Tiefe Spuren hat die Corona-Pandemie in den vergangenen zwei Jahren bei den Kindern der Grundschule hinterlassen. Vom „erschütternden“ Einzelfall mit großem Hilfsbedarf berichtete Schulsozialarbeiterin Eva Ziegler dem Gemeinderat genauso wie von gemäßigteren Auswirkungen auf rund ein Drittel bis zur Hälfte der Kinder. In einem Fall bedurfte es einer psychologischen und psychiatrischen Hilfe wegen Selbstverletzung und weil das Kind Selbstmordgedanken hegte.

Während der ersten Phase der Pandemie gab es zwei größere Krisen an der Bermatinger Grundschule. Zehn Grundschüler wurden in die Notbetreuung aufgenommen, weil sie zuhause nicht lernen konnten. Es hätten laut Eva Ziegler noch mehr dieser Hilfe bedurft, doch scheiterte dies am Willen oder der Möglichkeit der Eltern, ihre Kinder zu bringen und wieder abzuholen. Andererseits hätten die Kinder die Gruppen wegen des besonderen emotionalen sozialen Bedarfs gesprengt. Die Notbetreuung fand im ersten Jahr an zehn und im zweiten Jahr an 14 Wochen statt, ein Viertel und fast ein Drittel des Schuljahres.

Schüler kämpfen mit Ängsten

Wie wirkten sich die Corona-Maßnahmen wie Isolation aus? Eva Ziegler nannte vermehrt aufgekommene Motivationslosigkeit, Schulaufgaben zuhause zu machen. Projekte und Sozialtraining konnten nicht stattfinden, das Hausaufgabentraining der Caritas fiel ebenso aus. Vier Schüler hatten Schulängste und blieben der Schule fern. In zwei Fällen bedurfte es psychiatrischer Hilfe bis zur dann erfolgreichen stationären Behandlung. Besonders hervorstechend sei die fehlende Schulreife in den ersten Klassen; die Schüler waren unruhig und hatten Konzentrationsschwierigkeiten; die Lehrer und die Schulsozialarbeiterin mussten viel mehr Arbeit aufbringen.

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Es gab rund acht Kinder, bei denen Kontakt zum Jugendamt bestanden hatte. Zusätzlich erschwerten komplett fehlende Deutschkenntnisse bei zwei Schülern, ADHS und Autismus und bei manchen eine sehr niedrige Frustrationstoleranz mit Wutausbrüchen und Stören den Unterricht. In einem Jahr seien 97 Einzelfälle mit bis zu drei Terminen pro Kind und im darauffolgenden Jahr 74 Termine nötig gewesen; in rund 40 Fällen waren mehr als drei Termine mit Fach- und Elterngesprächen notwendig.

Eltern im Homeoffice-Stress

Erschütternd sei der eine oder andere Fall, so Bürgermeister Martin Rupp, sich nach den Ursachen erkundigend. Seien die Situationen in anderen Schulen ähnlich? Es nage am Selbstwertgefühl eines Kindes, wenn es alles alleine machen müsse und es sei schwierig, sich selbst zu motivieren, gerade in dem Alter, schilderte Eva Ziegler einen Fall, bei dem Vater und Mutter im Homeoffice waren und selbst Stress hatten und es für sie auch nicht einfach war, die Schulaufgaben zu begleiten.

„Sind die Erstklässler falsch bewertet und wegen der mangelnden Schulreife zu früh eingeschult worden?“, erkundigte sich LBU-Gemeinderat Hubert Ziegler. Die Kindergärten seien offen gewesen, aber mit Notbetreuung, so Ziegler. Die Kinder seien viel zuhause gewesen und hätten lustbetont ihren Tag verbringen können. Die Phase, in der Selbstkontrolle und Selbstregulationsfähigkeit gelehrt würden, sei die wichtigste im Kindergarten.

Grundbetreuung in den Kindergärten

Dies sollte kein Vorwurf an den Kindergarten sein; es habe eine Grundbetreuung gegeben und aus Angst vor möglicher Ansteckung seien viele Kinder der Einrichtung ferngeblieben, ergänzte Rupp. Wegen der besonderen Situation und anderer Faktoren habe sich der Entschluss, die Stelle der Sozialarbeiterin auf 40 Prozent aufzustocken als richtig erwiesen. Wurde anfangs die Notwendigkeit einer Sozialarbeiterin an der Grundschule von Einzelnen im Gemeinderat bezweifelt, herrscht heute ein breiter Konsens im Gremium darüber, dass die Stelle notwendig sei.

Bürgermeister Martin Rupp dankte Eva Ziegler für ihre engagierte Arbeit. Sie verändert sich und wird nur noch bis Mitte April da sein, die Suche nach der Nachfolge läuft.