Von der Seelage ab ins Hinterland: Seit 40 Jahren gibt es nun die Firma Elektro Volz, 39 davon in Bermatingen. Doch wie kam es dazu? 1981 entschied der in Meersburg tätige junge Elektromeister Karl Volz, dass eine örtliche Neuausrichtung seinem gerade gegründeten Betrieb nicht schaden würde, denn damals gab es bereits sechs etablierte Elektrobetriebe im 4000 Einwohner zählenden Meersburg.

Mit diesem Flugblatt begann am 26. Juni 1981 die 40-jährige Geschichte von Karl Volz und seinem Elektrobetrieb in Bermatingen.
Mit diesem Flugblatt begann am 26. Juni 1981 die 40-jährige Geschichte von Karl Volz und seinem Elektrobetrieb in Bermatingen. | Bild: Jan Manuel Heß

Doch wohin? Mittels einer Standortanalyse wurde das beschauliche, aber strategisch äußerst günstig gelegene Bermatingen als idealer Standort ermittelt, denn damals war in der Gemeinde nicht ein einziger Elektroinstallationsbetrieb verzeichnet. „Das erwies sich als wahrer Glücksfall, denn mit Markdorf und Salem ergab sich dadurch ein recht großes Einzugsgebiet“, erinnert sich Karl Volz im Gespräch mit dem SÜDKURIER.

1981 Umzug in den früheren Kuhstall nach Bermatingen

In der Salemer Straße 7 waren in einem ehemaligen Kuhstall recht schnell geeignete Räume gefunden und so konnte am 26. Juni 1981 die Neueröffnung von „Karl Volz Elektro-Technisches Unternehmen“ gefeiert werden. Im Ort machte Karl Volz sich schnell einen guten Namen: Anfangs lediglich mit einem Gesellen und einem Lehrling unterwegs, bekam er viele Aufträge, auch von der Gemeinde. An einen erinnert sich Volz besonders gerne: „Der Auftrag für die neue Sporthalle in Bermatingen, die 1983 fertiggestellt wurde, war mein bis dahin größter.“

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Alt-Bürgermeister Alois Gohm hatte Vertrauen

„Der damalige Bürgermeister Alois Gohm hatte da viel Vertrauen in mich gesetzt, dafür bin ich bis heute dankbar“, erinnert sich Karl Volz. Er und seine Mitarbeiter installierten die gesamten Elektro- und Lautsprecheranlagen sowie die Beleuchtung.

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Aufgrund des Erfolgs und des dadurch stetig wachsenden Betriebs mussten schon bald neue Räume her. Auf dem gleich gegenüberliegenden Grundstück, Salemer Straße 6, bot sich die Gelegenheit, ein komplett neues Gebäude zu errichten. Das Geschäfts- und Wohnhaus wurde am 11. September 1987 eröffnet und im Jahr 2005 kam noch eine Betriebshalle in Ahausen hinzu.

Vor dem Handy wurde gefunkt

In Laufe der Jahre war der „Karle“, wie ihn alle im Ort nur nennen, viel im Ort unterwegs und währenddessen sorgte seine damalige Frau Monika Volz dafür, dass im Ladengeschäft der Verkauf lief und koordinierte die Termine. In den Zeiten bevor das Handy alltäglich wurde, wusste man sich zu helfen, um die Kommunikation aufrechtzuerhalten, wie sich Monika Volz erinnert.

Bevor das heutige Wohn- und Geschäftshaus in der Salemer Straße 6 errichtet werden konnte, musste zunächst ein altes Haus weichen.
Bevor das heutige Wohn- und Geschäftshaus in der Salemer Straße 6 errichtet werden konnte, musste zunächst ein altes Haus weichen. | Bild: SK

„Wir hatten eine Funkanlage im Geschäft und der Karl ein Gerät im Auto und wenn es was gab, dann hieß es: ‚Hallo, Hallo, Elektrotechnik Volz, bitte kommen!‘“ Das war schon notwendig, denn Karl Volz hatte gut zu tun. Neben dem Alltagsgeschäft der häuslichen Elektroinstallationen hatte er sich bald schon die regenerative Stromerzeugung auf die Fahnen geschrieben: „1999 bildete ich mich zum Solartechniker weiter und war so etwas ein Pionier auf dem Feld hier im Bodenseeraum.“ Im Laufe der Jahre installierte er über 500 Photovoltaikanlagen in der gesamten Region.

