Herr Rupp, das Jahr 2017 ist Vergangenheit, wie bewerten Sie es abschließend?

Wir haben viele Punkte aus dem Aufgabenprogramm abarbeiten können, zudem einiges Zusätzliches und somit Weniges nach 2018 mitnehmen müssen.

Welche größeren Projekte wurden abgearbeitet?

Bei den Planungen haben wir den Bebauungsplan „Im Sinn IV“ bei der Firma Wiedemann und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Obere Mühle abschließen können. Bei Letzterem fehlt allein noch der formale Satzungsbeschluss – wegen der artengeschützten Zauneidechse, deren „Umzug“ aber vom Vorhabensträger für das anstehende Frühjahr geplant ist. Außerdem konnten wir endlich den Bebauungsplan für das Gebiet „Hinter dem Dorf III“ in Ahausen auf den Weg bringen, nachdem die Fläche als hochwasserfrei eingestuft worden ist. Sehr froh bin ich über den Abschluss der Sportstättenkonzeption. Der letzte Baustein, also der Neubau eines Vereinsheims, die Verlegung des Hauptplatzes sowie die Erneuerung der Leichtathletikanlagen, sind verabschiedet und auf den Weg gebracht.

Es wurde viel gebaut im vergangenen Jahr, was waren hierbei Ihre Meilensteine?

Für mich persönlich die Sanierung der Aussegnungshalle, die für meinen Geschmack wirklich gelungen ist. In Verbindung mit dem neuen Grabkammersystem haben wir jetzt einen schönen Friedhof und zukunftsfähige Bestattungsformen. Aber auch die vielleicht erst mal nicht so spektakulär wirkenden Maßnahmen sollten erwähnt werden. Etwa die neue Lautsprecheranlage oder die Sanierung der Feuerschutztüren im Dorfgemeinschaftshaus, oder die kontinuierlichen Instandhaltungsmaßnahmen an der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung.

Und wie sieht es im sozialen Bereich aus?

Bei den bürgerschaftlichen Aktivitäten sind neben dem großen ehrenamtlichen Engagement in unseren Vereinen vor allem die Angebote im Mesnerhaus zusammen mit dem Verein „Miteinander im Mesnerhaus“ zu nennen, die dort außerordentlich gut angenommen werden. Alle Engagierten in den Vereinen leisten wirklich eine tolle ehrenamtliche Arbeit, die man gar nicht hoch genug einschätzen kann. Ganz besonders froh sind wir über die Einstellung unserer neuen Flüchtlings- und Integrationsbeauftragten Tatiana Ayala Cerna, nachdem wir 2016 ja zunächst bei der Förderung noch leer ausgegangen waren.

Richten wir den Blick nach vorne. Was kommt auf die Gemeinde Großes zu?

Das schon erwähnte Baugebiet „Hinterm Dorf III“ in Ahausen wird uns das Jahr über planerisch beschäftigen. Es müssen viele Punkte geklärt werden, beispielsweise wie soll erschlossen werden, oder ob wir nach und nach verkaufen, was auch eine finanzielle Frage sein wird.

Ein weiteres großes Thema wird das „Wohnen im Alter“ sein. Hierbei denke ich, dass wir im Frühjahr bekannt machen können, wie es mit diesem Projekt weitergeht, wenn entsprechende Grunderwerbe getätigt sind. Wir stehen alle in den Startlöchern und die Konzepte sind auch schon in der Schublade. Sicher ein freudiges Ereignis wird die Fahrzeugweihe des neuen Löschfahrzeugs für die Bermatinger Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr sein.

Und darüber hinaus?

Die bauliche Umsetzung der Sportstättenkonzeption und die Umgestaltung im Bereich Bahnhof und Grundschule. Verwaltungsintern wird uns nicht nur in der Kämmerei auch in 2018 die Umstellung auf ein neues Buchführungssystem beschäftigen; das gehört zu den Dingen, die nicht gesehen werden, aber ebenso notwendig – weil rechtlich vorgeschrieben – sind.

In Sachen digitaler Ausbau wird von Seiten der Gemeinde ja schon einiges bewegt, aber wie sieht es denn mit dem mobilen Internet in Bermatingen aus? Von einem flächendeckenden Ausbau der großen Netzanbieter kann nicht die Rede sein.

