Ein neuer, 25 Meter hoher Funkturm soll eine Verbesserung der Mobilfunkversorgung bringen: Der Stahlgittermast mit zwei Plattformen und Outdoortechnik auf einer Fundamentplatte soll in der Nähe des Wasserhochbehälters, nahe des bestehenden Funkturms in Ahausen, gebaut werden. Potentieller Bauherr ist die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG). Den entsprechenden Antrag auf Baugenehmigung im vereinfachten Verfahren stellte Ortsvorsteher Jakob Krimmel in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates vor, der im Bürgersaal tagte.

Derzeit Versorgung von Mast in Wirrensegel

„Es ist ein sensibles Thema, nicht nur baurechtlich“, meinte Krimmel und bedauerte, dass er keinen Referenten des Unternehmens zur Vorstellung des Projekts bekommen konnte und dass man mit den spärlichen Informationen vorlieb nehmen müsse. Als Gemeinde habe man unter anderem die Aufgabe Infrastruktur vorzuhalten, zumindest zu fördern. Dazu gehörten Internet, Breitbandnetz, weshalb man vor kurzem in den Zweckverband eingetreten sei, Glasfaser und der Mobilfunk, erläuterte Krimmel. Derzeit werde man vom Mast in Wirrensegel versorgt. Das D1-Netz funktioniere nicht wirklich gut und die Technik sei veraltet. „Wir von der Gemeinde haben das Gespräch mit Anbietern gesucht und verschiedene Standorte geprüft“, berichtete der Ortsvorsteher.

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Laut DFMG der beste Standort für die Abdeckung

Von der Topographie her sei der Hochbehälter der Wunschstandort der DFMG, mit der ihrer Ansicht nach nur eine vernünftige Abdeckung möglich wäre. Für die Gemeinde sei das eher kein Lieblingsstandort, da es sich um eine sehr exponierte Lage handele. Man fürchtet, dass der Turm dann sehr landschaftsprägend wirke. Das Aufsetzen auf den bestehenden Masten funktioniere wegen veralteter Technik nicht. Deshalb habe man auch das Gespräch mit dem Besitzer des Nachbargrundstücks gesucht, so Krimmel.

Jakob Krimmel, LBU und Ortsvorsteher: „Mein Lieblingsstandort war es nicht und mir gefällt die Höhe auch nicht.“
Jakob Krimmel, LBU und Ortsvorsteher: „Mein Lieblingsstandort war es nicht und mir gefällt die Höhe auch nicht.“ | Bild: SK

Bestückung mit 5G und in Zukunft 6G

Der Turm solle mit 5G bestückt werden, 6G sei in Vorbereitung. Andere Mobilfunkanbieter seien angefragt worden, ob sie auch Interesse haben, den Masten zu nutzen. Das sei so üblich. Ein Betriebsgeheimnis sei die Abdeckung. „Sie wird besser, aber wie weit sie reicht, wurde nicht beantwortet“, sagte Krimmel. Mit einer ehrlichen Antwort bezüglich der Frage gesundheitlicher Bedenken habe er nicht gerechnet: Es hieß, die Genehmigung der Bundesnetzagentur hinge vom Abstand ab: fünf Meter vertikal, 20 Meter horizontal.

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Einfluss der Gemeinde auf den Standort gering

Ortschaftsrätin Angelika Bernhardt-Welte, CDU, verwies auf Studien zu Insektensterben in einem gewissen Umkreis und auf die oben angelegten Obstanlagen und fragte, ob die Anlieger informiert und diese Höhe notwendig sei. „Mein Lieblingsstandort war es nicht und mir gefällt die Höhe auch nicht“, so Krimmel, der aber auch auf den Wunsch von Bürgern nach einer besseren Versorgung verwies und dass man keinen großen Einfluss auf den Standort habe: Baurechtlich könne man ihn aus solchen Gründen nicht verhindern. Eine Ablehnung nutze nichts, verwies er auf Verträge mit Eigentümern. Jonas Bechinger, LBU, hätte gern mehr Infos bezüglich des Standortes gehabt. „Der Masten in Wirrensegel oder im Wald fällt nicht auf“, meinte er und stellte die Frage nach einem Alternativstandort in den Raum, abseits vom Wohngebiet.

