Der Krieg in der Ukraine wirkt sich auch auf die Gemeinde Bermatingen aus: Sie stellt Unterkünfte für die Flüchtlinge zur Verfügung. Vor der Bekanntgabe der Fakten in der Gemeinderatsitzung war es Bürgermeister Martin Rupp ein Anliegen, zum „blutigen Krieg mitten in Europa“ Stellung zu nehmen, ihn aufs Schärfste zu verurteilen und seine Anteilnahme auszudrücken.

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Gleichzeitig freute er sich über die enorme Bereitschaft, Güter und Geld zu spenden, über die tatkräftige Hilfe und Angebote privater Initiativen wie des örtlichen Busunternehmers Wegis, der Geflüchtete an der polnischen Grenze abgeholt hatte und die Aufnahme von Geflüchteten in Privatunterkünften, meist bei Verwandten und Bekannten. „Allen Engagierten sind wir sehr dankbar.“

In Bermatingen seien bisher nur vereinzelte Geflüchtete aus der Ukraine angekommen. Die öffentliche Hand kümmere sich ganz wesentlich um die Schaffung von Aufnahmekapazitäten. Deshalb richtete er seinen Appell an alle, Informationen weiterzugeben: Privat aufgenommene Ukrainer wollten sich im Rathaus wegen Leistungsbezugs und Gesundheitsvorsorge melden. Die Verwaltung habe rasch reagiert, einen Krisenstab einberufen, um Wohnraum und ehrenamtliche Unterstützung zu akquirieren und nach Dolmetschern gesucht. Helfer wie Flüchtlinge seien zweisprachig aufgewachsen, viele sprechen russisch.

Auch im leerstehenden Gasthaus Adler in der Ortsmitte sollen kurzfristig Geflüchtete aus der Ukraine unterkommen können. Der ...
Auch im leerstehenden Gasthaus Adler in der Ortsmitte sollen kurzfristig Geflüchtete aus der Ukraine unterkommen können. Der „Adler“ gehört der Gemeinde. | Bild: Christiane Keutner

Gasthof Adler und Hotel Buchberg werden zur Notunterkunft

Ein wesentlicher Punkt sei die Unterbringung. Kurzfristig und aktuell bereite der Bauhof die Zimmer im leerstehenden Gasthaus Adler als Notunterkunft vor. Eine Wohnung gebe es auch im Rathaus Ahausen. In anderen Gebäuden, die der Gemeinde gehören, müsste man größere Investitionen tätigen.

In den Zimmern des Hotel Buchberg, hier macht Thomas Dreher nach einem vergangenen Lockdown eines bezugsfertig, können demnächst ...
In den Zimmern des Hotel Buchberg, hier macht Thomas Dreher nach einem vergangenen Lockdown eines bezugsfertig, können demnächst geflüchtete Ukrainer wohnen und schlafen. | Bild: Christiane Keutner

Umso wichtiger sei der gute Kontakt zum neuen Eigentümer des Hotel Buchberg, der das derzeit leerstehende Haus temporär zur Verfügung stellen will. Die Gemeinde hatte das Objekt dem Landkreis vermittelt, der es jetzt anmieten will. Es müsse ebenfalls etwas auf Vordermann gebracht werden. Ab 15. April soll es mit geflüchteten Menschen aus der Ukraine belegt werden.

Kreis will neue Gemeinschaftsunterkunft bauen

Auf der Suche nach weiteren Kapazitäten will der Kreis eine zweite Gemeinschaftsunterkunft bauen. Der Bau war schon einmal während des Syrienkriegs und den damit verbundenen Geflüchteten geplant, aber aufgrund des nachlassenden Bedarfs nicht realisiert worden. Die erteilte Baugenehmigung sei mittlerweile erloschen. Die neue Unterkunft soll im Kreistag Thema sein, die Gemeinde Bermatingen erwartet den Bauantrag zeitnah, voraussichtlich kommende Woche, er soll in der nächsten Gemeinderatsitzung auf der Tagesordnung stehen. „Ich denke, dass wir alle zusammenstehen und das positiv sehen“, so Rupp. Die mittelfristige Maßnahme soll bis Ende 2022/Anfang 2023 fertig sein.

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Integration ist weiterer wichtiger Punkt

Ein wichtiger Punkt werde die Integration sein und hier die Überlegungen, wie man Sprachbarrieren überwinden und die Geflüchteten integrieren kann. „Große Herausforderungen werden auf uns als Gemeinschaft und Gesellschaft zukommen, auch in finanzieller Hinsicht, da bracht es Solidarität“, resümierte Rupp, der jedoch angesichts der „überwältigenden ehrenamtlichen und sonstigen Angebote“ zuversichtlich ist, das Ganze stemmen zu können.

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Bau kann später umgenutzt werden

„Wäre man mit Wohncontainern nicht besser dran?“, erkundigte sich Gemeinderätin Angelika Bernhardt-Welte. Doch dem sei nicht so. Der Kreis könne die Kosten der Gemeinschaftsunterkunft in Höhe von zwei Millionen Euro teilweise abrechnen. Container seien teuer und derzeit auch nicht zu haben. Zudem könne man das Gebäude später mit kleinen Umbauten einer anderen Nutzung zuführen und beispielsweise zu Wohnraum umbauen. Es könnte auch in das Eigentum der Gemeinde übergehen.