Die Motivation wird die Mitglieder antreiben, das angekündigte „rauschende Fest“ in 2022 zu einem unvergesslichen Erlebnis zu machen, denn dann wird der Musikverein 200 Jahre alt und das soll entsprechend gefeiert werden. Das Jubiläum will man auch mit 40 Jahren Mostfest verbinden; coronabedingt konnte dies in den vergangenen zwei Jahren nicht ausgerichtet werden.

Der Verein hat Glück, dass es Dirigent Martin Schmid gesundheitlich wieder besser geht und er den Ahausern weitere zwei Jahre zugesichert hat, was mit einem Spontan-Applaus bedacht wurde. Um nicht „ins alte Fahrwasser“ zu geraten, müsse er für sich „Gas rausnehmen“ und sich auf seine Aufgaben als Dirigent konzentrieren, so Schmid. Das sei im Vorfeld mit dem Vorstandsteam so besprochen worden.

Wo muss der Verein überall präsent sein?

In Frage stellte Martin Schmid die vielen Auftritte: „Müssen wir überall präsent sein?“. Vielleicht trug auch der zuverlässige Probenbesuch, die Kameradschaft und das hohe musikalische Niveau dazu bei, den Dirigentenstab nicht aus der Hand zu legen. „Wir waren fast immer zwischen 30 bis 35 Leute, das war für die Zeit hervorragend. Meine Hochachtung, wie ihr alle mitgezogen habt“, bat er darum, so weiterzumachen und erinnerte an die Proben im Freien. Apropos: Für so viele Musiker sei das Probelokal zu klein, hofft er hier auf eine Lösung.

Genau wie der Vorsitzende Maurice Parent. Er verwies auf erste Renovierungsarbeiten mit neuer Küche, neuem Boden, neuer Sitzgarnitur, frisch gestrichenen Wänden und freute sich über die finanzielle Unterstützung seitens der Gemeinde, „damit wird uns im Probelokal wieder wohlfühlen können“. Er warnte in charmant-witziger Art Bürgermeister Martin Rupp und Ortsvorsteher Jakob Krimmel auch gleich vor Bittgesuchen: „Ich habe einiges vor und werde wohl noch öfters auf der Matte stehen.“

Seit zehn Jahren sind dabei (obere Reihe von links): Leon Schmid, Simone Sterk, Timo Dietz und Steffi Sträßle. Den D1-Lehrgang erfolgreich bestanden haben (untere Reihe von links): Niklas Welte, Lisa Schwegel, Sarah Graf und Kai Schmid.
Seit zehn Jahren sind dabei (obere Reihe von links): Leon Schmid, Simone Sterk, Timo Dietz und Steffi Sträßle. Den D1-Lehrgang erfolgreich bestanden haben (untere Reihe von links): Niklas Welte, Lisa Schwegel, Sarah Graf und Kai Schmid. | Bild: Christiane Keutner

Wie sehr alle an einem Strang ziehen, zeigte das Organisations-Team mit Raphael Wieser, Christian Wegis, Martin Heigle, Linda und Tobias Schappeler: Sie hatten in Eigeninitiative das vor wenigen Tagen stattgefundene Oktoberfest im Gewerbegebiet Hofäcker auf die Beine gestellt. Am 2. November ist ein kleines Konzert geplant. Erfolgreich waren die zwei Dinnele-Aktionen „to go“ und die Übernahme von aktiven Musikern aus der Jugend, wandte sich Parent an den Dirigenten Martin Schmid: „Als Hauptverantwortlicher hast du die Ausbildung im Griff und bringst den Jugendlichen richtige Werte bei.“ Er lobte den Zusammenhalt und die Stimmung, wie die Jungen sich einfügten. Selten habe er eine so gute Kameradschaft erlebt und auch musikalisch sei man auf wieder sehr gut. Andere Vereine seien fast auf die Hälfte geschrumpft. „Sepp Herberger sagte mal: ,11 Freunde müsst ihr sein. Wir sind 50. Ich hoffe, es bleibt auch so.“

Was Musiker wie Zuschauer während der Hochzeiten der Pandemie alles verpasst hatten, wurde am Bericht von Schriftführerin Anja Moser deutlich, als sie noch von den Aktivitäten 2019 berichtete, bevor alles abebbte. Inzwischen gab es wieder einige Auftritte. Mit den abgesagten Veranstaltungen schrumpfte der Kassenstand. Kassierer Wolfgang Graf berichtete im Detail und beruhigte: Es gibt noch Rücklagen.

Der Bericht über die vielen Aktionen 2019 hatten Ortsvorsteher Jakob Krimmel sehr beindruckt: „Gibt es überhaupt etwas im Dorf, wo die Musik nicht dabei ist? Ich ziehe meinen Hut, persönlich und im Namen der Dorfgemeinschaft.“ Sein Höhepunkt waren die ersten Proben, die unter freien Himmel stattgefunden hatten: „Völlig unverhofft ist die Nachbarschaft zum Konzert gekommen.“ Bürgermeister Martin Rupp bekräftigte: „Musik hat bei uns einen hohen Stellenwert. Durch Corona wurde uns bewusst, was man vermisst hat. Wir sind stolz und froh auf und über euch und werden alles tun, euch weiter zu unterstützen.“

Bei den Ehrungen zeichneten Maurice Parent und Martin Schmid Lisa Schwegel, Sarah Graf, Niklas Welte und Kai Schmid aus, die den D1-Lehrgang erfolgreich absolviert hatten. Für zehn Jahre Zugehörigkeit wurden Simone Sterk, Steffi Sträßle, Leon Schmid und Timo Diez geehrt.

Musik hat hohen Stellenwert

  • Fußball versus Musik: Dirigent Martin Schmid berichtete, dass ihm angesichts regen Fußballgeschehens auf dem örtlichen Sportplatz bei gleichzeitigem allgemeinen Musizierverbot gesagt wurde, dass der Musikverein keinen Stellenwert habe.
  • Das sagt der Dirigent: Abgesehen davon, dass Blasmusiker Aerosole mit den Coronaviren verbreiten könnten und ihnen Auftritte untersagt waren, fühlte sich Martin Schmid etwas geknickt: „Wir rücken zu allen Anlässen aus und spielen fast immer umsonst. Sowas zu hören, tut ein bissle weh.“
  • Das sagt der Bürgermeister: Martin Rupp tat die Bemerkung als „dummes Geschwätz“ ab: Bundesweit habe Fußball hohen Stellenwert, kritisierte er aber gleichzeitig vollbesetzte Stadien mit Besuchern ohne Masken, während andere Veranstaltungen untersagt sind. „Mir ist es wichtig zu sagen, dass Musik einen hohen Stellenwert hat. Wir sind stolz auf Euch!“
  • Das sagt der Ortsvorsteher: „Natürlich gibt es Dinge, die Menschen anders sehen, aber die meisten freuen sich, wenn Musik spielt – bei fröhlichen und traurigen Anlässen“, so Jakob Krimmel.