Christian Wegis, FW: „Ich finde die Höhe auch massiv, aber 95 Prozent der Geschäfts- und Privatleute beklagen sich über eine schlechte Verbindung.“
Christian Wegis, FW: „Ich finde die Höhe auch massiv, aber 95 Prozent der Geschäfts- und Privatleute beklagen sich über eine schlechte Verbindung.“ | Bild: Michael Stehle

Wegis: 95 Prozent klagen über schlechte Verbindung

„Ich finde die Höhe auch massiv, aber 95 Prozent der Geschäfts- und Privatleute beklagen sich über eine schlechte Verbindung“, sagte Christian Wegis, FW: „ Es ist eine Gratwanderung, aber ich sage eher, wir müssen mit der Zeit gehen, das Mobilfunknetz ausbauen und prinzipiell zustimmen. Wenn man ablehnt, bekommen die das sowieso durch, das bringt nichts.“

Jonas Bechinger, LBU: „Der Masten in Wirrensegel oder im Wald fällt nicht auf. Ich hätte gerne einen Alternativstandort abseits vom Wohngebiet.“
Jonas Bechinger, LBU: „Der Masten in Wirrensegel oder im Wald fällt nicht auf. Ich hätte gerne einen Alternativstandort abseits vom Wohngebiet.“ | Bild: SK

Gemeinsam soll Lösung gefunden werden

Bei der Abstimmung sprach er sich für eine Zustimmung als Empfehlung an den Gemeinderat aus. Karl Hafen, FW, und Jakob Krimmel, LBU, enthielten sich, vier stimmten gegen den Masten, weil sie sich an der geplanten Höhe und der exponierten Lage in der Landschaft stören. Krimmel abschließend: „Grundsätzlich wollen wir das Gespräch mit der DFMG suchen, um gemeinsam eine gute Lösung zu finden.“

Hintergründe und Stimmen

  • Der Antragsteller: Die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG. Sie plant, realisiert, vermarktet, betreibt und besitzt Antennenträger. An den Funktürmen können dann von Kunden der DFMG Antennen angebracht werden. Zu den Kunden zählen die Telekom Deutschland GmbH, Vodafone und O2. Die Antennenträger werden auch von überwiegend privaten sowie öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Hörfunkveranstaltern sowie von BOS- und Amateurfunk benötigt. Rund 30 000 Funkstandorte in Deutschland gehören der DFMG, darunter rund 16 000 kleinere Masten auf Hausdächern, 8000 freistehende Masten mit bis zu 80 Metern Höhe sowie 500 Fernmeldetürme. Da die Errichtung von Mobilfunkanlagen mancherorts auf Widerstand stößt, wird das Unternehmen immer wieder in Gerichtsverfahren verwickelt. Hierbei tritt die DFMG als Klägerin auf, wenn eine Gemeinde einen Bauantrag ablehnt, und als Beklagte, wenn Nachbarn Abwehransprüche geltend machen sowie als Beigeladene, wenn Nachbarn die Aufhebung einer Baugenehmigung begehren. (keu)
  • Stimmen aus Ahausen: Im Nachgang der Sitzung debattierten die Zuschauer das Thema. Der in Bermatingen wohnende Klaus Widemann meinte, eine grundsätzliche Verbesserung des Mobilfunknetzes in Ahausen sei wünschenswert. Er war jedoch auch der Meinung, dass der Standort für einen 25 Meter hohen Stahlfunkturm auf dem höchsten Hügel in Ahausen mit seiner Massivität für das Dorfbild absolut schädlich sei. Zudem sei der Hochleistungsfunkturm nur etwa 80 Meter von der nächsten Wohnsiedlung Bergstraße entfernt und der Standort somit nicht optimal. Er sollte eher in Richtung Buggensegel auf freier Strecke gesucht werden. In diesem Zusammenhang verwies er auf ein ähnliches Thema in Markdorf: Dort wollte die Funkturmgesellschaft einen Turm ortsnah errichten. Die Stadtverwaltung habe dann einen Standort in Richtung Gehrenberg im Wald vorgeschlagen, welcher dann auch so verwirklicht worden sei: „Der Mast fällt nicht auf, alle sind somit zufrieden. Das wäre doch ein Weg, den Bermatingen auch versuchen könnte.“ Der Ahauser Peter Tillmann schlug als Alternative einen Hügel in Richtung Grasbeuren vor. (keu)
  • Der Beschluss im Bermatinger Gemeinderat: Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, entsprach der Auschuss für Bauen und Umwelt (ABU) des Gemeinderats der ablehnenden Empfehlung des Ortschaftsrates. Mit vier Gegenstimmen, zwei Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Antrag zur Errichtung eines 25 Meter hohen Stahlgittermasts abgelehnt. Nun soll mit dem Antragssteller nachverhandelt werden, damit dieser die Möglichkeit bekomme, seine Pläne abzuändern und erneut zur Antragstellung im ABU einzureichen.