Ausbildung von Lehrlingen war Karl Volz immer wichtig

Ein spezielles Steckenpferd von Karl Volz war die Ausbildung von Lehrlingen und in den folgenden Jahren stieg die Mitarbeiterzahl so auf acht. „Die Ausbildung war mir immer sehr wichtig, ich denke, dass in den vergangenen 40 Jahren über 20 Azubis bei mir ihre Ausbildung durchliefen“, so Volz. In den späteren Jahren wurde es jedoch immer schwieriger, geeignete und willige Azubis zu finden.

Am 9. September 1987 erschien im SÜDKURIER eine Anzeige anlässlich der Eröffnung der neuen Geschäftsräume in der Salemer Straße 6 in Bermatingen.
Am 9. September 1987 erschien im SÜDKURIER eine Anzeige anlässlich der Eröffnung der neuen Geschäftsräume in der Salemer Straße 6 in Bermatingen. | Bild: Jan Manuel Heß

„Ich denke, das hat verschiedene Gründe: Zum einen ist Mathe nicht sehr beliebt, und das braucht man in diesem Beruf, zum anderen arbeiten wir auf Baustellen, was auch nicht jeder mag.“ Doch das Berufsbild hat sich im Laufe der Zeit gewandelt, der Elektroinstallateur heißt heute Elektroniker und statt Telefonkabel werden heute Netzwerkleitungen verlegt.

Ein Sicherungskasten aus der analogen Steinzeit.
Ein Sicherungskasten aus der analogen Steinzeit. | Bild: Jan Manuel Heß

Zeit für einen Wechsel an der Spitze

Ein Umstand, der Karl Volz dazu brachte, seinen Betrieb Ende 2018 seinen beiden Söhnen, Markus und Martin, zu übergeben. „Es war an der Zeit, den Wechsel vorzunehmen, denn die Anforderungen an die Technik wandeln sich durch die Digitalisierung stark.

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Ich möchte nicht wie viele andere den richtigen Zeitpunkt der Übergabe versäumen, insgesamt 38 Jahre sind genug.“ Aus „Karl Volz Elektro-Technik“ wurde die „Elektrotechnik Volz GmbH“ mit Markus und Martin Volz als Geschäftsführer.

Digitalisierung ist eine Herausforderung für die Zukunft

Die heutigen Anforderungen für die beiden Meister liegen besonders bei den privaten Haushalten in einer Kombination aus analoger und digitaler Technik, dazu Markus Volz: „Viele sind bei der Digitalisierung ihres Eigenheims noch zurückhaltend, da wird eher am Bestand festgehalten.“

Meist sind es virtuelle Assistenten zur Steuerung von Lampen und Steckdosen, mit denen das Smart-Home Einzug hält, doch diese benötigen keine professionellen Installationen. „Das kommt dann erst später bei Sanierungen, da will man dann auch die Rollläden, Heizung, das Internet und am besten auch denn Kühlschrank mit dem Smartphone steuern“, so Markus Volz.

Martin Volz „checkt“ kurz die Daten der Sicherungsanlage im Vereinspavillon.
Martin Volz „checkt“ kurz die Daten der Sicherungsanlage im Vereinspavillon. | Bild: Jan Manuel Heß

Sicherungskasten wird zur Steuerungskonsole

Ganz anders liegt der Fall bei Neubauten, wie etwa dem neuen Vereinspavillon am Sportzentrum in Bermatingen, weiß Martin Volz: „Da wird gleich nach heutigen Standards geplant, der klassische Sicherungskasten ist heute eine volldigitale Steuerungskonsole und wo früher zwei Lichtschalter waren, haben heute 16 Schalter Platz, die vom Licht bis zur Beschattung alles steuern.“ Auch bei der Lüftung gibt es keine mechanischen Regler oder An- und Aus-Schalter mehr, „das wird heute alles mit einem an der Wand installierten Tablet gesteuert“, ergänzt sein Bruder Markus.

Markus Volz montiert ein Tablet, das als digitaler Lüftungsregler fungiert.
Markus Volz montiert ein Tablet, das als digitaler Lüftungsregler fungiert. | Bild: Jan Manuel Heß

Und was ist mit Karl Volz? Muss er jetzt mit seinen 64 Jahren ein Dasein im analogen Ruhestand fristen? Mitnichten. Karl Volz ist weiterhin als „Senior-Techniker“ tätig. „Ich kümmere mich um langjährige Bestandskunden und reduziere ganz gemächlich nach und nach meine Stunden. Aber solange ich noch arbeiten kann, werde ich das auch tun.“