„Wir sind sehr froh“, erklärt Carola Uhl, Organisatorin des Workshop- und Konzert-Reigens in Bürgerhaus, Bürgersaal und Mesnerhaus, „dass wir dank sinkender Inzidenzzahlen in diesem Frühjahr wieder einladen dürfen.“

Neuer Mitspieler ist in diesem Jahr neben dem Kulturausschuss der Gemeinde Bermatingen und neben der Musikschule Raumschaft Markdorf auch die Markdorfer Seelsorgeeinheit beziehungsweise die Pfarrgemeinde St. Georg, in deren Räumlichkeiten einige der Workshops stattfinden. Das Abschlusskonzert am 26. Juni mit Kompositionen aus Mittelalter und Renaissance findet in der katholischen St.-Georg-Kirche statt – so wie auch der Gottesdienst am 22. Mai, den die Sänger des Workshops Chor mitgestalten.

In der Kirche St. Georg findet ein Konzert und ein musikalischer Gottesdienst statt.
In der Kirche St. Georg findet ein Konzert und ein musikalischer Gottesdienst statt. | Bild: Jörg Büsche

„Wir singen geistliches und weltliches Repertoire aus den Klöstern Oberschwabens“, heißt es in der Chor-Workshopankündigung von Klaus Brecht. Der Dozent an der baden-württembergischen Landesakademie Ochsenhausen will einen Schwerpunkt seines auf zwei Tage verteilten Chor-Kurses auf jene Musik setzen, die in den Klöstern der Bodenseeregion gesungen wurden. Im Vordergrund stehe dabei „die Freude am gemeinsamen Singen“. Und gesungen werde überwiegend leichte Literatur. Lieder, die sich verhältnismäßig rasch einstudieren lassen.

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Spaß am gemeinsamen Musizieren

Überhaupt steht der Spaß am gemeinsamen Musizieren – nach dem Auftakt der „Tage Alter Musik“ vor zwei Jahren – neuerlich Vordergrund. „Solche Workshops sind eine Möglichkeit, ganz tief in die Musik einzutauchen“, erklärt Katja Verdi. Die Blockflötistin bringt bei dem von ihr geleiteten Blockflötenkonzert am 26. Juni in der Bermatinger St.-Georg-Kirche Profi-Blockflötisten und Laien zusammen. Pfarrer Ulrich Hund betont in diesem Zusammenhang, wie wichtig ihm sei, „dass unsere Seelsorgeeinheit musikalisch begabten Menschen Raum gibt, wo ihre Talente wachsen können“.

Das Workshop-Angebot wendet sich grundsätzlich auch an Laien, erklärt Gerhard Eberl, Direktor der Markdorfer Musikschule. Er wird einen Rahmentrommel-Workshop leiten. Puls, Rhythmus, Metrum stehen im Mittelpunkt – natürlich auch, wie das in so vielen Kulturen bekannte Instrument angeschlagen wird. „Voraussetzung ist eigentlich nur, dass alle Workshopteilnehmer ihre eigene Rahmentrommel mitbringen“, erklärt der studierte Schlagzeuger. Dessen Draht zur alten Musik übrigens nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit mit dem Mittelalter-Musik-Fachmann Bertold Rucker wie auch durch Auftritte mit den „Carlina-Leut“ verstärkt wurde.

Ein Workshop Flöte für Erwachsene gibt es am 24. Juni, von 18 Uhr bis 19.30 Uhr im Bürgersaal Ahausen.
Ein Workshop Flöte für Erwachsene gibt es am 24. Juni, von 18 Uhr bis 19.30 Uhr im Bürgersaal Ahausen. | Bild: Jörg Büsche

Stücke aus der Renaissance, aber auch aus der Barockzeit will Christiane Riedmann mit den Besucher des von ihr angebotenen Workshops spielen. An Atmung, Haltung und Intonation will die Blockflötistin unter anderem mit ihnen arbeiten. Vor allem die Jugend möchte Bettina Haugg-Scheu ansprechen. Die Leiterin des Konstanzer Blockflötenorchesters möchte neben alten Tänzen auch auf freies Improvisieren abzielen.

Klangwelt des Mittelalters entdecken

Warum Alte Musik? Carola Uhl muss nicht lange überlegen. Die Initiatorin möchte „möglichst viele Menschen mit meiner Faszination für die Klangwelt von Mittelalter und Renaissance anzustecken“. Da gebe es noch sehr, sehr viel zu entdecken an musikalischer Unmittelbarkeit, Ursprünglichkeit. „Das ist Musik, die in Gasthäusern gespielt wurde, das sind Melodien, die während des Gottesdienstes gesungen wurden“, erklärt Carola Uhl. An die Distanz zwischen Solisten oder Orchester und ihrem Publikum im Konzertsaal sei zu jener Zeit noch gar kein Denken gewesen. Und diese Nähe sei zu spüren – trotz aller zeitlichen Ferne zu Mittelalter und Renaissance.

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Bürgermeister Martin Rupp freut es, wenn die Workshops, wenn die Konzerte und mit Alter Musik umrahmten Gottesdienste in seiner Gemeinde nun zu einer gewissen Kontinuität finden. Neben den Sommerkonzerten im ehemaligen Kloster Weppach – gleichfalls einer Kooperation der Gemeinde mit der Musikschule Markdorf – bereichern sie das musikalischer Angebot in Bermatingen. Rupp ist sich sehr bewusst, „dass die Tage Alter Musik in die weitere Region ausstrahlen“. Bereits ihre erst Ausgabe im Jahr 2019, vor der durch Corona erzwungenen Pause, habe zahlreiche Liebhaber der alten Musik angelockt. Und keineswegs vergessen werden darf die Attraktion der Tage für Musiker, für den verhältnismäßig kleinen Kreis der auf Mittelalter, Renaissance und Frühbarock ausgerichteten Spezialisten, denen Bermatingen willkommene Gelegenheit zum Austausch bietet.