Was macht den Erfolg des Literaturkreises Bermatingen aus? Engagierte, kontinuierliche Bücherfreunde und ein Konzept, das sich von anderen literarischen Treffs abhebt.

Zur Veranstaltung „Zehn Jahre Literaturkreis“ kamen viele Stammgäste ins Mesnerhaus, darunter Mitinitiatorin Heidi Ziegler (Dritte von rechts).
Zur Veranstaltung „Zehn Jahre Literaturkreis“ kamen viele Stammgäste ins Mesnerhaus, darunter Mitinitiatorin Heidi Ziegler (Dritte von rechts). | Bild: Christiane Keutner

Deshalb konnten die Bermatinger nun ihr zehnjähriges Bestehen feiern – und taten dies mit einem gemütlichen und kurzweiligen Abend rund ums Buch, mit erstaunlichen, spannenden und witzigen Momenten, moderiert von Helga Zitzlsperger.

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Sie überbrachte auch die Glückwünsche von Bürgermeister Martin Rupp, der das Engagement des Kreises in Zeiten der Digitalisierung als besonders wichtig hervorhob. Ihr Mann Hermann erinnerte an die verstorbene Ella Fischer, die auch aus der Literatur Mut für ihre Krankheit gezogen hatte.

Bodensee als Thema

Während andere Literaturkreise eher das TV-Format „Das Literarische Quartett“ zum Vorbild nehmen, ein neues oder populäres Buch analysieren und vorstellen, nimmt sich die Bermatinger Gruppe im Mesnerhaus der Region und seiner Autoren an, die den Bodensee in irgendeiner Weise zum Thema haben und stellt deren Spektrum vor.

„Wir haben versucht, die Autoren interessant werden zu lassen und es sieht so aus, dass wir bei Ihnen auf Interesse gestoßen sind“, sagte Peter Dick in seinem Rückblick mit Blick in die Runde im voll besetzten Literaturzimmer.

Romane und Kurzgeschichten

Erstaunlich viele Autoren stammen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, leb(t)en hier und/oder suchten sich die Region als Tatort für ihre Romane, Krimis und Kurzgeschichten aus, von denen Dick einige aufzählte: Friedrich Glauser, Maria Beig, Maria Müller-Gögler, Erich Schütz, Bruno Epple, Hermann Hesse mit Doppelbegabung, Otto Dix' Tochter Nelly, Martin Walser, Arno Geiger, Karl Heinz Ott, Fritz Mühlenweg, Franz Hohler, Elmar Bereuter („Schwabenkinder“, das mit Tobias Moretti verfilmt wurde) und der bäuerliche Literat Franz M. Felder.

Wolf Martin, Markdorf: „Dieser Kreis bringt uns unsere Heimat näher. Höre ich von Hesse, fahre ich auf die Höri. Und er animiert mich zum Lesen von Büchern, die ich nicht habe.“
Wolf Martin, Markdorf: „Dieser Kreis bringt uns unsere Heimat näher. Höre ich von Hesse, fahre ich auf die Höri. Und er animiert mich zum Lesen von Büchern, die ich nicht habe.“ | Bild: Christiane Keutner

Schriften zum Thema Konstanzer Konzil hatten Libl und Kopitzki zusammengestellt; an diesem Abend saß sogar Arnold Stadler als etwas später dazugekommener Zuhörer auf der Treppe.

Gäste bei Autorenlesungen

Norbert Jaques – wer kennt ihn? – beschrieb in seinem „Dr. Mabuse“ den Schmuggel mit Waffen- und Rauschmitteln über den See im Bereich Lindau/Schachen. Ähnlich bemüht um die Darstellung geschichtlicher Abläufe in den Landschaften um den See war Viktor von Scheffel.

Rose Ratzlaff, Bermatingen: „Den Erfolg begründe ich mit nicht nachlassendem Interesse unseres Helferkreises. Wir selbst sind „Literaturforscher“ und freuen uns daran.“
Rose Ratzlaff, Bermatingen: „Den Erfolg begründe ich mit nicht nachlassendem Interesse unseres Helferkreises. Wir selbst sind „Literaturforscher“ und freuen uns daran.“ | Bild: Christiane Keutner

Zwischen acht und 15 Zuhörer durchschnittlich lauschen interessiert an den Abenden. Bei den Autorenlesungen mit Monika Taubitz, Erich Schütz und Ulla Neumann in Zusammenarbeit mit dem Touristischen Arbeitskreis der Gemeinde fasste die „gute Stube“ kaum die bis zu 45 Gäste.

Helga Zitzlsperger und Peter Dick leiteten durch den Abend.
Helga Zitzlsperger und Peter Dick leiteten durch den Abend. | Bild: Christiane Keutner

„Uns selbst hat diese regionale Literaturforschung viel Freude und Anregung gebracht, wir haben daraus auch Gewinn gezogen“, meinte Dick, dessen Frau Sabine den Abend mit einem von Rose Ratzlaff ausgedachten Quiz mit Rate- und Wissensfragen im Multiple-Choice-Verfahren rund ums geschriebene Wort fortsetzte und dessen Beantwortung Lücken wie Erkenntnisse offenbarte.

Felix Seidel las aus seinem Buch über die dreijährige Segeltour, die er mit seiner Frau Monika unternommen hatte.
Felix Seidel las aus seinem Buch über die dreijährige Segeltour, die er mit seiner Frau Monika unternommen hatte. | Bild: Christiane Keutner

Nach Secco und Häppchen unterhielten Bermatinger Autoren: Felix Seidel hatte besonders unterhaltsame Stellen aus dem mit seiner Frau Monika verfassten Buch über seine dreijährige Segeltour herausgepickt und Joachim Ungerer faszinierte mit selbst aus dem mittelhochdeutsch übersetzten Text über den Mystiker „Gottesfreund“.

Gründe für den Erfolg?

Wie begründet das Literaturteam seinen Erfolg? „Mit nicht nachlassendem Interesse unseres Helferkreises. Wir selbst sind Literaturforscher und freuen uns daran“, sagt Rose Ratzlaff. Zu den regelmäßigen Besuchern gehört Wolf Martin aus Markdorf: „Wir sind Migranten. Meine Frau kommt aus Cuxhaven und ich aus München.

Begegnungen mit Autoren

Dieser Kreis bringt uns unsere neue Heimat näher“ (sie leben seit 40 Jahren am Bodensee), sagt er und weist auf die Besonderheit hin: Lernen Sie neue Autoren kennen, erkunden Sie deren Wohn- oder die beschriebenen Orte. „Das ist einfach schön, dass hier alles verbunden wird und es auch zu Begegnungen mit den Autoren kommt. Zudem animiert mich das zum Lesen von Büchern, die ich nicht zu Hause hätte“, betont Wolf Martin.

Joachim Ungerer las aus dem aus dem Mittelhochdeutsch übersetzten Text über den Mystiker „Gottesfreund“.
Joachim Ungerer las aus dem aus dem Mittelhochdeutsch übersetzten Text über den Mystiker „Gottesfreund“. | Bild: Christiane Keutner