Die Natur hat den Menschen viel zu bieten, besonders, was die vielen Kräuter und Pflanzen betrifft, die auf Wiesen, an Feldern und im Wald wachsen. Das Wissen darüber geben die Menschen schon seit Generationen weiter. Bodensee-Guide Moni Müller ist Expertin auf diesem Gebiet, befasst sie sich doch schon seit 30 Jahren mit dem Thema: "Es gibt so viel über die die Pflanzen zu erfahren, die um uns herum wachsen, das hat mich schon immer interessiert und ich möchte das Wissen auch weitergeben." Diesmal hat sie sich für ihre "wildromantische Kräuterwanderung", die sie in Kooperation mit dem touristischen Arbeitskreis der Gemeinde Bermatingen anbot, den oberhalb von Bermatingen gelegenen Klimsenbachtobel ausgesucht. Ein Waldgebiet, dass sich – trotz der Trockenheit der vergangenen Wochen – als ein Füllhorn von Wildkräutern und alten Heilpflanzen erwies.

Entlang des oberhalb von Bermatingen gelgenen malerischen Klimsenbachtobels eröffnet sich dem Wanderer eine atemberaubende Wald- und Naturlandschaft, wie dieser Bach aus Wald-Springkraut, das als einziges seiner Gattung nicht eingewandert ist.
Entlang des oberhalb von Bermatingen gelgenen malerischen Klimsenbachtobels eröffnet sich dem Wanderer eine atemberaubende Wald- und Naturlandschaft, wie dieser Bach aus Wald-Springkraut, das als einziges seiner Gattung nicht eingewandert ist. | Bild: Jan Manuel Heß

Breitwegerich bei Blasen an den Füßen

Breitwegerich sei gut bei Blasen an den Füßen, der verwandte Spitzwegerich eigne sich hervorragend zur Besänftigung juckender Mückenstiche und gebe in Verbindung mit etwas Honig ein hervorragendes Mittel gegen Hustenreiz ab. In Quark gemischt, mit etwas Apfel abgeschmeckt, gibt er dem Ganzen eine ganz eigene Geschmacksnote. Moni Müller möchte neugierig machen, möchte den Blick für die Natur öffnen, die Sinne schärfen. Roch es anfangs schlicht nach "Wald", nimmt man nach und nach immer mehr andere Nuancen wahr.

Gundermann, Wiesenlabkraut und Mädesüß lassen sich unterscheiden. Ersterer ist ein wahrer Würz-Allrounder, das Labkraut wurde früher bei der Käseherstellung verwendet und das Mädesüß duftet hauchfein nach Vanille oder Honig – je nach Nase. In früheren Zeiten wurde es dem Met zugesetzt, um den Geschmack zu verbessern. Auch in der Heilkunde fand die Pflanze wegen ihres Salicylaldehydgehalts Anwendung, ein entzündungshemmender Wirkstoff, der heute in synthetischer Form bei Kopfschmerzmitteln verwendet wird. Also war mit Mädesüß versetzter Met ein Mittel für und gleichzeitig gegen Kopfschmerzen, geradezu bahnbrechend.

Selina Groth aus Salem, selbst eine passionierte Kräutersammlerin, schlägt am Ende der Tour noch die eine und andere Pflanze nach.
Selina Groth aus Salem, selbst eine passionierte Kräutersammlerin, schlägt am Ende der Tour noch die eine und andere Pflanze nach. | Bild: Jan Manuel Heß

Besonders die geschmackliche Horizonterweiterung kommt bei der Wandergruppe sehr gut an. Daher hat Moni Müller auch Probierpausen vorbereitet. Ein frischer Quark mit Brennnessel, Gundermann, Giersch und etwas Limone beigemengt wird herumgereicht und darf mit dünnem Knäckebrot verköstigt werden. Selina Groth aus Salem ist äußerst angetan: "Das schmeckt wirklich richtig lecker, da könnte ich glatt die ganze Schale aufessen." Auch die in Schokolade getunkten Gundermann-Blätter kamen sehr gut an. Bei der Verwendung von Wildkräutern und -pflanzen "sollte man aber stets auf die Frische achten und bei Getrocknetem auf Schimmelbildung", rät Müller. Daher empfiehlt sie, dass man sich ein oder zwei Nachschlagewerke zulegen sollte, die bei der genauen Bestimmung und der Verwendung behilflich sind.

Mit dem erblühen der Herbstzeitlosen, wird in der Natur der Herbst eingeläutet. Außerdem ist sie sehr giftig, was ihr 2010 den Titel "Giftpflanze des Jahres" einbrachte.
Mit dem erblühen der Herbstzeitlosen, wird in der Natur der Herbst eingeläutet. Außerdem ist sie sehr giftig, was ihr 2010 den Titel "Giftpflanze des Jahres" einbrachte. | Bild: Jan Manuel Heß

Wilder Oregano wird auch Wohlgemut genannt

Weiter auf dem Weg begegnen der Gruppe noch wilder Oregano, auch Wohlgemut genannt, der in Brautsträußen und -kränzen eingeflochten wurde. Auch das Echte Labkraut ist anzutreffen, es wurde einst bei der Herstellung des Chesterkäses verwendet und gab ihm, aufgrund der gelb-orangenen Blüten, die markante Farbe. Zum Ende der Tour erwartete die Gruppe noch ein herzhafter Abschluss: frisches Brot mit einer Oliven-Kräutercreme und Naschtomaten. Rita Rothmund aus Bermatingen ist sehr angetan: "Es war wirklich sehr aufschlussreich, informativ und natürlich lecker. Hat Spaß gemacht."