Sie sitzt am Eingang und lächelt alle Eintretenden an. Und Ulrike Dieing bietet Süßes an. Kleine Köstlichkeiten, die es von dem hingehaltenen Teller zu klauben gilt. Manche Besucher kommen immer wieder – schon seit Jahren.

Die gelernte Konditorin Ulrike Dieing verarbeitet Schokolade zu Pralinen mit sieben verschiedenen Füllungen, aber auch – passend zur Adventszeit – zu braunen Tafeln mit der Krippenszenerie oder Nikoläusen. Das meiste ist so edel verpackt, dass es wohl Überwindung kostet, die kleinen Kunstwerke zu enthüllen. Wäre da nicht der Suchtfaktor!

Ulrike Dieing
Ulrike Dieing | Bild: Jörg Büsche

Cherchez la femme, heißt es. Mach die Frau ausfindig, die im Hintergrund der wahre Motor ist. Zu trifft die französische Redewendung zwar nicht immer. Im Falle von Udo Eichhorn jedoch trifft sie gewissermaßen den Nagel auf den Kopf. „Meine Frau hat mich um ein kleines Glashäuschen für Blumen gebeten.“

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Eichhorn, sonst eigentlich eher mit Holz befasst, konstruierte – und sein Kunstwerk kam an. Die beiden Eichhorns kamen auf den Geschmack – seither bestellt der Hobbykünstler bunte Gläser in Mengen, um daraus Tisch-, Wand- und Hängeleuchten sowie Lampenskulpturen zu fertigen. Frei nach Louis Comfort Tiffany, dem US-amerikanischen Glaskünstler aus der Jugendstil-Phase.

Hobbykünstler Udo Eichhorn
Hobbykünstler Udo Eichhorn | Bild: Jörg Büsche

Der Name kommt aus dem Französischen. Er bezeichnet eine besondere Technik beim Edelsteinschleifen. Inzwischen benennt sich ein ganzer Zweig der Schmuckherstellung damit: „Cabochon-Schmuck“. Er wirkt ein bisschen altertümlich, versprüht mehr Charme als Eleganz, Erfindungsreichtum statt Kostbarkeit. Und Tanja Dorn aus Lindau stellt solche Kreativ-Preziosen her. Übrigens ist die Lindauerin froh, es – nach mehreren vergeblichen Versuchen – auf den Bermatinger Handwerkermarkt geschafft zu haben. Ganz symbolträchtig bietet sie ihren Schmuck im Koffer an. Dort finden sich indes noch weitere Schätze. Zum Beispiel fein ziselierte Lesezeichen, deren Muster spannender wirken als manches Buch.

Tanja Dorn aus Lindau.
Tanja Dorn aus Lindau. | Bild: Jörg Büsche

Cornelia Gerber ist Erzieherin. Wie Fröbelsterne gefaltet werden, weiß sie daher schon von Berufs wegen. Bei ihr hat das Fädeln und Falten indes schon Suchtcharakter angenommen. Sie legt die kleinen und noch kleineren Papierstreifen das ganze Jahr über zusammen, macht daraus die nach dem Begründer der Kindergartenbewegung benannten Sterne. Und Sterne aus Stroh produziert Cornelia Gerber außerdem. Kunstvolle Gebilde, aber auch die in großen Mengen. Die strahlen sich spitzend, die strahlen sich fächernd, beinah wirkt es, als gleiße da richtiges Licht. Dabei ist es nur Stroh, das da wohlig-warm wirkt.

Cornelia Gerber
Cornelia Gerber | Bild: Jörg Büsche

Sandra und Jaroslaw Jackiewicz cyclen up. Und das mit benutzten Fahrradteilen. Genauer: mit gebrauchten Fahrradschläuchen. Daraus fertigen sie teils Anhäger für Schlüssel, teils Anhänger zum Beladen. Am allermeisten jedoch stellen sie Taschen her. Taschen fürs Velo. Wasserfest, strapazierbar, praktisch und außerdem bunt.

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Denn Sandra Jackiewicz hat eine künstlerische Ader. Auf den Taschenoberflächen lässt sie ihrer Fantasie freien Lauf. „Es waren unsere Freunde, die uns darauf gebracht haben“, erklärt Jaroslaw Jackiewicz. Upcycle-Taschen hat das Paar immer mal wieder verschenkt. Sie ließen sich sicher gut verkaufen, lautete der Vorschlag der Freunde. Der Bermatinger Handwerkermarkt zeigt: Sie haben recht.

Sandra und Jaroslaw Jackiewicz (hier mit Heike Wolf, links).
Sandra und Jaroslaw Jackiewicz (hier mit Heike Wolf, links). | Bild: Jörg Büsche

Sirup, Gelee, Schlampermäppchen. Alles am Stand von Judith Lehle ist selbst gemacht. Es kommt aus dem Garten, aus der Küche oder aus dem Schrank, aus dessen Schubladen beziehungsweise aus der Wäschetruhe. Wo sich Bettwäsche findet, die viel zu schade ist, um sie fortzuwerfen. Weshalb die Kreative die bunt bedruckten Textilien zerschneidet und die winzigen Stücke zu Figuren zusammenfügt. Vor allem Zwerge zieren nun Judith Lehles Geschirrtücher. Oder sind es doch Heinzelmännchen, die den häuslichen Abwaschen ganz allein erledigen?

Judith Lehle (links) mit Gitta Hatger.
Judith Lehle (links) mit Gitta Hatger. | Bild: Jörg Büsche