Aufgeregt zeigt Marie in die Schale: "Das ist eine Zuckmückenlarve", sagt die Neunjährige im Brustton der Überzeugung, nachdem sie in ihrem Naturbuch geblättert und sie bestimmt hat. Tatsächlich: Da schlängelt sich ein kleines wurmförmiges Etwas in der Schale mit Wasser, daneben liegt ein Blutegel. Die Tierchen hatten die Schüler der Klasse 3a der Grundschule Bermatingen zuvor aus dem Weiher der Fischweihergemeinschaft um Werner Fessler mit großen Küchensieben herausgefischt. Mit ihrer "Beute" sind sie zum Fischmobil des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg gelaufen. Dort hatte Biologe Ruben van Treeck Tische und Klappstühlchen aufgestellt, an denen die 17 Schüler ihren Fang untersuchten.

Die Aktion gehörte als Abrundung noch zur Projektwoche der Schule, in der sich die Klassen 2 und 3 mit dem Thema Wasser/Bodensee befasst hatten. Wegen Terminüberschneidungen war die Kampagne "Fisch on Tour" jetzt erst möglich. Eine Woche zuvor hatte die zweite Klasse bereits ihren Spaß, der auch den Drittklässlern anzumerken ist. Geschäftig befördern sie mit weichen Pinzetten oder langstieligen Löffelchen die Winztierchen in die Petrischalen und zählen unter dem Mikroskop mit zehn- bis 20-facher Vergrößerung Beine, schauen sich Kopf und Größe an, blättern in Büchern oder Karteikarten mit den Beschreibungen der Merkmale, ihres Lebensraums und Zeichnungen der Wirbellosen, um die es vor allem geht, und tragen es in ihr Forschertagebuch ein.

"Die meisten Kinder denken zuallererst an Fische im Wasser, aber es gibt eine irre Auswahl an Tieren, ohne die die Fische nicht da wären", erklärt Ruben van Treeck. Es geht um Fraßbeziehungen – wer frisst wen, warum gibt es die Tiere, um das Vermitteln von ökologischen Zusammenhängen, um das emotionale Naturerlebnis, das im Gedächtnis haften bleibt, um die spielerische Sensibilisierung für die Umwelt, in diesem Fall für Gewässer und deren Schutz. Alles ist mit viel Spaß verbunden. "Ich bin beeindruckt, mit welchem Eifer, Ausdauer und Konzentration die Kinder dabei sind", freut sich Klassenlehrerin Sandra Bonarek und ihre Kollegin Birgit Wiedermann nickt zustimmend: "Sie sind total aktiv und begeistert."

Gefreut haben sich auch alle riesig über Werner Fessler: Er stellte das Areal zur Verfügung und spendierte obendrein Brezeln und Limo, was bestens ankam.

Neben der Schärfung des Umweltbewusstseins wirbt der Fischereiverband, ein eingetragener Naturschutzverein, fürs Angeln. Nein, das ist nicht kontraproduktiv: "Angeln ist eine extrem nachhaltige Nutzung. Man holt einen Fisch aus dem Wasser, den man auch isst, Angler sind leise, sie hinterlassen keinen Müll, verhalten sich vorbildlich. Und sie setzen viele Fische, also Nachwuchs aus. Deshalb sind Angelvereine wichtig, denn sie sind Gewässerschützer", so Ruben van Treeck.

Zum Schluss macht der 29-Jährige mit den Kindern noch ein selbstentworfenes Quiz, bei dem man Larven den erwachsenen Tieren zuordnen muss.

Zum Projekt

"Fisch on Tour" ist ein kostenloses Projekt des Landesfischereiverbands Baden-Württemberg. Mit dem Fischmobil besucht er Schulen und Feriengruppen, Fischereivereine und Veranstaltungen von Städten und Gemeinden, um mit jungen Menschen den Lebensraum Gewässer und die darin vorkommenden Lebewesen zu erkunden und deren ökologischen Zusammenhänge zu verstehen. Der Verein bietet einen individuellen, außerschulischen Lernort als reizvolle Ergänzung zum stationären Unterricht. Informationen im Internet: www.fisch-on-tour.de. (keu)