„Dinnele to go“, die Zweite: Weil die Corona-Pandemie dem Musikverein Ahausen wieder in die Pläne pfuschte, musste er sein geliebtes und gelebtes Mostfest am ersten Juli-Wochenende erneut absagen. Aber nachdem die erste Aktion 2020, wenigstens Dinnele und Most anzubieten, so gut angekommen war, hatten sich die Verantwortlichen zur Zweitauflage entschlossen. Die Helfer buken an zwei Tagen des eigentlichen Festwochenendes die legendären Dinnele am laufenden Band und ließen sie im getakteten Abstand abholen, so dass der Begegnungsverkehr auf ein Minimum reduziert war.

„Ich bin jetzt Profi im Zwiebel dämpfen, ich hab das schon letztes Jahr gemacht“, meinte Diana Sterk (links) ganz fröhlich und freute sich, in den Genuss von Dinnele zu kommen, was während des Mostfests als Helferin am Getränkestand nicht möglich war. Denselben Job hatte Lisa Schwegel (Mitte), die hier Steffi Sträßle eine Portion Zwiebeln zum Belegen aufhäuft.
„Ich bin jetzt Profi im Zwiebel dämpfen, ich hab das schon letztes Jahr gemacht“, meinte Diana Sterk (links) ganz fröhlich und freute sich, in den Genuss von Dinnele zu kommen, was während des Mostfests als Helferin am Getränkestand nicht möglich war. Denselben Job hatte Lisa Schwegel (Mitte), die hier Steffi Sträßle eine Portion Zwiebeln zum Belegen aufhäuft. | Bild: Christiane Keutner

Heiß her ging es in der relativ kühlen „Backstube“ des Wegis-Betriebshofs in Ahausen, die die Familie wiederum zur Verfügung gestellt hatte. Aus den alten Chamotte-Ofen dampfte es und Dampf machten auch die Helfer bei der Zubereitung, denn der Zulauf war enorm. Bei Anja Moser hatte das Telefon nicht nur zu den angegebenen Zeiten geläutet, um eine Bestellung für das “5 plus 1- Paket“ – fünf Dinnele und ein Liter roter Most oder Apfelsaft – aufzugeben; Voraussetzung für einen organisatorisch perfekten und coronakonformen Ablauf. „Alle haben sich gefreut, dass wir die Aktion wieder machen. Darunter waren Großbestellungen, eine mit sieben Paketen“, sagt Moser. Alle Kunden waren flexibel, was die Abholzeiten betraf. Der Samstagabend war am meisten gefragt, dicht gefolgt von Sonntagmorgen und -abend. Trotz der Aktion hatten viele gesagt, sie hofften nächstes Jahr wieder auf ein Mostfest, wie man es von früher kennt.

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Alle Helfer sind aktive Musiker

Mittendrin zwischen Teigle mixen, Zwiebel schälen (das Schneiden in feinste Scheiben übernimmt eine Maschine), diese dämpfen, Teig ausrollen, belegen und in den Ofen schieben, wuselte Marlies Moser – und das rund um die Uhr. Während sie Mehl, Hefe und Wasser in die Bäckerei-Rührmaschine gab, hatte sie die Öfen im Blick, wusste genau, wann die Riesenfladen herausgezogen werden müssen, damit sie knusprig sind, aber nicht angebrannt, und schaute zwischendurch bei den anderen Stationen vorbei. Sie freute sich besonders, dass alle Helfer aktive Musiker sind, die ansonsten auf dem Mostfest an den Ständen arbeiten. Die bisherigen Frauen der Dinnele-Bäckerei hatten aber schon ganz enttäuscht gefragt: „Ja braucht Ihr uns gar nicht?“ und ihre Hilfe angeboten, falls es klemmen sollte.

Gemeinsam geht das Zweibelschälen leichter (von links): Sarah Graf, Anja Philipp und Simone Sterk.
Gemeinsam geht das Zweibelschälen leichter (von links): Sarah Graf, Anja Philipp und Simone Sterk. | Bild: Christiane Keutner

Falls etwas ausgehen sollte, stand Gerold Müller vom Landmarkt, von dem alle Zutaten bezogen werden, auf Abruf. „Er würde uns sogar nur ein Becherle Sahne liefern“, so Marlies Moser. So bleibe alles im Dorf. Ihre Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft und dem Musikverein zeigte auch die örtliche Bodensee-Kelterei Widemann. „Den Most hat sie größtenteils gespendet“, freute sich MV-Vorsitzender Maurice Parent, der guter Dinge ist, dass es 2022 wieder ein Mostfest geben wird.

Marlies Moser war ständig da, arbeitete und überwachte alles im besten Sinn, locker und mit Humor.
Marlies Moser war ständig da, arbeitete und überwachte alles im besten Sinn, locker und mit Humor. | Bild: Christiane Keutner
Niklas Hafen und Felix Veeser holten die brandheißen Dinnele vom Blech, zerteilten und verteilten sie.
Niklas Hafen und Felix Veeser holten die brandheißen Dinnele vom Blech, zerteilten und verteilten sie. | Bild: Christiane Keutner

Rund 40 Leute, quasi der ganze Verein, war inklusive Auf- und Abbau eingespannt. Sie arbeiteten in mehreren Schichten und es herrschte eine fröhliche Stimmung. „Ein echter Männerjob“, grinste Niklas Hafen, zog den Dinnelefladen vom Blech und zerteilte ihn mit Felix Veeser. Dieser meinte: „Arbeit und Atmosphäre sind klasse, es macht echt Spaß mal wieder was mit den Leuten zu machen. Und man sieht, wieviel Arbeit das ist. Das bekommt man auf dem Festplatz gar nicht mit.“

Den beliebtesten Job beim Dinnele-Backen hatte Sophie Hafen. Sie machte das sogenannte „Teigle“, den cremigen Belag.
Den beliebtesten Job beim Dinnele-Backen hatte Sophie Hafen. Sie machte das sogenannte „Teigle“, den cremigen Belag. | Bild: Christiane Keutner
Auf die Gleichmäßigkeit kommt es beim Teigausrollen an: Hier Karina Sieber in Aktion.
Auf die Gleichmäßigkeit kommt es beim Teigausrollen an: Hier Karina Sieber in Aktion. | Bild: Christiane Keutner