Bermatingen – Himmelhoch jauchzen kann der Kirchenchor Bermatingen: Zum einen kamen kurz vor einer drohenden Auflösung im September 2016 nach flammenden Appellen ein Drittel neue Sängerinnen und Sänger hinzu, zum anderen auch ein neuer Chorleiter und ein neuer Vorsitzender. Sie alle trafen sich bei der Jahresversammlung im Pfarrheim.

"Vor einem Jahr hatten wir noch Welpenschutz, jetzt sind die Anforderungen brutal und unerbittlich", eröffnete Vorsitzender Bernhard Hatt scherzhaft das Treffen und erinnerte an die Höhepunkte des Jahres mit Wolfram-Menschick-Messe mit Bläsern an Ostern und der Maximilian-Stadler-Messe an Weihnachten. Ohne den ehemaligen Leiter Anton Schäfer hätten keine vierstimmigen Chorsätze erklingen können. Nachdem sein Nachfolger Gerhard Siegel krank geworden war, leitete Schäfer seine ehemaligen Schützlinge durch die Vorbereitungauf Weihnachten. "Der Dank im Himmel wird ein großer sein", bemerkte Hatt an Schäfer gewandt und freute sich über die Zahl sieben jeweils bei den Sopran-, Alt- und Männerstimmen. Sein Resümee: "Wir sind zwischenzeitlich ein verarmter Landchor, aber trotzdem eine kulturelle Bereicherung."

Wie sich diese auf das Gemeinwesen auswirkt(e), verdeutlichte Schriftführer Rudi Merk mit winzigsten Details. Neben der musikalischen Begleitung kirchlicher Hochfeste hatten die Mitglieder auch Spaß an geselligen Aktionen. Zudem verhalfen sie ihrem "verarmten Landchor" mit emsigen und gemeinschaftsstärkendem Einsatz bei der Gewerbemeile mit Kaffee- und Kuchen-Verkauf zu Einnahmen. Hatt würdigte den eifrigen Protokollanten auch als den "akribischsten und zuverlässigsten Notenwart des Erzbistums".

Kurz und knackig ließ Kassenwartin Roswitha Sailer die Mitglieder an den Einnahem und Ausgaben teilhaben. Dank der Einnahmen bei der Gewerbemeile und der namentlich genannten Spender konnte der magere Kassenbestand aufgepäppelt werden. Ein Jahreszuschuss von Pfarr- und politischer Gemeinde sei auch noch zu erwarten.

"Tiefstapeln müssen Sie nicht"

In Vertretung des krankheitsbedingten "Stimmausfalls" des neuen Chorleiters Gerhard Siegel resümierte Hatt: Die Neuen haben sich sehr gut in die gute Gemeinschaft integriert. 2018 werden die üblichen Feste gesanglich begleitet. Bürgermeister Martin Rupp lobte den "sehr guten Kirchenchor", der sich verjüngt und ergänzt hatte und bei dem die Übergänge nahtlos verliefen. "Tiefstapeln müssen Sie nicht", spielte er auf die kokette Bezeichnung "Landchor" an und dankte auch Anton Schäfer, der immer mal wieder einspringe: "Ein Gottesdienst ohne Orgel geht nicht, da fehlt mir immer etwas."

Über die gute Entwicklung des Chores und den unglaublichen Mitgliederzuwachs freute sich auch Pfarrer Ulrich Hund. Die Befragung der Bermatinger zur Ergründung des Gemeindelebens habe ergeben, dass der Kirchenchor niemandem gleichgültig sei; jedoch variierten die Meinungen bezüglich traditionellem und modernen Liedgut. Wegen Pfarrermangels sei die Prozession an Fronleichnam gefährdet.

Als zuverlässig und treu, dazu nicht entbehrlich, würdigte Hatt Sängerin Ursel Müller, die er für 40 Jahre Singen ehrte, die ersten zehn davon in Neufrach. Gabriele Bornschein, die 35 Jahre im Bermatinger Chor gesungen hatte, verlieh er die Ehrenmitgliedschaft.

