Herr Krimmel, 2017 hatten Sie viel zu tun.

Ja, wir hatten neun öffentliche Sitzungen mit 14 Bauanträgen zu behandeln. Da nur wenige Baugrundstücke zur Verfügung stehen, waren es meist Anträge für Maßnahmen an bestehenden Gebäuden. Die sechs gewerblichen Bauanträge weisen darauf hin, dass auch in unserem Dorf die Wirtschaft prosperiert und für Belebung sorgt. Der Schwerpunkt der Arbeit des Ortschaftsrates liegt ja meist auf dem Thema Bauen. Es wurde unter anderem auch in drei Klausuren vertieft.

Wie geht es denn auf dem Areal der Oberen Mühle weiter, auf dem etwa 36 Wohnungen entstehen sollen?

Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan war im März 2016. Seither gab es ein zähes Ringen mit Ämtern, dem Landesdenkmalamt und dem Landwirtschaftsamt. Inzwischen sind alle strittigen Punkte geklärt, der Entwurf für die Bebauung steht. Der Satzungsbeschluss hängt jetzt nur noch an der Umsiedelung von Zauneidechsen. Das wird geschehen, sobald diese nach dem Winter wieder aktiv sind.

Die Bauarbeiten auf dem Gelände der Oberen Mühle in Ahausen können theoretisch im Frühjahr beginnen. Bild: Heß
Die Bauarbeiten auf dem Gelände der Oberen Mühle in Ahausen können theoretisch im Frühjahr beginnen. Bild: Heß | Bild: Jan Manuel Heß

Wann kann dort mit dem Bauen begonnen werden?

Das liegt in der Hand des Vorhabenträgers. Theoretisch im späten Frühjahr nach Satzungsbeschluss. Sobald der Bebauungsplan Rechtskraft erlangt, kann unmittelbar danach mit dem Bauen begonnen werden.

Was haben Sie im Rückblick auf 2017 als Positivstes in Erinnerung?

Dass zwei große Knoten gelöst werden konnten: Der Bebauungsplan im Sinn IV, für den wir viel Vorarbeit geleistet haben. Nach dem Aufstellungsbeschluss im Mai 2015 erfolgte der Satzungsbeschluss im Januar 2017. Er wird uns auch noch auf vielerlei Art beschäftigen. Der zweite Knoten war die neue Wasserspiegellagenberechnung der Aach: Die Ortslage von Ahausen ist nun offiziell kein Überschwemmungsgebiet der Seefelder Aach mehr. Bis dies feststand, waren wir in unserer weiteren Entwicklung behindert. Danach konnten wir den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Hinterm Dorf III“ fassen, das Gelände, auf dem das Ackerkonzert stattfindet und das bis zur Seefelder Aach reicht.

Wie kam es denn jetzt zur Lösung des gordischen Knotens?

Durch ein genaueres Berechnungsverfahren, der sogenannten instationären Wasserspiegellagenberechnung, bei der die Austrittsmengen der Aach mit der Kapazität des Geländeprofils verglichen werden. Der Damm, der vor einigen Jahren geschüttet wurde, reicht im Fall eines Hochwassers aus – das statistisch gesehen einmal in 100 Jahren auftritt -, den Ort vor Überflutungen zu schützen. Somit ist die Gefahr mit hoher Wahrscheinlichkeit gebannt.

Gab es noch etwas Erfreuliches?

Die Verlängerung des Radwegs bis nach Buggensegel in bester Kooperation mit der Nachbargemeinde Salem und den Grundstückseigentümern, die Teilstücke ihrer Grundstücke zur Verfügung stellen. Für uns in Ahausen war das besonders wichtig, weil wir dadurch ans Radwegenetz Richtung Salem mit Bildungszentrum, Schloss und Schlosssee angeschlossen sind. Viele Jugendliche fahren dort mit dem Rad hin. Das ist wirklich viel wert.

Apropos Radweg: Was macht der seit Jahren geplante Radweg Richtung Grasbeuren, einem Feldweg?

