Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben hat die Aufgabe, die Entwicklung von Siedlungs-, Freiraum- und Infrastruktur in Form eines Regionalplans im Verbandsgebiet voranzutreiben. Wie sich dies aktuell für die Gemeinde Bermatingen darstellt, berichtete auf Einladung der Verwaltung Wilfried Franke, Direktor des Regionalverbands, auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Dabei ging es besonderen um drei Themenschwerpunkte, die die Gemeinde Bermatingen unmittelbar betreffen: die aktuelle Bilanz des Regionalen Kompensationspools (ReKo), die Fortschreibung des Regionalplans sowie die Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn.

2017 Beitritt zum Regionalen Kompensationspool

Die Streuobstwiese zwischen Ahausen und Bermatingen wurde als Öko-Ausgleichsmaßnahme angelegt, wird aber den küftigen Ökopunkte-Bedarf der Gemeinde nicht decken.
Die Streuobstwiese zwischen Ahausen und Bermatingen wurde als Öko-Ausgleichsmaßnahme angelegt, wird aber den küftigen Ökopunkte-Bedarf der Gemeinde nicht decken. | Bild: Jan Manuel Heß

Im Juli 2017 beschloss der Bermatinger Gemeinderat, dem Regionalen Kompensationspool (Reko) des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben als Gesellschafter beizutreten. Damit sollte der ökologische Ausgleichsbedarf und somit die Umsetzung von wichtigen Projekten in Zukunft gewährleistet werden, besonders dann, wenn die Gemeinde auf der eigenen Gemarkung nicht mehr oder nicht rechtzeitig eigene Ökopunkte bereitstellen könnte. Grundlage war damals die Kalkulation der Verwaltung, dass in den kommenden Jahren durch neue Baugebiete und Straßen eine Fläche von rund zehn Hektar ausgeglichen werden müsse.

Konto mit derzeit rund 3 Millionen Ökopunkten

Verbandsdirektor Wilfried Franke stellte den Räten eine positive Bilanz des Reko vor. So habe man in naturschutzfachlich wertvolle Großmaßnahmen investiert, wie etwa Moore, Waldumbau und Obsthochstammkulturen, zudem befänden sich die Ausgleichsflächen vorrangig außerhalb ertragreicher Ackerflächen. „Zum heutigen Zeitpunkt ist die vollständige Bedarfsdeckung erreicht. Auf unserem regionalen Ökokonto befinden sich derzeit rund 3 Millionen Ökopunkte. Wer also demnächst etwas Größeres plant, kann sich jederzeit an den Reko wenden“, so Franke. Bei der Fortschreibung des Regionalplans gelte weiterhin der Grundsatz, eine angemessene Siedlungsentwicklung zu ermöglichen, dies beträfe besonders den Wohnungs- und Gewerbebau. So konnte erst kürzlich das Gewerbegebiet Kesselbach-Hegelwiesen in Bermatingen erweitert werden, indem der regionale Grünzug in Richtung Nordwesten zurückgenommen wurde.

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Derzeit werden zwei Varianten untersucht

Bei den Planungen zur Elektrifizierung der Bodenseegürtelbahn sei die Grundlagenermittlung, wie man sich aus dem „Dieselloch“ befreien könnte, mittlerweile abgeschlossen. Vom Interessenverband Bodenseegürtelbahn werden derzeit zwei Varianten untersucht, wie die Züge auf einer elektrifizierten Strecke zwischen Friedrichshafen und Radolfzell fahren könnten.

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In der Vorzugsvariante verkehre ein überregionaler Zug im Stundentakt und ein Regionalzug im Halbstundentakt. Bei der Referenzvariante ist je ein stündlich schneller und langsamer Zug unterwegs. Derzeit befände man sich inmitten der Grundlagenplanung mit einer Kostenschätzung. „Aufgrund der überwiegenden Eingleisigkeit der Strecke werden aktuell der Ausbau und die Elektrifizierung mit 350 Millionen Euro veranschlagt. Davon entfallen 280 Millionen auf die Baukosten und 70 Millionen auf Planungskosten. Die Referenzvariante würde etwa 100 Millionen Euro weniger kosten“, legt Franke dar.

Wenn die Elektrifizierung der Südbahn fertig ist, droht ein Lücke

Wilfried Franke, Verbandsdirektor Regionalverband Bodensee-Oberschwaben: „Wir haben eine Verkehrsinfrastruktur, die dem Bodenseekreis nicht angemessen ist.“
Wilfried Franke, Verbandsdirektor Regionalverband Bodensee-Oberschwaben: „Wir haben eine Verkehrsinfrastruktur, die dem Bodenseekreis nicht angemessen ist.“ | Bild: Matthias Biehler

Es drohe eine große Lücke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen, so Franke weiter, da nach Fertigstellung der Elektrifizierung der Südbahn im Dezember 2021 „es unweigerlich eine Lücke im sonst durchgängig elektrifizierten Netz im Südwesten Deutschlands zwischen Radolfzell und Friedrichshafen geben wird.“ Dies bedeute, dass künftig keine durchgängigen Züge auf der Strecke von Ulm, Friedrichshafen, Radolfzell und Singen nach Basel sowie umgekehrt geben werde, da bis auf den Abschnitt der Bodenseegürtelbahn alle Züge elektrisch fahren werden. Es sei allen Beteiligten klar, dass dies eine erhebliche Verschlechterung der Anbindungen bedeute. „Wir haben eine Verkehrsinfrastruktur, die dem Bodenseekreis nicht angemessen ist.“

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Die Planungskosten für die Leistungsphase eins und zwei, an denen die Gemeinde Bermatingen durch den Interessenverband Bodenseegürtelbahn beteiligt ist, werden nach den Darstellungen von Franke um 6,7 Millionen Euro teurer und steigen damit auf 10,5 Millionen Euro.

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