Die Idee stieß zunächst auf heftigste Widerstände in den eigenen Reihen: Andrea Kunemann musste den ersten Kunsthandwerkermarkt vor 30 Jahren hart durchsetzen. Denn die jüngeren Mitglieder, die sich aus der selbstverwalteten Jugendgruppe heraus gebildet hatten, setzten mehr auf Rock und Rebellion, als auf Selbstgebasteltes und -gebackenes. Kurz darauf war die Veranstaltung etabliert, der Verein Kulturkessel bekannter und er konnte sich in der Gemeinde etablieren.

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Zunächst war es jedoch harter Tobak für harte Kerle. „Wir sind schon erschrocken. Das hatte ein Geschmäckle nach bieder“, sagt Andreas Nadig. „Und dann noch ein Weihnachtsmarkt!“, fügt Sonja Heger hinzu. Gemildert wurde die Veranstaltung wenigstens durch die Bezeichnung Kunsthandwerkermarkt. Zudem sah die Vereinssatzung vor, jeden kulturellen Bereich abzudecken, merkt Reinhold Hug an. So taten sich die harten Kerle etwas leichter, sich ins Schicksal zu fügen. „Ihr hattet alle das Bedürfnis nach Deko“, wirft Wolfgang Bumüller dazwischen. Alle lachen.

Baselideen in den 80er und 90er Jahren

Die End-80er und die 90er standen ganz in Zeichen von Makramé-Eulen und -hängeampeln, Gipsfiguren, Seidenmalerei, Klöppeln, Porzellan- und gegenständlicher Malerei, Tiffany, selbst genähten Bären und Krippenfiguren. „Wir hatten einmal drei Stände mit Salzteig“, sagt einer stöhnend. „Aber das war damals in und kam sehr gut an“, verteidigen Sonja Heger und Andrea Kunemann die Bastelidee.

Von zwei Tagen auf einen Tag verkürzt

Bis 2005 konnten die Besucher an zwei Tagen an den Ständen stöbern, danach erwies sich ein Tag als ausreichend. Rund 15 Mitglieder helfen beim Auf- und Abbau, beim Kuchenverkauf und Backen: Neun Torten schichten Britta und Matze Herrmann sowie Anja und Jan Rüttinghaus-Kuhle. Zum Standard gehören drei Schwarzwälder sowie jeweils neue Kreationen. Die meisten Aussteller bringen wunschgemäß einen Kuchen mit. „Über weitere treue Kuchenbäckerinnen sind wir sehr froh“, sagt Sonja Heger.

23 Euro pro Tisch als Standgebühr

Waren es anfangs rund 15 Bestücker, sind es heute 40. Andrea Kunemann wollte immer eine Vielfalt – mit den Salzteigarbeiten ist es einmal nicht gelungen. Der Markt wird von Besuchern wie Ausstellern wegen seines heimeligen Ambientes, den Preisen – 23 Euro pro Tisch Standgebühr – und den großzügigen Platzverhältnissen sehr geschätzt. „Jetzt melden sich schon einige fürs nächste Jahr an“, sagt Sonja Heger, die die Organisation des Marktes mit Gabi Streif vor über zehn Jahren übernommen hat.

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Geschätzt wird auch eine weitere Idee von Andrea Kunemann: Der Eintrittspreis von 1 Euro pro Person, früher 1 Mark, wird gemeinnützigen Vereinen und Organisationen gespendet – etwa für den Verein Herzkind, die Tafel Markdorf, Amsel, Hospiz, Schulbibliothek und Rumänienhilfe Jakab. Mehr als 700 Euro kommen schon mal zusammen. Das mit den Märkten erwirtschaftete Geld investiert der Verein ins Programm und fängt damit manche Minus-Veranstaltung auf. So können die Eintritte sozial verträglich gestaltet und bekannte Künstler verpflichtet werden, denen sie auch eine vernünftige Unterkunft und Gage zahlen wollen. Vorbei die Zeiten, in denen Musiker bei Reinhold Hug im Matratzenlager nächtigten.

Der Kunsthandwerkermarkt des Kulturkessel im Dorfgemeinschaftshaus Bermatingen 2017.
Der Kunsthandwerkermarkt des Kulturkessel im Dorfgemeinschaftshaus Bermatingen 2017. | Bild: Christiane Keutner

Geändert hat sich seit Beginn nicht viel: Nur der Nikolausbesuch wurde gestrichen, nachdem eine inflationäre Bescherungswelle um sich gegriffen hatte und die Kinderbetreuung hat sich wegen mangelnder Nachfrage reduziert. Ein Wunsch bleibt: „Wir hätten gern wieder mehr Aussteller, denen man bei der Arbeit zuschauen kann“, sagt Sonja Heger. Übrigens: Retro kommt sicher auch beim Kunsthandwerkermarkt an: Makramé in Form von Armbändern ist zunehmend beliebt – vielleicht gibt es auch mal wieder Salzteigschmuck und Männlein mit Knoblauchpressen-Strubelhaaren.