Der CDU-Ortsverband Bermatingen hat bei seiner Hauptversammlung vor allem drei Themenfelder bearbeitet: Die Mitglieder diskutierten über den Straßenbau in der Region und die Landwirtschaft in Zeiten des Volksbegehrens zum Artenschutz. Außerdem sprachen die Christdemokraten über ihr verhältnismäßig schlechtes Abschneiden bei den vergangenen Kommunalwahlen.

Volker Mayer-Lay und Carola Uhl (links und rechts außen) gratulieren Klaus Widemann (Zweiter von links), Gretel Miez und Karl Volz für deren Mitgliedschafts-Jubiläum beziehungsweise Verdienste um die Gemeinderatsarbeit.
Volker Mayer-Lay und Carola Uhl (links und rechts außen) gratulieren Klaus Widemann (Zweiter von links), Gretel Miez und Karl Volz für deren Mitgliedschafts-Jubiläum beziehungsweise Verdienste um die Gemeinderatsarbeit. | Bild: Jörg Büsche

Karl Volz, der zwei Jahrzehnte lang für die CDU im Gemeinderat saß, erklärte, warum er vor 20 Jahren in die CDU eintrat. „Weil man damit an der Quelle saß für wichtige Informationen aus der Politik. Und weil die CDU damals noch eine Volkspartei war.“ Was sich unterdessen gewandelt habe. Überdies leide die Arbeit an der Basis unter den Fehlern der christdemokratischen Bundespolitik.

Wenn sich das nicht ändere, werde das die Partei auch weiterhin schwächen. Und obgleich er sich verabschiedet hat aus dem Ratssaal, will Volz weiterhin im Vorstand mitarbeiten. Zum Beispiel durch die von ihm betriebene Annäherung an die Salemer CDU, mit der gemeinsame Aktivitäten geplant seien.

Öffentlichkeitswirksam: Die Grüne-Kreuz-Aktion der Landwirkte bringt Aufmerksamkeit für ihre Einwände gegen das Bienen-Volksbegehren.
Öffentlichkeitswirksam: Die Grüne-Kreuz-Aktion der Landwirkte bringt Aufmerksamkeit für ihre Einwände gegen das Bienen-Volksbegehren. | Bild: Jörg Büsche

Auch Carola Uhl macht sich Sorgen. Die Gemeinderätin und Vorsitzende des Bermatinger CDU-Ortsverbandes bekümmern die Prognosen des Regionalverbands. Der nämlich gehe vom ungebremsten Zuzug in die Bodenseeregion aus. „Bis 2030 wird mit 60 000 bis 70 000 Neubürgern gerechnet“, erklärt Carola Uhl. Und sie geht davon aus, dass sich dieser Zuwachs in weiteren Wohngebieten, damit aber auch in neuen Straßen niederschlagen muss.

Sie plädiert für den Bau und Ausbau von Straßen. Etwa der B 31-neu, aber auch der Markdorfer Südumfahrung sowie der Umfahrung von Bermatingen, die die CDU-Vorsitzende als unverzichtbabar bezeichnete. Sobald der Korridor der B 31 bei Hagnau feststehe, wolle sich ein Arbeitskreis des CDU-Ortsverband mit der Landesstraße 205 neu befassen. Hier plädiere man für eine kurze Variante, die auf Höhe Haslacher Hof an die geplante Südumfahrung anschließt.

Mayer-Lay: „Dreispurig wird sie zum Todesstreifen.“

CDU-Kreisverbandsvorsitzender Volker Mayer-Lay erklärte, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Bau der Markdorfer Südumfahrung und dem Umfahrungsvorhaben in Bermatingen gebe. „Kommt in Markdorf keine Umfahrung, schwächt das automatisch die Chancen für Bermatingen.“

Namen und Nachrichten

Carola Uhl forderte zur Unterstützung der Markdorfer Südumfahrungs-Befürworter auf. In jedem Falle sei die B 31 vierspurig auszubauen, betonte Mayer-Lay. „Dreispurig wird sie zum Todesstreifen.“ Er griff SPD und Grüne an, die sich gegen die Vierspurigkeit aussprächen. Desgleichen arbeiteten sie gegen die Bodensee Airport, der für die Wirtschaft der Region doch von so immenser Bedeutung sei.

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Zu einer Neuausrichtung der Bermatinger CDU kam es auch organisatorisch. „Damit wir uns auf eine breitere Basis stützen können, bilden wir einen Beirat“, erläuterte Carola Uhl. Als sogenannte Experten-Beiräte kommen Christoph Hafen und Mirco Hassteufel hinzu. Dieser berät bei der Öffentlichkeitsarbeit, jener im Bereich Sport.

Letzte Apfelernte? Landwirt und Gemeinderat Karl Homburger befürchtet das Aus für viele Obstbauern im Bodenseekreis, falls die Forderungen des Artenschutz-Volksbegehrens umgesetzt würden.
Letzte Apfelernte? Landwirt und Gemeinderat Karl Homburger befürchtet das Aus für viele Obstbauern im Bodenseekreis, falls die Forderungen des Artenschutz-Volksbegehrens umgesetzt würden. | Bild: Jörg Büsche

Warum das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ den Landwirten so sehr aufstößt, erläuterte Karl Homburger. Wie der Landwirt erklärte, sei die Bermatinger Gemeinde besonders betroffen von den erstrebten Restriktionen. Gebe es doch ein Wasserschutz- und ein FFH-Gebiet (Landschaftsschutz nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien). „Uns Landwirten wird die alleinige Schuld am Artensterben zugeschoben“, empörte sich Homburger.

Karl Homburger: „Die Gesellschaft darf die Bauern nicht alleine lassen.“

Dabei spiele die Flächenversiegelung eine enorme Rolle. Und was in der Diskussion gänzlich vergessen werde, sei: „Die Landwirtschaft macht eigentlich schon immer einen Strukturwandel aus“, so betonte der Landwirt. In diesem Strukturwandel aber seien die Bauern in der Lage, sich auf neue Anforderungen anzupassen – auch an die Bedürfnisse des Artenschutzes. So nehme man allmählich Abschied von der Praxis der intensiven Bodenbearbeitung per Pflug und suche schonendere Alternativen. Nur dürfe man die Landwirte nicht überfordern. Ebensowenig wie die Verbraucher, die laut Homburger keineswegs bereit seien, viel mehr Geld für Bio-Produkte zu bezahlen. Vor allem: „Keiner spritzt mehr, als er unbedingt muss!“, betonte Karl Homburger. Sein Appell: Die Gesellschaft dürfe die Bauern nicht alleine lassen.