Welche Rolle spielten die Klosterhöfe, die es einst in Bermatingen gab? Und wie wirkte sich die Eigentümerschaft auf die Größe des Backhauses aus? Antworten auf diese und weitere Fragen bekamen gut 30 Teilnehmer von Lokalhistoriker Hermann Zitzlsperger beim Ortsrundgang „Alltagsszenen im mittelalterlichen Bermatingen“. Organisiert hatte den Rundgang der Touristische Arbeitskreis Bermatingen.

Bermatingen war aufgrund seiner Lage bei Klöstern beliebt

Aufgrund seiner fruchtbaren Lage erfreute sich Bermatingen schon sehr früh bei diversen Klöstern großer Beliebtheit. Das zeigte sich in Form von Wirtschaftshöfen. Dabei sei zu unterscheiden, ob der Hof von sogenannten Klosterknechten geführt wurde oder als Leiblehenhof von freien Bauern. Stellvertretend sind hier der von Klosterknechten des Kloster Salem geführte Jägerhof und der von freien Bauern bewirtschaftete und zum Kloster Zoffingen gehörende Eichenhof zu nennen.

Anhand der großen Holztür des historischen Weinkellers in der Jägerstraße veranschaulichte Hermann Zitzlsperger die Fähigkeiten der früheren Handwerker.
Anhand der großen Holztür des historischen Weinkellers in der Jägerstraße veranschaulichte Hermann Zitzlsperger die Fähigkeiten der früheren Handwerker. | Bild: Jan Manuel Heß

Noch heute ist das kleine Backhaus des Jägerhofs links vom Gebäude zu sehen. Nicht mehr zu sehen ist, weil auf Privatgelände gelegen, das unweit größere Backhaus des Eichenhofs, das sich nur wenige Meter dahinter befindet. Es verfügt über eineinhalb Geschosse mit Backofen und einem Speicher. „Auf dem Eichenhof musste einfach mehr gebacken werden, da das Kloster Zoffingen auf der anderen Seeseite in Konstanz liegt und bei Versorgungsengpässen nicht so schnell reagiert werden konnte, während das Kloster Salem quasi um die Ecke liegt“, erklärte Zitzlsperger.

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Tradition der Gebäudenamen

Im weiteren Verlauf des Rundgangs erörterte der Historiker auch die Tradition der Gebäudenamen. So sind an etlichen der alten Höfe Tontafeln mit illustren Namen wie „Pimpernuss“, „Linsenbaum“ oder „Zahnwehbaum“ zu sehen. „Irgendwann muss jemand entschieden haben, dass alle Leiblehenhöfe einen Namen bekommen müssen, den man sich aber nicht aussuchte, sondern verpasst bekam“, sagte Zitzlsperger. Der Bermatingerin Ursel Grupp gefielt der Rundgang gut. „Wenn man öfters dabei ist, dann kennt man das eine und andere schon, aber es doch immer wieder was Neues dabei.“ Bei solch einer treuen Anhängerschar war es dann auch nicht verwunderlich, dass die gesamte Gruppe sich am Mesnerhaus niederließ und Zitzelsperger dabei zuhörte, wie er einige Seiten aus seinem neuen Buch „Erlebtes, Erzähltes, Erfahrenes“ vortrug, wie etwa die Geschichte vom „Schwarze Veri„.

Die aufwendigen Zierarbeiten an dem Eckbalken des Jägerhauses sollen an einen Abtstab erinnern und damit die Zugehörigkeit des Gebäudes zur Abtei Salem darstellen.
Die aufwendigen Zierarbeiten an dem Eckbalken des Jägerhauses sollen an einen Abtstab erinnern und damit die Zugehörigkeit des Gebäudes zur Abtei Salem darstellen. | Bild: Jan Manuel Heß