Wenn zum 31. Dezember 2019 die IWM Bodensee Automotive GmbH in Bermatingen ihren Geschäftsbetrieb einstellt, dann muss sich auch das im Gebäude ansässige, aber eigenständige Unternehmen „Norbert Merkels Talentwerkstatt„ neu aufstellen.

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Geschäftsführer Norbert Merkel, seit 2008 bei IWM Bodensee (damals noch Rohwedder) für die Ausbildung zuständig, hatte sich 2017 mit dem Ausbildungszentrum selbständig gemacht. Neben Azubis von IWM bildete er auch Nachwuchskräfte für andere Firmen wie beispielsweise Wagner, Wälischmiller, Stengelin oder Magnetbau Schramme aus.

Norbert Merkel: 50 Prozent des Umsatzes fällt weg

„Für mich bricht durch die Schließung die Hälfe meines Umsatzes weg“, erklärt Merkel im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Acht IWM-Azubis habe er zuletzt ausgebildet, die Zahlen seien allerdings stark schwankend gewesen. Dazu fallen nun auch vereinbarte Dienstleistungen – wie die Herstellung von Fertigungsteilen – weg. „Das war ein Grundeinkommen, das dann einfach nicht mehr zur Verfügung steht“, so Norbert Merkel, der die Talentwerkstatt gemeinsam mit seinem Kollegen Lukas Waldraff betreibt.

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Die endgültige Schließung von IWM Bodensee habe ihn wenig überrascht, problematisch sei eher die Ungewissheit seit September 2018 gewesen. Ab diesem Zeitpunkt sollte das Unternehmen erneut verkauft werden. „Als dann der letzte Interessant abgesprungen ist, war klar, dass es nicht weitergeht“, sagt Merkel, der bereits die Rohwedder-Insolvenz 2010 miterlebt hat. Seit diesem Zeitpunkt sei die Firma durch Übernahmen und viele Geschäftsführerwechsel nie mehr wirklich auf die Beine gekommen, so Norbert Merkel.

Ausbilder Norbert Merkel (rechts) erläutert im August 2017 bei der Ferienaktion „Wissen was geht“ den beiden Jugendlichen die Pneumatikschaltungen.
Ausbilder Norbert Merkel (rechts) erläutert im August 2017 bei der Ferienaktion „Wissen was geht“ den beiden Jugendlichen die Pneumatikschaltungen. | Bild: Keutner, Christiane

Noch läuft sein Mietvertrag – allerdings sieht es sich nach neuen Räumlichkeiten für sein Ausbildungszentrum um. Rund 600 Quadratmeter reine Werkstattfläche braucht er für seinen Maschinenpark plus Schulungsräume.

Im September startet das neue Ausbildungsjahr: 15 junge Menschen mit fünf verschiedenen Berufen aus neun unterschiedlichen Unternehmen sind bei Norbert Merkel angemeldet. Die Spezialisierung reicht von der Vermittlung der Grundlage in den Bereichen Metall-, Elektro- und Steuerungstechnik, über spezielle Ausbildungsmodule (Pneumatik, CNC-Technik, SPS), bis hin zur Prüfungsvorbereitung und deren Durchführung.

Ab Herbst 2020 sind die Zahlen „ungewiss“

„Wenn der erste Block fertig ist, kommen im Januar wieder die Lehrlinge aus dem zweiten Ausbildungsjahr, die sich dann auf die Prüfung vorbereiten.“ Bis zu den Sommerferien 2020 sei das Zentrum gut ausgelastet, es gebe aber noch freie Kapazitäten. Ab Herbst seien die Zahlen „ungewiss“. Norbert Merkel ist nun – neben den Räumlichkeiten – auf der Suche nach einem neuen Hauptpartner, Betrieben und Berufen. Der bestehende Pool von rund 50 Firmen soll vergrößert werden. Neben der Ausbildung bietet Merkel auch Weiterbildungsmaßnahmen und Lehrgänge an.

Sie haben im Frühjahr 2017 das erste Prüfungsjahr erfolgreich abgeschlossen (stehend von links): Julian Witt , Patrick Walker, Tobias Himpel, Nico Schobloch, Dominik Hindelang, Ibrahim Lombardo, Lukas Bartknecht , Alexander Päster, Nico Burmester und Florian Stötzner; vorne von links: Fabian Huber, Emanuele Mann, Koray Ciftcibasi, Sinan Büyüktemurlenk, Lukas Waldraff, Serkan Bozdemir und Ausbildungsleiter Norbert Merkel. Bild: Norbert Merkels Talentwerkstatt
Sie haben im Frühjahr 2017 das erste Prüfungsjahr erfolgreich abgeschlossen (stehend von links): Julian Witt , Patrick Walker, Tobias Himpel, Nico Schobloch, Dominik Hindelang, Ibrahim Lombardo, Lukas Bartknecht , Alexander Päster, Nico Burmester und Florian Stötzner; vorne von links: Fabian Huber, Emanuele Mann, Koray Ciftcibasi, Sinan Büyüktemurlenk, Lukas Waldraff, Serkan Bozdemir und Ausbildungsleiter Norbert Merkel. | Bild: Merkel, Norbert

Von den IWM-Auszubildenden sind laut Norbert Merkel bis auf zwei mittlerweile alle vorsorgt, wie zum Beispiel Lisa Eichenhofer, die ihre Ausbildung zur Industriemechanikerin bei Kendrion in Markdorf fortsetzen wird. „Das war allen Beteiligten wichtig, dass die Azubis versorgt sind“, so Norbert Merkel, der weiterhin optimistisch in die Zukunft schaut. Schließlich brauchen die Unternehmen gut ausgebildete Fachkräfte.

Informationen im Internet:
http://www.talentwerkstatt.biz