Der sollte asphaltiert und damit eine Lücke im Radwegenetz geschlossen werden. Die Beteiligten waren sich einig, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Salem, in deren Gebiet etwa ein Drittel des Weges liegt, war positiv; sie will ihren Teil des Feldweges ebenfalls ausbauen. Die Umsetzung hängt nach wie vor an der Naturschutzbehörde.

Die Strecke von Ahausen nach Grasbeuren wird zum Radweg ausgebaut. Bild: Jan Manuel Heß
Die Strecke von Ahausen nach Grasbeuren wird zum Radweg ausgebaut. Bild: Jan Manuel Heß | Bild: Jan Manuel Heß

Neu ist auch die Gestaltung des Außengeländes am Kindergarten.

Einige Spiel-Einrichtungen sind in die Jahre gekommen, waren nicht mehr zeitgemäß. Auch aus Sicherheitsaspekten musste sich einiges ändern. Nun gibt es einen neuen Rutschenhügel und der langgehegte Wunsch nach einem Wasserspielplatz wurde erfüllt. Derzeit steht noch ein Bauzaun, um den Rasen zu schützen. Der Platz wird erst im Frühjahr freigegeben. Wir sind echt glücklich damit. Auch der „Kindergarten“ hat lange darauf gespart und zur Mitfinanzierung die beliebten Kleiderbasare veranstaltet. Insgesamt ein gelungenes Projekt, das mit Hilfe des Kindergartens, dem Bauhof und ortsansässigen Handwerkern realisiert wurde. Mich freut auch, dass wir den wunderschönen parkartigen Charakter der Außenanlage erhalten konnten, obwohl wir eine Birke herausgenommen haben.

Die ohnehin fällig war, weil sie einst unsachgemäß geschnitten worden war?

Ja. Als Ersatzpflanzung gab es eine Eiche. Vor Jahren wurde auch eine Trauerweide gefällt. Die Kinder hatten sie sehr geliebt. Jetzt haben wir eine neue gepflanzt. Wenn diese Volumen einnimmt, kann man die zweite unsachgemäß beschnittene Birke ebenfalls herausnehmen.

Und was stieß Ihnen 2017 auf?

Die unglückliche Rodung des alten geschützten Streuobstbestandes im Bereich „Sinn IV“. Schlussendlich weiß man nicht, wer die Verantwortlichen sind. Die Bodenseekelterei Widemann hat sehr schnell reagiert und eine Ersatzpflanzung veranlasst. Allerdings ersetzt das den alten ökologischen Baumbestand nicht, beziehungsweise erst nach vielen Jahren.

Ein Dauerthema in Ahausen ist unsere reale Welt im digitalen Zeitalter. Im Gegensatz zu den Versprechen von Politikern und Netzanbietern befinden wir uns weit entfernt von einem funktionierenden Glasfasernetz. Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, sind jedoch abhängig von privaten Anbietern, sowohl was das Glasfaserkabel, als auch den Mobilfunk betrifft. Ich hoffe, wir können in naher Zukunft eine Verbesserung erreichen.

Ortsvorsteher Jakob Krimmel will "seine" Gemeinde behutsam weiterentwickeln. Bild: Christiane Keutner
Ortsvorsteher Jakob Krimmel will "seine" Gemeinde behutsam weiterentwickeln. Bild: Christiane Keutner | Bild: Keutner, Christiane

Was ist mit dem Mühlbach, ein Thema, das Sie im vergangenen Jahr angesprochen hatten.

Das empfinde ich nach wie vor als ein sehr wichtiges Thema, weil der Mühlbach für Ahausen identitätsstiftend ist. Auch hier mahlen die Mühlen leider langsam. Wenn das Areal der Oberen Mühle bebaut wird, ist damit die Offenlegung in diesem Bereich verbunden. Das Wichtigste jedoch ist die Überarbeitung des Einlaufbauwerks, damit sichergestellt ist, dass selbst bei Niedrigwasser in der Seefelder Aach genügend Wasser durch Ahausen fließt. Es gab bereits einige Termine und das wird 2018 sicher auch ein Arbeitsschwerpunkt bleiben.

Wo drückt den Ahauser Bürgern der Schuh?