Zwei neue und zwei langjährige Mitglieder über ihre Motivation

Gabriele Bornschein, 72, bereichert im Kirchenchor seit 35 Jahren die Altstimmen: „Ich habe schon immer gern gesungen und im Kirchenchor war mir das Mehrstimmige immer sehr wichtig. Das hat mir auch den größten Spaß gemacht.“ Die anspruchsvollen Messen und mehrstimmige Lieder zählte sie daher zu den liebsten Herausforderungen. Auch beruflich lag ihr das Singen am Herzen. Als Lehrerin an der Grundschule Bermatingen habe sie viel mit den Kindern im Schulalltag gesungen. Die Musikalität legt in der Familie: Ihr Ehemann Friedrich Bornschein hatte lange den Kirchenchor geleitet – und sie keine Probleme, sich von ihm „dirigieren“ zu lassen, so ihre Antwort auf die frotzelnde Frage. Sie selbst habe ja auch in der Schule dirigiert. Auch zuhause singt Gabriele Bornschein: „Keine Arien, aber sonst alles Mögliche. Man fühlt sich beschwingter!“.

Nach mehrmaliger Anfrage durch ein Chormitglied traute sich Patricia Kubon-Kuntz, 57, mitzumachen – entgegen den Behauptungen ihrer musikalischen Kinder, sie singe immer so falsch. "An mir werdet ihr keine Freude haben", warnte sie denn auch. Doch nach der Neueinordnung der Stimmlage von Alt auf Sopran habe sich bisher keiner beschwert. "Singen ist gesund, es befreit", sagt sie und freut sich auch über moderne Lieder. Die bisher weniger geliebten Messen an Weihnachten habe sie inzwischen etwas mehr schätzen gelernt: "Sie haben etwas Würdevolles und wenn man dabei ist, betrachtet man sie ganz anders." Ein großes Problem der Gesellschaft sei oft, dass man alteingefahrene Strukturen nicht mehr lösen könne. "Da muss man einen Zwischenweg finden, sonst kommen keine mehr nach. Aber ich glaube, wir sind hier im Umbruch."

Vier Jahrzehnte singt Ursel Müller, 66, im Kirchenchor. Die ersten zehn Jahre in Neufrach, danach 30 Jahre in Bermatingen. Mit 14 Jahren trat sie ein: "Der Lehrer hat damals gesagt, du kannst singen, du könntest in den Kirchenchor gehen. Und das war damals so, man ist gegangen, gemeinsam mit Klassenkameraden, und hat es probiert." Die Freude am Singen hat sie bei der Stange gehalten: "Ich singe einfach gern. Die Geselligkeit gefällt mir und ich bin immer beim Einkehrschwung dabei", strahlt sie. Die Messen an Weihnachten begeistern sie sehr, aber sie mag auch weltliche Lieder, "lustige Sachen, nichts Trauriges!" "In mir erklingt ein Lied" ist eines ihrer Lieblingslieder und Mozart liebt sie auch. Die Mozart-Messe hatten ihr die Neufracher auch zur Hochzeit gesungen. "Mir tut Singen einfach gut, das Allgemeinbefinden bessert sich. Das sehe ich auch beim Seniorenkreis."

Bei Helmut Schweizer, 46, bewirkte Rudi Merks flammender Aufruf vor eineinhalb Jaren beim Gottesdienst anlässlich des Patroziniums der Gemeinde den Eintritt in den Chor: "Ich dachte: warum nicht?! Der Kirchenchor trägt zu schönen Gottesdiensten bei, mit dabei sein, ist auch etwas Schönes und Singen macht einfach große Freude." Nach dem einen Abend in der Woche fühle er sich ein Stück weit besser: "Singen beruhigt und entstresst, gerade wenn man tagsüber einen Wahnsinnsstress hat, kommt man im Chor richtig runter." Es seien lauter nette Leute dabei, was nicht ganz unwichtig sei, aber nicht an vorderster Stelle stehe. Bei den Gottesdiensten an den Hochfesten, die man gesanglich begleite, sei er meistens anwesend. Falls nicht, würden das die anderen Sänger mittragen, aber zu 90 Prozent könne er es ermöglichen.