Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt der Volksmund. Aber viele! Bester Beweis sind die in Bermatingen nistenden Zugvögel. Sie haben unter dem Dach des "Gasthaus Moser" an der Salemer Straße ihre Sommer-Residenzen gebaut. Von den sechs Nestern sind zwei freihängende Einzelhäuser und zwei Doppelhäuser; eine Hälfte in einem Doppelhaus befindet sich – vermutlich mangels Materialien, feuchtem Lehm, den die Schwalben überwiegend aus Pfützen entnehmen -, noch im Rohbau und wird vielleicht erst im kommenden Jahr fertiggestellt werden. Immerhin braucht es zwischen 700 und 1500 Lehmkügelchen sowie Halme. Die Mehlschwalben verkleben alles mit ihrem Speichel und mauern damit ihr Nest, bevorzugt unter windgeschützten Dachüberständen.

Je nach Wetter ziehen die Mehlschwalben ein oder zwei Bruten groß, die Ende August oder Anfang September in den Sommerurlaub im Süden fliegen.

Mama Schwalbe sorgt dafür, dass die Jungen so gestärkt werden, dass sie genug Reserven für den Flug in den Süden haben.
Mama Schwalbe sorgt dafür, dass die Jungen so gestärkt werden, dass sie genug Reserven für den Flug in den Süden haben. | Bild: Christiane Keutner

Die Jungvögel schauen ganz knitz aus dem Nest, eine Portion Insekten erwartend, und lassen sich noch füttern. Eine Freude ist es, den Eltern beim Anflug zuzusehen im Bewusstsein, dass die 1974 zum Vogel des Jahres ernannte Mehlschwalbe seit 2004 in Deutschand auf der Vorwarnliste für bedrohte Arten steht. Mit dem Rückgang der Landwirtschaft und der Abnahme von Insekten ist die Art weiter gefährdet.

Schwalben brüten bereits zum dritten Mal

Umso mehr freut sich Familie Gommeringer über das Nisten der Vögel unter ihrem Dach mit der griffigen Fassade, an denen die kunstvollen Nester Halt finden – obwohl das Brüten und Aufziehen der Jungvögel viel Schmutz mit sich bringt. "Meine Frau muss halt e weng putzen, aber das macht sie gern, denn es heißt: Wo die Schwalben nisten, wohnt das Glück", zitiert Hubert Gommeringer. Und weil dieses Jahr ein Super-Sommer war und ist, brüten die Glücksbringer bereits zum dritten Mal und hatten damit schon sehr früh begonnen. Auch die Gäste stören sich nicht an den Hinterlassenschaften, sondern haben Spaß an den Vögeln, die sehr selten geworden sind. "In Bermatingen kenne ich sonst keinen Ort, an dem sie brüten", sagt der Wirt, der jedes Jahr die Sommergäste willkommen heißt.

Tschirpp-tschirpp: Wann kommt denn die nächste Futterration geflogen? scheint die junge Schwalbe im "Anbau" zu piepsen.
Tschirpp-tschirpp: Wann kommt denn die nächste Futterration geflogen? scheint die junge Schwalbe im "Anbau" zu piepsen. | Bild: Christiane Keutner

Die Vögel sind auch noch auf andere Weise Wetter-Anzeiger: Fliegen die Schwalben hoch, ist schönes Wetter, fliegen sie tief, ändert es sich. Das liegt daran, dass leichte Insekten bei schlechtem Wetter tiefer fliegen, hinter denen die Sperlingsvögel her sind.

Ein Brett, das den Kot der Tiere abfängt, damit Siegrun Gommeringer weniger zu tun hat, will die Familie jedoch nicht anbringen: "Das bedeutet eine Veränderung. Ob die Schwalben dann wiederkommen, ist ungewiss. Wir gehen kein Risiko ein und nehmen lieber die Sauerei in Kauf!"