Wir stehen derzeit mit der Telekom in Kontakt, um den Mobilfunk und LTE-Empfang in Ahausen zu verbessern. Aber das ist in erster Linie ein privater Markt, wo die Mobilfunkanbieter entscheiden, ob, wo und wann sie investieren. Zudem kann man darüber nachdenken, das öffentliche WLAN auszubauen. Hier bietet unser Partner EnBW technische Lösungen dazu an. In Bezug auf das schnelle Internet zu Hause und in den Firmen muss es unser Ziel sein, Breitband in jedem Gebäude zu haben, doch davon sind die Betreiber noch Jahre entfernt. Daher ist das Vectoring der Telekom in Bermatingen zu begrüßen, zumindest als Übergangslösung.

Es gibt Freifunk Bodensee, der eine offene, uneingeschränkte und freie digitale Kommunikation bietet. Jeder kann sich kostenlos über WLAN verbinden, ohne Passwort, ohne Registrierung. Jeder darf Freifunk nutzen und mitmachen, um das Netz zu erweitern. Wäre das etwas für Bermatingen?

Das ist auf jeden Fall eine Sache, die man aufgreifen könnte. Ich kann mir zum Beispiel eine Infoveranstaltung vorstellen, wo Vertreter von Freifunk das Konzept erläutern und sich den Fragen der Interessenten stellen.

Das neue Jahr hat begonnen und die Volksbank ist, wie angekündigt, geschlossen. Leider gibt es nicht mal mehr einen Geldautomaten. Gab es Gespräche?

Wir waren darüber im Gespräch, aber die Signale von Seiten der Volksbank waren eindeutig: Die Schließung der Filiale ist beschlossene Sache, genauso, dass auch kein Geldausgabeautomat installiert wird. Natürlich ist es Sache der Volksbank, zu entscheiden, wie und ob sie ihren Kunden welchen Service anbietet. Aber aus Sicht der Gemeinde und auch persönlich halte ich die Entscheidung für sehr bedauerlich.

Zur baulichen Entwicklung Bermatingens: Zwei Baugebiete kommen noch, aber wie sieht es mittel- und langfristig aus, besonders hinsichtlich Gewerbeentwicklung?

Was die gewerbliche Entwicklung betrifft, sehe ich anhand der gegebenen Rahmenbedingungen kaum Entwicklungsmöglichkeiten. Dem setzen regionale Grünzüge, Überschwemmungsflächen und Naturschutzgebiete Grenzen, das haben wir schon im Rahmen der Flächennutzungsplanungen erkennen müssen.

Anders sieht es im Wohnbaubereich aus, es kommt in Ahausen mit „Hinterm Dorf III“ ein größeres Baugebiet dazu und von privater Seite entsteht an der „Oberen Mühle“ neuer Wohnraum. In Bermatingen haben wir mit der Verlegung des Sportplatzes noch ein kleines Gebiet. Insgesamt ist aber auch wichtig, Balance zu halten. Auf der einen Seite stehen Flächenverbrauch, Landschaft und Natur und auf der anderen Seite steht die Frage, wie wächst die Infrastruktur mit. Besonders die Kinderbetreuung stößt hier mittlerweile an ihre Grenzen. Es ist klar, dass eine Gemeinde auch mitwachsen muss und entsprechend Investitionen getätigt werden müssen. Daher denke ich, dass wir mit den Gebieten in Ahausen und Bermatingen für die nächsten Jahre ausgewogen auf die Bedarfe reagieren können, ohne unsere Infrastruktur zu überfordern. Trotzdem schauen wir beispielsweise schon jetzt auf die Entwicklung beim Kindergarten in Ahausen und werden uns schon Gedanken über den Bedarf für 2019 und darüber hinaus machen müssen.

Sie sind im Oktober wiedergewählt worden und seit vergangenen Freitag offiziell in ihre dritte Amtszeit eingesetzt. Was werden ihre Schwerpunkte für diese kommenden acht Jahre sein?

Neben den oben genannten großen Projekten, die uns auch finanziell herausfordern, stehen die Verkehrsentlastung für Bermatingen, der Breitbandausbau, die Sicherung der Ärzteversorgung und eine Nachfolgenutzung für den Adler ganz oben auf der Prioritätenliste. Sehr wichtig sind mir persönlich aber auch die weichen Faktoren wie das ehrenamtliche Engagement, das gute Miteinander mit den Vereinen sowie eine intakte und lebendige Dorfgemeinschaft. Für all das werde ich mich auch in den kommenden acht Jahren nach Kräften einsetzen.

Fragen: Jan Manuel Hess