Die Bermatinger Verwaltung geht davon aus, dass in den kommenden Jahren durch neue Baugebiete und Straßen eine Fläche von rund zehn Hektarn ausgeglichen werden muss. Der Gemeinderat hat daher beschlossen, dem Regionalen Kompensationspool (Reko) des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben als Gesellschafter beizutreten. Damit soll der Ausgleichsbedarf und somit die Umsetzung von wichtigen Projekten gewährleistet sein, auch wenn die Gemeinde innerhalb der eigenen Gemarkung nicht oder nicht rechtzeitig Ökopunkte bereitstellen kann. Eine Beteiligung würde 32 000 Euro kosten, was Bürgermeister Martin Rupp für vertretbar hält.

Wenn Bermatingen eine Fläche von rund zehn Hektarn ausgleichen muss, entspräche das einem Wert von einer Million bis eineinhalb Millionen Ökopunkten (ÖP). Bereits in der vergangenen Gemeinderatssitzung sprach man sich für eine entsprechende Ausgleichsflächenkonzeption aus, die unter anderem einen gewässerökologischen Schwerpunkt hat, wie etwa die Aufwertungen des Mühlbachkanals in Ahausen und des Gießbachs.
 

Der Mühlbachkanal in Ahausen bietet ein großes aber nicht unerschöpfliches Potential für die Generierung von Ökopunkten, die etwa zum Ausgleich bei Bauprojekten verwendet werden können. Bild: Jan Manuel Heß
Der Mühlbachkanal in Ahausen bietet ein großes aber nicht unerschöpfliches Potential für die Generierung von Ökopunkten, die etwa zum Ausgleich bei Bauprojekten verwendet werden können. Bild: Jan Manuel Heß

Verbandsdirektor und Reko-Geschäftsführer Wilfried Franke stellte im Gemeinderat das Reko-Konzept vor: "Es ist eng geworden im Bodenseeraum, in den kommenden 15 Jahren werden bis zu 80 000 neue Einwohner prognostiziert." Und hierfür fehle die Fläche. Er sah in seiner Zeit als Dezernent für Umwelt und Technik im Bodenseekreis, wie unbefriedigend die Umsetzung vieler Ausgleiche für Eingriffe in die Natur verliefen. Deshalb gründete er mit 16 Partnern die Gesellschaft. Dazu gehörten 14 Kommunen zwischen Friedrichshafen und Ravensburg, die beiden Landkreise und der Regionalverband selbst.

"Aufgabe der Gesellschaft ist es, einen Pool von Ausgleichsflächen und ÖP zu schaffen, aus dem die Gesellschafter ihren Ausgleichsbedarf decken können, sofern sie keine eigenen Flächen dafür haben", erläuterte Franke.

Ihm ist wichtig klarzustellen, dass Reko keine Flächen kauft und für die Generierung von ÖP keine landwirtschaftliche Flächen verwendet werden sollen. Dazu Franke: "Wir kaufen nur Punkte von Flächen, die von der unteren Naturschutzbehörde genehmigt und sinnvoll sind." Die Ratsmitglieder interessierte vor allem das Verhältnis von Wert und Herkunft der Ökopunkte. Elisabeth Gutemann (SPD) wollte wissen, was so ein Ökopunkt koste. Hierzu Franke: "Es gibt keinen Einheitspreis. Das hängt vom Aufwertungspotential der Fläche ab." Entscheidend sei, welche Investitionen notwendig sind. Dauerhafte Pflege wie bei Hochstammwiesen sei eher teuer und bringen weniger Punkte. Günstig dagegen sind Moore, die keiner Pflege bedürfen und somit mehr Punkte generieren. Rupp verdeutlichte, dass er Reko eher als eine Art Versicherung sehe. Für Wolfgang Frey (CDU) gibt es keine Alternative zum Beitritt: "Aufwertungen innerhalb der Gemarkung stehen in Konkurrenz zu den Landwirten. Wir wollen uns doch nicht wegen 30 000 Euro in die Bredouille begeben." Bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung stimmte der Gemeinderat dem Beitritt zur Reko zu.

Das Unternehmen

Die Regionaler Kompensationspool Bodensee-Oberschwaben GmbH wurde am 9. April 2014 in Ravensburg gegründet. Zweck ist, die Deckung des Kompensationsbedarfs auf dem Gebiet der beteiligten Städte, Gemeinden und Landkreise sowie die Förderung des Natur- und Landschaftsschutzes in der Region zu gewährleisten. Dazu zählt auch die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen im Rahmen der kommunalrechtlich zulässigen Daseinsvorsorge.