Das neue Jahr beginnt – was die medizinische Versorgung betrifft – mit einem Wechsel in der Gemeinde. Nach rund 25 Jahren geht Hausärztin Dorothea Rogalla in den Ruhestand. In dieser Zeit hat sie ganze Familien fast eine Generation begleiten können. Sie behandelte Großeltern, Eltern, deren Kinder und sah auch schon deren Kinder heranwachsen. Für sie durchaus eine bewegende und aufregende Zeit, die sie nicht missen möchte. "Es gab keinen Tag, an dem ich nicht gerne in die Praxis gekommen bin", resümiert sie im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Anfangs galt es die eine oder andere Sprachhürde zu nehmen. "Ich selbst bin aus Nordrhein-Westfalen und musste mich daher erst mal in das Badische reinarbeiten, aber es war zu meistern." Zusammen mit der Ärztin Iris Scheller übernahm sie 1993 die damalige Praxis Müller. "Das war schon eine wichtige Entscheidung, denn kurz darauf wurde eine Sperre für Arztpraxen in diesem Gebiet erlassen", so Rogalla. Die beiden Ärztinnen etablierten eine gut laufende Praxis in Bermatingen und auch privat erwuchs aus der Arbeitsbeziehung eine tiefe Freundschaft. Dorothea Rogalla zieht einen passenden Vergleich: "Das ist wie eine zweite Ehe, persönlich wie zeitlich. Aber unsere Kinder waren alle im selben Alter, sodass wir uns bestens arrangieren konnten."

Neben ihrer Tätigkeit als Hausärztin war Dorothea Rogalla stets auch als Unfall- und Palliativ-Notärztin aktiv, was sie durchaus noch eine Weile weiterführen möchte. "Ein richtiger Ruhestand wird es nicht sein, ich habe so viele Projekte laufen, die ich sicher nicht alle auf einmal beenden werde. Zudem habe ich auch noch fünf Enkel." Zudem kündigte sie an, weiterhin als Urlaubsvertretung der Praxis zur Verfügung zu stehen.

Als Nachfolgerin kam bereits im Oktober 2016 Patricia Andriessens in die Praxis. Seitdem nutzte sie die Zeit, um sich mit den Menschen vertraut zu machen. Andriessens ist Fachärztin für Anästhesiologie und war an Krankenhäusern in Göppingen, Kiel und Ravensburg beschäftigt. 2014 entschied sie sich für eine Veränderung und "schulte" zur Hausärztin um und absolvierte im Mai 2016 die Facharztprüfung für Allgemeinmedizin. "Mich interessierte die besondere Beziehung, die ein Hausarzt mit seine Patienten aufbaut, deswegen entschied ich mich für diesen Wechsel", so Andriessens. Wichtig sei ihr vor allem eins: "Einen guten Kompromiss zu finden, wenn es darum geht, in der begrenzten Zeit sich Zeit für den Patienten zu nehmen." Denn neben den Sprechstundenzeiten beanspruchen sie auch Hausbesuche und Bereitschaftsdienste. "In erster Linie freue ich mich darauf, mich persönlich kümmern zu können, ich bin glücklich hier gelandet zu sein."

Hausärztin Iris Scheller sieht den Wechsel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Dorothea und ich waren ein gutes Team. Oft haben wir gemeinsam nach einer medizinischen Lösung gesucht und auch gefunden." Von ihrer Kollegin Patricia Andriessens erhofft sie sich einen frischen Wind und vor allem neue Sichtweisen. "Wir möchten nicht auf der Stelle stehen, sondern neue Impulse aufnehmen und so gleichzeitig verändern und bewahren", so Iris Scheller. Sicher ist, dass sie auf jeden Fall noch einige Jahre in der Praxis vor sich hat und somit das Bindeglied bei diesem Wechsel bildet. Auf den Punkt gebracht: "Dorothea geht, Patricia kommt und ich bleibe."