Fridolin Müller war Ahausener durch und durch. Zu arbeiten lernte er früh: Als Achtjähriger packte er in der elterlichen Landwirtschaft mit an, später wurde er Einzelhandelskaufmann und übernahm das vor rund 130 Jahren erstmals benannte Geschäft, das sich aus dem Handel seiner Urgroßmutter entwickelt hatte. Mit 30 Jahren lernte er seine Frau Lutwina kennen, mit ihr hat er zwei Söhne: Raimund und Gerold.

April 1957: Fridolin Müller mit seiner Schäferhündin Landa. Er war Gründungsmitglied im Wach- und Schutzhundeverein Bermatingen-Ahausen.
April 1957: Fridolin Müller mit seiner Schäferhündin Landa. Er war Gründungsmitglied im Wach- und Schutzhundeverein Bermatingen-Ahausen. | Bild: Privat

1984 wählten die Bermatinger und Ahausener Fridolin Müller erstmals in den Gemeinde- und Ortschaftsrat und bestätigten ihn immer wieder, bis er 1999 ausschied. Von 1989 an war er stellvertretender Ortsvorsteher, Mitglied im Verwaltungs-, Finanz-, Wirtschafts- und Kulturausschuss. „Er hat die Gemeinde spürbar bereichert, sein unermüdliches Wirken und sein Pflichtbewusstsein waren vorbildlich“, beschreiben ihn Bürgermeister Martin Rupp und Ortsvorsteher Jakob Krimmel. Er habe sich herausragend fürs Gemeinwohl seiner Heimatgemeinde eingesetzt.

Familiär betriebener Lebensmittelmarkt

Dazu gehörte auch sein familiär betriebener Lebensmittelmarkt, in dem er bis zum Corona-Ausbruch noch fast täglich anzutreffen war. Die Aufrechterhaltung des Marktes in konkurrenzgetriebenen Zeiten war der Familie stets wichtig und der Markt war und ist immens wichtig für das Dorf: nicht nur als schnell erreichbarer Nahversorger, sondern auch wegen der Dorfgemeinschaft: „Beim Fridolin“ traf und trifft man sich. Fridolin Müller war für viele einsame Menschen oft der einzige, für Neubürger der erste Ansprechpartner und Ratgeber, und der Landmarkt Ort des Austauschs. Was ihm persönlich anvertraut wurde, behielt er für sich. Er vermittelte vom Bauplatz bis zur Lehrstelle alles. Die Kunden schätzten seine Konstanz, seine Kenntnisse und seine stets freundliche und bescheidene Art. Seine Beliebtheit und sein Einsatz für die Gemeinde spiegelten sich auch in den vielen Fasnachtsbeiträgen der Mitbürger wider.

Ob jung oder alt: Fridolin Müller verstand sich mit jedem. Die Aufnahme entstand 2016.
Ob jung oder alt: Fridolin Müller verstand sich mit jedem. Die Aufnahme entstand 2016. | Bild: Christiane Keutner

Sein Einsatz fürs Gemeinwohl ging darüber hinaus: Der Natur- und Tierliebhaber, Halter mehrerer Schäferhunde, war Gründungsmitglied im Wach- und Schutzhundeverein Bermatingen-Ahausen, er unterstützte aber auch andere Vereine, spielte Fußball, gründete die Tischtennisgruppe im Turnverein mit und hatte sich 50 Jahre in der Fasnacht als Büttenredner eingebracht. Sein großes Hobby und Anliegen war die Heimatgeschichte. Er wusste fast alles und kannte fast jeden, brachte sich unter anderem bei der Erstellung des Buches zum 1200. Jubiläum von Ahausen und beim Buch über die Historie der Gehöfte und anderen Gebäude im Dorf intensiv ein.

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Seiner Frau stand der Familienmensch am Krankenbett stets zur Seite, Halt fand er auch im Glauben. Nur Ungerechtigkeiten brachten ihn aus der Ruhe. Zu schaffen machte ihm auch die Corona-Situation. Lieber hätte er weiter diszipliniert und mit Herzblut an der Kasse gesessen, doch die Fürsorge der Söhne verbat es ihm. Sie hatten sich, besonders intensiv in der letzten Phase, sehr um ihn gekümmert.

Menschenwürde und Meinungsfreiheit waren ihm wichtig, bereut hat er nie etwas, wie er zu seinem 80. Geburtstag verriet. Das Bild von Fridolin Müller, wie er in seinem weißen Kittel an der Kasse sitzt und sorgsam die Waren über den Scanner zieht, werden die Mitbürger wohl lang nicht vergessen.

Die Beerdigung findet coronabedingt im kleinen Kreis statt.