Es brennt bei der Freiwilligen Feuerwehr Bermatingen, zwar nicht buchstäblich, dafür personell und räumlich. So jedenfalls sind die Ergebnisse der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplans einzuschätzen, die Gutachter Sven Volk von der Firma Resq-Engineering aus Immenstaad bei der jüngsten Sitzung im Gemeinderat vorstellte.

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Der derzeit vorhandene Brandschutzbedarfsplan musste aufgrund vieler Änderungen, unter anderem in der Personalstruktur, der Tagesverfügbarkeit von Einsatzkräften, der Fahrzeugausstattung sowie der baulichen Entwicklung der Gemeinde überarbeitet werden.

Räumliche Mängel in Gerätehäusern

Volk berichtete, dass die Feuerwehrleute in den vergangenen fünf Jahren zu rund 85 Prozent innerhalb von zehn Minuten am Einsatzort gewesen seien. Männer und Frauen der Bermatinger Wehr seien zwar gut ausgebildet und mit der technischen Ausstattung sei man ebenfalls zufrieden, doch gebe es Probleme mit der Tagesverfügbarkeit von Einsatzkräften. Auch bei den beiden Gerätehäusern gebe es zum Teil große räumliche Mängel.

In Zukunft zu wenige Führungskräfte?

„Es stehen in beiden Abteilungen – Bermatingen und Ahausen – tagsüber ganz klar zu wenig Einsatzkräfte zur Verfügung“, erklärte Volk weiter. Außerdem sei zu befürchten, dass durch die Altersobergrenze von 65 Jahren in Zukunft zu wenig Führungskräfte bereit stehen.

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Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund sollen angesprochen werden

Um eine Verbesserung der Tagesverfügbarkeit zu erreichen, schlug Volk unter anderem eine allgemeine Mitgliederwerbung vor. Zudem solle man verstärkt Frauen sowie Bürger mit Migrationshintergrund ansprechen. „Die Statistiken belegen, dass diese beiden Gruppen sehr unterrepräsentiert in den Feuerwehren sind und sicher einiges an personellem Potenzial bieten“, so Volk.

Moderne Umkleide- und Sanitäreinrichtungen als Voraussetzung

Jedoch müssten, bevor man aktiv Frauen für die Feuerwehr werbe, separate Umkleideräume und Sanitäreinrichtungen geschaffen werden. „Solange es die nicht gibt, wird man wohl sehr schwer Frauen motivieren können, der Feuerwehr beizutreten“, zeigte sich Volk überzeugt.

Geplantes Vorgehen

Aktive Feuerwehrkräfte müssen Arbeitsplatz bei Einsätzen verlassen können

Außerdem könne man Anreize für Angestellte der Gemeinde schaffen und Einsatzkräfte anderer Feuerwehren mit Arbeitsplatz in Bermatingen oder Ahausen werben. Hier spiele vor allem das Thema Abkömmlichkeit vom Arbeitsplatz eine wichtige Rolle, wie Volk weiter ausführte: „Natürlich braucht es da Arbeitgeber, die es tolerieren, wenn Mitarbeiter im Einsatzfall den Arbeitsplatz verlassen müssen.“

Bei Widemann und MaBe ist das nach Angaben der Unternehmen kein Problem

Bei der Firma Widemann in Ahausen jedenfalls ist das ehrenamtliche Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr kein Hindernis bei der Einstellung, im Gegenteil: „Wir profitieren ja auch davon, wenn unsere Mitarbeiter im Ernstfall genau wissen, was zu tun ist“, erklärt Renato Licciardi, Leiter des Ressourcenmanagements bei Widemann.

Ebenso sieht es bei der Maschinenfabrik Bermatingen (MaBe) aus, wie Andreas Lang, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, auf SÜDKURIER-Anfrage mitteilt: „Die MaBe unterstützt das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter und verbietet keinem, im Einsatzfall den Arbeitsplatz zu verlassen.“

Wie ein neues, gemeinsames Feuerwehrgerätehaus die Situation entschärfen könnte

Die wohl nachhaltigste Maßnahme im Katalog des Brandschutzbedarfsplans werde wohl die Errichtung eines neuen – gemeinsamen – Feuerwehrgerätehauses darstellen, wie Gutachter Sven Volk darlegte. „Ein zentrales Feuerwehrgerätehaus würde zum einen weniger Fahrzeuge und Ausrüstung nötig machen und zum anderen könnte sich auch die Personalstruktur durch die Zusammenlegung effektiver gestallten lassen.“

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Man müsse werktags nicht mehr mit zwei unterbesetzten Fahrzeugen ausrücken. Außerdem würden bei der Zusammenlegung der bisherigen zwei Abdeckungsbereiche – Ahausen und Bermatingen – weiterhin alle Einsatzorte innerhalb von drei Minuten erreicht werden können. Somit bleibe auch die allgemeine Eintreffzeit von zehn Minuten ab Alarmierung bei Bränden und technischen Hilfeleistungen gewährleistet.

Planungen sollen bald beginnen

Bürgermeister Martin Rupp erklärte im Anschluss an den Vortrag, dass „ein neues Feuerwehrgerätehaus jetzt ganz klar in den Fokus rückt und wir mit den Planungen beginnen müssen“.