Sie ist die zentrale Anlaufstelle in der Gemeinde, wenn es um Fragen und Angelegenheiten von Migranten und Geflüchteten geht. Tatiana Ayala, seit September 2017 Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Gemeinde, informiert, erklärt und entwickelt Projekte rund um das Thema Integration. In der Anfangsphase ging es zunächst darum, sich in die Materie einzuarbeiten, ein Netzwerk aufzubauen und überhaupt ein Gefühl für die Anforderungen, die auf sie zukommen, zu bekommen.

Probleme zunächst erkennen

Heute, über ein Jahr später, ist sie in die Arbeit hereingewachsen, hat ihr eine Struktur gegeben. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats berichtete sie über ihre Erfahrungen und ihre Tätigkeiten: "Meine Aufgabe habe ich in drei Bereiche aufgeteilt: informieren, erklären und Projektarbeit", sagt die 45-Jährige. Neben der Beschaffung von Informationen, wo und wann finden beispielsweise Integrations- oder Sprachkurse statt, muss sie oft zunächst ein Problem erkennen, um dann mit der richtigen Information helfen zu können.

Ein Projekt der Integrationsbeauftragten war die Einführung von zweisprachigen Ordnern zu Themen wie Gesundheit, Beratung, Geld und Kurse. Für (von links) Rodin Muslem, Adula Ali, Silam, Baffin und Abdul Muslem waren sie eine große Hilfe.
Ein Projekt der Integrationsbeauftragten war die Einführung von zweisprachigen Ordnern zu Themen wie Gesundheit, Beratung, Geld und Kurse. Für (von links) Rodin Muslem, Adula Ali, Silam, Baffin und Abdul Muslem waren sie eine große Hilfe. | Bild: Jan Manuel Heß

Etwa als eine Frau in einer Anschlussunterbringung ein Baby bekommen hat, aber nicht wusste, was eine Hebamme ist – und deshalb auch nach keiner fragte. "Erst als ich das in einem Gespräch herausbekommen hatte, konnte ich aktiv werden und ihr eine besorgen, die sich dann um die Nachsorge kümmerte."

Daher steht sie auch im ständigen Austausch mit den Integrationsmanagern des Landkreises, um bestmöglich über die in derzeit 48 Anschlussunterbringung in Bermatingen lebenden Menschen Bescheid zu wissen. "Flucht und Migration sind ein Prozess von Verlust, der bewältigt werden muss. Dazu gehört, die neue Heimat verstehen zu lernen und zu respektieren", sagt sie. Dieser Punkt sei ihr besonders wichtig, denn Respekt sei ein wesentlicher Baustein der Integration.

Die Angst vor etwas Neuem nehmen

Mit Projekten möchte sie Angebote schaffen, die den Integrationsgedanken verfolgen, etwa einen Schwimmkurs für Frauen und Männer, bei dem es nicht nur um das Schwimmenlernen geht, sondern der auch die Angst vor etwas Neuem nehmen soll. Sie sollen aber auch den vielen ehrenamtlichen Helfern zugutekommen. "Wir organisieren Workshops, in denen es zum Beispiel um die Erkennung von traumatischen Störungen oder den Umgang mit Frustration geht."

Weitere Projekte sind bereits in Planung

Die nächsten Projekte sind bereits auf den Weg gebracht, so soll demnächst eine interkulturelle Nähwerkstatt im Mesnerhaus eingerichtet werden. Dazu Ayala: "Dieses Angebot richtet sich an alle, die an gemeinschaftlichem Nähen interessiert sind." Nach dem Motto "Integration geht durch den Magen" soll ein Kochkurs stattfinden, bei dem jeder etwas von seiner Kultur einfließen lassen kann, aber auch einfache deutsche Gerichte beigebracht werden sollen. "Die Menschen freuen sich, wenn sie etwas aus ihrer alten Kultur in ihre neue einfließen lassen können", sagt Ayala. Im Anschluss sollen die Ergebnisse in einem gemeinsamen Kochbuch veröffentlicht werden.