Beim Ausblick auf 2020 wurde in der letzten Gemeinderatssitzung 2019 ein Rekordvolumen von 8,5 Millionen Euro für Investitionen angekündigt. Gemeindekämmerer Ivo Willamowski sagte dazu: „Diese Investitionen werden die Gestaltungsspielräume in den zukünftigen Haushaltsjahren einschränken.“ Was kommt da auf die Bürger zu? 

Da kann ich Sie beruhigen. Wir gehen davon aus, dass wir in den kommenden Jahren keine weiteren Steuererhöhungen benötigen und auch keine Kürzungen im sozialen Bereich vornehmen müssen. Wir haben derzeit ein gute Ertrags- und Finanzlage und sind sauber finanziert. Natürlich hoffen wir, dass die konjunkturelle Lage sich nicht allzu deutlich abkühlt, denn was die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde anbelangt, befinden wir uns glücklicherweise auf einem sehr hohen Niveau. Gleichzeitig haben wir natürlich auf dem Schirm, dass es nicht immer Rekordeinnahmen gibt. Wir müssen daher bei den Ausgaben genau schauen: Was ist wirklich notwendig, was kann man leisten oder was muss eventuell verschoben werden.

Auf der Agenda steht die Suche nach einem Standort für ein neues Feuerwehrgerätehaus, für das in den Folgejahren rund 4,3 Millionen Euro veranschlagt werden. Wie passt die Summe in die Haushaltsplanungen?

Bei allen Ausgaben, insbesondere den Investitionen, müssen wir im Gemeinderat gemeinsam zwischen notwendigen und wünschenswerten Dingen abwägen. Das ist im privaten Bereich nicht anders: Man kann das Geld nur einmal ausgeben. In Bermatingen waren jetzt innerhalb von wenigen Jahren einige größere Investitionen aufeinandergefolgt, die zunächst mit einer Verschuldung gegenfinanziert werden müssen.

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Rupp: „Feuerwehr ist für Gemeinde eine Pflichtaufgabe“

Bei der Freiwilligen Feuerwehr handelt es sich schlicht um eine Pflichtaufgabe, die für die Gemeinde unerlässlich ist. Um die Leistungsfähigkeit unserer Feuerwehr auch zukünftig zu sichern, wurde im Rahmen des Brandschutzbedarfsplans von einem neutralen Gutachter unter anderem die Notwendigkeit für ein zentrales Feuerwehrgerätehaus festgestellt. Dieser Herausforderung müssen und wollen wir uns zu jeder Zeit stellen. Für 2020 steht daher zunächst einmal die Grundstücksuche und -sicherung an und für 2021 dann die konkreten Planungen.

Mit dem Abschluss der Maßnahmen im Sanierungsgebiet Ortskern, im Bereich der Grundschule und am Bahnhof konnte ein großes Projekt abgeschlossen werden. Zudem wurde mit der Umsetzung der Sportstättenkonzeption und der Erweiterung des Kindergartens in Ahausen begonnen. Es wird also weiter viel gebaut. Was bedeutet das für 2020?

Sowohl bei der Erweiterung des Kindergartens als auch bei den Sportstätten sind wir auf einem sehr guten Weg und werden beide Projekte in diesem Jahr abschließen können. Planerisch stehen weitere Projekte mit dem Schwerpunkt Wohnungsbau an. Die Erschließungsplanung für das Baugebiet Hinterm Dorf III in Ahausen wurde fertiggestellt und die Ausschreibung ist noch Ende 2019 rausgegangen. Geplant ist, im Frühjahr mit der Erschließung zu beginnen; in die Vermarktung der Grundstücke werden wir gegen Ende der Erschließungsmaßnahmen einsteigen, also frühestens im Sommer.

Rupp: „In der Breite größeres Gewicht auf Geschosswohnungsbau“

Außerdem haben wir den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan In der Breite (Sportplatz) in Bermatingen gefasst und werden voraussichtlich in der Februar-Sitzung einen ersten Entwurf präsentieren können. Um alle Bedarfe in der Gemeinde abzudecken und sparsam mit Grund und Boden umzugehen, wollen wir dort ein größeres Gewicht auf den Geschosswohnungsbau legen. Gegebenenfalls könnten sich in diesem Gebiet auch Standorte für die Sicherung der Ärzteversorgung und barrierefreies Wohnen wiederfinden, das werden die Diskussionen dann aber ergeben. Für diesen Bebauungsplan sind schon zwei Projektgruppensitzungen abgehalten worden, die sich mit Grundlagen für die Planung befasst haben.

Wie es mit dem Kellhof in Bermatingen weitergehen wird, ist derzeit noch ungewiss. Demnächst soll der Entwurf für ein Konzept vorgestellt werden.
Wie es mit dem Kellhof in Bermatingen weitergehen wird, ist derzeit noch ungewiss. Demnächst soll der Entwurf für ein Konzept vorgestellt werden. | Bild: Jan Manuel Heß

Sie erwähnten es gerade: Wie sieht es mit Wohnen im Alter im Kellhof aus?

