Dieser Tage arbeiten Hubert und Christian Sträßle oft bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen auf ihren Feldern. Sie stehen zwischen wildromantisch anmutenden Apfel-, Zwetschgen- und Birnenbäumen oder durchschreiten die Reihen der Obstbaumfelder, um nach dem Rechten zu sehen. Als Außenstehender kann man leicht den Eindruck gewinnen, als hätten die beiden einen der idyllischsten Arbeitsplätze am Bodensee. Doch dass das nicht der Wahrheit entspricht, wird bei einem Rundgang auf dem Hof und über die Felder deutlich.

Bäume brauchen das ganze Jahr über Pflege

Wie beide erzählen, habe das Führen eines Obsthofes rein gar nichts mit Idylle oder Romantik zu tun. Vielmehr sei ein Obsthof ein Wirtschaftsbetrieb, dessen Erträge zu großen Teilen mit den Händen erwirtschaftet werden. Der Arbeitstag beginne meist um 7 Uhr morgens und ende zwischen 18 und 20 Uhr am Abend. „Unsere Arbeit besteht nicht nur aus der Ernte, da die Bäume das ganze Jahr über gehegt und gepflegt werden müssen“, erzählt Hubert Sträßle. Er hat den Familienhof Mitte der 90er Jahre von seinem Vater übernommen und ihn zu einem reinen Obsthof umgebaut.

Die Birnbäume erhalten einen sogenannten Sommerriss. Das bedeutet, sie werden von überflüssigen Trieben befreit. Aufgrund der Höhe der Bäume kommt ein Erntewagen zum Einsatz. Die Arbeit ist sehr zeitintensiv, da jede Baumreihe von unten und oben bearbeitet werden muss.
Die Birnbäume erhalten einen sogenannten Sommerriss. Das bedeutet, sie werden von überflüssigen Trieben befreit. Aufgrund der Höhe der Bäume kommt ein Erntewagen zum Einsatz. Die Arbeit ist sehr zeitintensiv, da jede Baumreihe von unten und oben bearbeitet werden muss. | Bild: Jan Manuel Heß

„Die wirtschaftlichen Bedingungen könnten besser sein“

Hubert Sträßle betont im Gespräch, wie schön er es finde, dass sein Sohn Christian nun auch in den Familienbetrieb eingestiegen ist und ihn weiterführen möchte. Doch er gibt sich auch nachdenklich: „Die wirtschaftlichen Bedingungen könnten besser sein. Tatsache ist, dass ich derzeit nicht weiß, ob ich es mir leisten kann, meinen Sohn bei mir anzustellen.“

Christian Sträßle ist gelernter Gärtner für Obstbau und hat viele neue Ideen, die er auf dem Familienhof ausprobieren möchte.
Christian Sträßle ist gelernter Gärtner für Obstbau und hat viele neue Ideen, die er auf dem Familienhof ausprobieren möchte. | Bild: Jan Manuel Heß

Extremwetter und Marktdruck als Herausforderungen

In den vergangenen 25 Jahren sei er nie mit einer vergleichbaren Situation konfrontiert gewesen. Neben den Wetterkapriolen – Hagel, Spätfrost und Trockenheit – seien vor allem die Marktbedingungen der großen Handelsketten dafür verantwortlich.

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Christian Sträßle rechnet vor: „Uns kostet ein Kilogramm der Sorte Elstar etwa 30 Cent und wenn wir Glück haben, bekommen wir dafür gerade mal 30 Cent.“ Um finanziell solide dazustehen, müsse er nebenher in Teilzeit arbeiten gehen.

Launen der Natur: Warum bei den Zwetschgen an diesem Feld so viele Zwillingsfrüchte wachsen, wissen die beiden Sträßles nicht. Zwar sind sie schön anzusehen, doch eigenen sie sich nicht für den Handel.
Launen der Natur: Warum bei den Zwetschgen an diesem Feld so viele Zwillingsfrüchte wachsen, wissen die beiden Sträßles nicht. Zwar sind sie schön anzusehen, doch eigenen sie sich nicht für den Handel. | Bild: Jan Manuel Heß

Dorfentwicklung liegt beiden am Herzen

Vater und Sohn sind der Ansicht, dass es letztlich am Verbraucher liege: Wenn der bereit wäre, mehr für das Kilogramm zu bezahlen, dann käme auch mehr bei den Bauern an, sind sie sich sicher. Christian Sträßle hält es deshalb für wichtig, sich wie sein Vater in der Kommunalpolitik zu engagieren, um unter anderem die Anliegen der Landwirte im Gemeinde- und Ortschaftsrat zu vertreten. Während Vater Hubert Sträßle gerade zum dritten Mal in den Gemeinderat gewählt wurde, ist Christian fischgebackenes Mitglied im Ahauser Ortschaftsrat. „Ich bin hier geboren und aufgewachsen, ich möchte mich an der Entwicklung des Dorfes beteiligen und auch mitsprechen.“

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„Wir sind zum Schaffen geboren“

Dem Vater-Sohn-Gespann ist die Leidenschaft für den Hof anzumerken. Ihre Arbeit verklären sie dennoch nicht. „Wir sind zum Schaffen geboren und es wird auch wieder bessere Zeiten geben, daran glaube ich fest“, meint Hubert Sträßle.