz auf weiß erhielt.
Glücklich zeigt sich Hedwig Gartmann, 77, über ihr Ergebnis, das sie nach der Testung schwarz auf weiß erhielt. | Bild: Christiane Keutner

Strahlend hält Hedwig Gartmann aus Bermatingen die Bestätigung in der Hand, dass sie ohne Symptome ist: „Man ist ängstlich, wenn man jemanden trifft. Man mag niemanden gefährden und will selbst nicht gefährdet werden. Der Test gibt mir ein bisschen Sicherheit“ begründet die 77-Jährige ihre Anmeldung.

Auge(n) zu und durch: Antonia Berger lässt sich von Petra Löhle testen.
Auge(n) zu und durch: Antonia Berger lässt sich von Petra Löhle testen. | Bild: Christiane Keutner

Eine komplette Familie ist an diesem vierten Testtag ebenfalls erschienen: „Wir wollen die Großeltern schützen, wenn man sie wieder trifft, man fühlt sich dann einfach sicher“, sagt Oliver Berger, der sich als Lehrer in Friedrichshafen ein- bis zweimal die Woche testen ließ und nun nach den Ferien Gewissheit haben will.

Oliver Berger hat fast schon Routine beim Testen. Als Lehrer hat er sich schon öfter dem Prozedere unterzogen.
Oliver Berger hat fast schon Routine beim Testen. Als Lehrer hat er sich schon öfter dem Prozedere unterzogen. | Bild: Christiane Keutner

Er glaubt, dass das Testen eine Weile zum Alltag dazugehören wird. Tochter Antonia Berger freut sich: „Man kann dann mit ruhigem Gewissen die Omas in Ahausen und Markdorf wiedersehen.“ Bisher hätten sie diese nur an der Hautür getroffen oder seien gemeinsam mit Abstand spazieren gegangen.

Sieglinde und Herbert Guffarth sind froh über die Möglichkeit, sich testen lassen zu können.
Sieglinde und Herbert Guffarth sind froh über die Möglichkeit, sich testen lassen zu können. | Bild: Christiane Keutner

Sieglinde und Herbert Guffarth kennen das Prozedere bereits. „Wir haben eine schwangere Tochter und betreuen Enkel, da wollten wir Sicherheit haben“, erklärt die 63-Jährige. Sie wissen, dass das Ergebnis nur eine Momentaufnahme ist, deshalb schätzen sie das Angebot, sich von Zeit zu Zeit testen lassen zu können und haben auch Selbsttests zuhause. „Gut, dass so etwas angeboten wird. Wir werden sicher länger mit diesem Virus leben müssen“, befürchtet sie. „Es tut nicht weh; Zahnarzt ist schlimmer“, kommentiert Herbert Guffarth die Testung. „Es ist immer alles Einstellungssache“, fügt Sieglinde Guffarth hinzu.

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