Mit den Planungen für Wohnen im Alter im Kellhof sowie einem Nutzungskonzept für den „Adler“ in der Markdorfer Straße ist die Kommunalentwicklung (KE) beauftragt, ein Planungsbüro für Stadtentwicklung und Sanierung. Leider gab es hier vonseiten der KE Verzögerungen und daher konnten wir nicht wie geplant im Herbst erste Entwürfe präsentieren, sondern erst in diesem Jahr. Ich bedauere das, denn ich wäre gern bei diesem Thema schon weiter.

Für 2020 ist eine umfassende Sanierung der Bermatinger Ortsdurchfahrt (L 205) durch das Land und die Gemeinde geplant. Wie ist der Sachstand?

Da steht noch eine Menge Abstimmungsarbeit an, in erster Linie mit dem Regierungspräsidium in Tübingen, denn es handelt sich ja um eine Landesstraße. Die Gemeinde wird die Maßnahme nutzen, um die Wasser- und Abwasserleitungen zu sanieren sowie Leerrohre für die Breitbandversorgung zu verlegen. Wo möglich, sollen auch Seitenbereiche mit aufgewertet werden.

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Wie sieht es beim Thema Internet und Breitbandausbau aus und bei der allgemeinen Infrastruktur?

Um beim Thema Internet für eine nachhaltige Verbesserung zu sorgen, haben wir uns im vergangenen Jahr an der Gründung des Zweckverbands Breitband Bodensee beteiligt, der 2020 seine operative Arbeit aufnehmen wird. Gleichzeitig werden wir uns mit der dringend notwendigen Verbesserung der Breitbandversorgung in den Gewerbegebieten Hofäcker und Im Sinn in Ahausen befassen, für die wir bereits Zuschüsse von Bund und Land eingeworben haben, die, so ist es zu hoffen, am Schluss etwa bei 70 Prozent liegen werden.

Rupp: „Instandsetzung der Autenweiler Straße beschränkt sich auf Verkehrssicherungsmaßnahmen“

Weiterhin werden wir in die Instandhaltung der Infrastruktur investieren, wie etwa die Sanierungen des Regenüberlaufs am Kellhof und die Abwasser-Netzertüchtigung in der unteren Buchbergstraße, die leider im vergangenen Jahr mangels Angeboten nicht realisiert werden konnten. Nach erneuter Ausschreibung können die Maßnahmen nun umgesetzt werden. Gleiches gilt für die Instandsetzung der Autenweiler Straße, die sich aber auf reine Verkehrssicherungsmaßnahmen beschränken wird, nachdem eine grundsätzliche Sanierung auch wegen der aktuell enorm hohen Baukosten bis auf Weiteres zurückgestellt wurde.

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Wie steht es um das Ehrenamt in der Gemeinde?

Wir haben ein sehr reges und vielfältiges bürgerschaftliches Engagement. Besonders erfreulich finde ich, dass das gute Angebot im Mesnerhaus immer noch weiter ausgebaut wird. Ein neues Projekt ist zum Beispiel die Reparaturwerkstatt. Nach wie vor leisten auch die ehrenamtlichen Helfer der „Bürger füreinander“ bei der Unterstützung und Integration von Flüchtlingen vorbildliche Arbeit. Oder denken Sie an unsere Feuerwehr oder alle unsere Vereine: Hier wird im Ehrenamt Hervorragendes geleistet, was sehr wichtig und wertvoll für unsere Gemeinschaft ist.

Im Sommer sollen das neue Vereinsheim und die neue Tribünenanlage am Sportplatz in Bermatingen eingeweiht werden.
Im Sommer sollen das neue Vereinsheim und die neue Tribünenanlage am Sportplatz in Bermatingen eingeweiht werden. | Bild: Jan Manuel Heß

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Bei den Arbeiten zur Umsetzung der Sportstättenkonzeption wurde vieles in Eigenleistung durch die drei Sport treibenden Vereine umgesetzt, zum Beispiel das Abtragen der Tartanbahn, das Roden von Büschen und Hecken oder das Abbrechen von Sitzstufen. Da wurde schon ordentlich angepackt und das wird sicherlich auch in den kommenden Monaten bis zur Fertigstellung so weitergehen. Oder nehmen Sie ein neues Projekt aus dem vergangenen Jahr, die „Tage alter Musik“.

Rupp: „Tage alter Musik definitiv ein Projekt, das wiederholt werden sollte“

Was dort, initiiert aus dem Kulturausschuss, entstanden ist, war ein toller Erfolg. Vor allem, weil es etwas absolut Neues war und keiner im Vorfeld wissen konnte, wie gut es angenommen wird. Es war wirklich erfreulich, wie groß der Zulauf bei den Workshops war. Definitiv ein Projekt, das wiederholt werden sollte – für 2021 ist es schon vorgesehen.