Nach 103 Tagen kultureller Stille konnte der Musikverein (MV) Ahausen endlich wieder die Proben aufnehmen. Eine Wiese im Gewerbegebiet Hofäcker bot den passenden Probenraum, da dort alle Musiker im gebotenen zwei Meter Abstand Platz fanden.

Dirigent Martin Schmid ließ es nach der langen Unterbechung ruhig angehen und der Zollstock für die Abstandsmessungen liegt immer griffbereit auf dem Notenpult.
Dirigent Martin Schmid ließ es nach der langen Unterbechung ruhig angehen und der Zollstock für die Abstandsmessungen liegt immer griffbereit auf dem Notenpult. | Bild: Jan Manuel Heß

Erst einmal leichte Stücke zum üben

Dirigent Martin Schmid hatte sich für den Anfang eine leichte Stückeauswahl überlegt. „Viele haben in den vergangenen drei Monaten nicht geübt, daher heißt es jetzt erst mal, sich wieder an sein Instrument zu gewöhnen“, erklärt Schmid. Uns so erklingt in Ahausen nach langer Stille, passend zum Moment, als erstes „Wunder geschehen immer wieder“ von Katja Ebstein, es folgen Walzer und natürlich Polkas.

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Proben werden notwendig sein

Es ist besonders der sogenannte „Ansatz“, also die Technik des Ansetzens eines Blasinstruments an den Mund des Musikers, in Verbindung mit der Fähigkeit zu ausdauerndem Spiel mit anhaltend guter Tonqualität, die einigen etwas zu schaffen macht. „Mein Mund fühlt sich heute nach 45 Minuten so an, wie sonst nach sechs Stunden spielen“, meint Klarinettistin Steffi Zimmermann, während sie sich die Wangen massiert. Nicht anders ergeht es den Trompetern Maurice Parent und Martin Heigle, die während der Stücke immer wieder Mal ihre Münder dehnen müssen. „Da wird noch die eine und andere Probe notwendig sein, bis wir wieder auf unserem gewohnten Niveau spielen werden“, sagt Parent als Vorsitzender des MV Ahausen.

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Vielleicht ein Acker- oder Platzkonzert?

Eilig haben sie es nicht, da in nächster Zeit keine Konzerte anstehen. Je nach Entwicklung möchte man sich ab September ein Acker- und/oder Platzkonzert offen halten, wie Parent erklärt: „Wir wollen einfach schauen, wie sich die Lage entwickelt und wie sich dann im Rahmen der jeweiligen Verordnung und Hygieneauflagen so etwas umsetzen lässt.“ Auch das traditionelle Herbstkonzert ist für Schmid und Parent noch nicht vom Tisch. „Übungstechnisch ist das zu stemmen, wenn uns die Infizierungszahlen dann nur keinen Strich durch die Rechnung machen“, so Parent und Schmid ergänzt: „Man merkt doch, dass die Musik einen wichtigen Anteil am Dorf- und Kulturleben hat und die Feste und Konzerte den Menschen einfach fehlen.“

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Eigenes Hygienekonzept

Damit die Proben überhaupt in diesem Rahmen stattfinden können, wurde vom Blasmusikverband und dem Sozial- und Kultusministerium eine Verordnung erarbeitet, die den Probenalltag unter Corona-Bedingungen regelt und mit der Gemeindeverwaltung abgestimmt wurde, wie Bürgermeister Martin Rupp erläutert. „Die Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Vereinen hat wie immer sehr gut funktioniert, es gab keinerlei Schwierigkeiten und alle Vereine sind sich ihrer Verantwortung in dieser besonderen Situation bewusst.“ Alle gefundenen Lösungen seien Corona-konform und von daher ein vorsichtiger und vertretbarer Schritt in Richtung „Normalität“. „Am wichtigsten ist nach wie vor für uns alle: Abstand halten und allgemeine Hygieneregeln beachten, damit es nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommt“, so Rupp weiter. Hierfür trage jede und jeder in der Gesellschaft selbst die Verantwortung, beziehungsweise müsse ihren und seinen Beitrag im Sinne des Allgemeinwohls leisten.

Mit viel Freude trafen sich die Musikerinnen und Musiker des MV Ahausens unter freiem Himmel zur ihrer ersten Gesamtprobe seit dem Beginn der Corona-Krise Mitte März.
Mit viel Freude trafen sich die Musikerinnen und Musiker des MV Ahausens unter freiem Himmel zur ihrer ersten Gesamtprobe seit dem Beginn der Corona-Krise Mitte März. | Bild: Jan Manuel Heß

Das Hygienkonzept sieht unter anderem einen zwei Meter Abstand nach vorne, hinten und seitlich von der Stuhlmitte aus gemessen zum nächsten Musiker vor. Musizieren im Freien ist unter Einhaltung der Abstandsregeln von zwei Metern erlaubt. Die Anzahl der Musiker im Raum und im Freien ergibt sich durch die Größe der Räumlichkeiten. Geschlossene Räume müssen alle 15 Minuten kurz gelüftet und nach jeder Probe gereinigt werden.

Timo Dietz (links) und Raphael Wieser halten die Vorschriften ein, immer zwei Meter Abstand zum nächsten Musiker.
Timo Dietz (links) und Raphael Wieser halten die Vorschriften ein, immer zwei Meter Abstand zum nächsten Musiker. | Bild: Jan Manuel Heß

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