Die Leute kommen mit völlig unterschiedlichen Anliegen, die zum täglichen Leben des Ortsvorstehers gehören. Ein Anliegen ist jedoch immer präsent, es wird sehr häufig nach Bauland und Wohnraum gefragt.

Sie sind nun dreieinhalb Jahre Ortsvorsteher. Wie ist ihre persönliche Bilanz?

Mittlerweile habe ich mich ganz gut in das Amt eingelebt. Es bereitet mir nach wie vor viel Freude, mich auf diese Weise für Ahausen einsetzen zu können. Für mich war anfangs alles völlig neu und es gibt keinen „Leitfaden Ortsvorsteher“; da musste ich wirklich reinwachsen. Man wird mit jedem Thema reifer.

Ahausen ist als Gemeinde zusehends beliebter. Wie viele Bürger wohnen inzwischen hier?

Wir sind mittlerweile bei knapp 1.200 Einwohnern angelangt. Vor einigen Jahren wurde der 1.000. Bürger – eine Bürgerin – willkommen geheißen.

Derzeit steht im Außengelände des Kindergartens noch ein Bauzaun, um den Rasen zu schützen. Der Platz wird erst im Frühjahr freigegeben. Bild: Jan Manuel Hess
Derzeit steht im Außengelände des Kindergartens noch ein Bauzaun, um den Rasen zu schützen. Der Platz wird erst im Frühjahr freigegeben. Bild: Jan Manuel Hess

Was schätzen Sie an Ahausen?

Ich genieße das Dorf und die Dorfgemeinschaft und setze mich sehr gerne dafür ein. Es ist ein fröhliches, aktives Dorf mit großem bürgerschaftlichen Engagement, bei dem es sich lohnt, Einsatz zu zeigen, es zu formen, zu erhalten und zu fördern. Der Ortschaftsrat und ich werden uns für die weitere Entwicklung der Ortschaft in einem behutsamen Rahmen, einsetzen. Mir ist es ein Anliegen, die dörflich gewachsene Struktur zu erhalten. Das ist ein Spagat: Auf der anderen Seite herrscht ein immenser Baudruck. Wir wollen nicht maßlos wachsen. Deswegen muss man dem Druck ein Stück weit standhalten damit wir uns nicht zu einem reinen Schlafdorf entwickeln.

Was wird Sie und die Bürger im kommenden Jahr noch alles erwarten?

Die Verlegung der Kreisstraße K7760 nach Buggensegel und die Erweiterungen der Firma Widemann werden uns sicherlich noch viel beschäftigen und auch Einiges an Geduld abverlangen. Im Bereich Ökokonto/Ausgleichsmaßnahmen soll Etliches umgesetzt werden. Der Bebauungsplan „Hinterm Dorf III“ steht an entwickelt zu werden. Die Bagger für die Erschließungsarbeiten werden wohl erst in 2019 anrollen, doch die Rahmenbedingungen können wir jetzt schon gestalten. Ich denke, es wird uns nicht langweilig werden.

FRAGEN: CHRISTIANE KEUTNER

Ortsvorsteher Jakob Krimmel will "seine" Gemeinde behutsam weiterentwickeln. Bild: Christiane Keutner
Ortsvorsteher Jakob Krimmel will "seine" Gemeinde behutsam weiterentwickeln. Bild: Christiane Keutner | Bild: Keutner, Christiane

Zur Person

Jakob Krimmel, 46, geboren in Friedrichshafen, aufgewachsen in Ahausen, absolvierte nach dem Abitur am Gymnasium Überlingen eine Schreinerlehre, anschließend ein Architekturstudium an der FH Konstanz. Dem schloss sich eine Ausbildung zum Energieberater an und die zum Sachverständigen im Bauwesen für Schäden an Gebäuden mit Hochschulzertifikat. Zu seinen Hobbies zählt der Cellist Musik sowie Laufen im Wald. Seit 13 Jahren vertritt er als Ortschaftsrat die Interessen der Ahausener, seit 8,5 Jahren als Gemeinderat die Gesamtgemeinde und seit 3,5 Jahren ist er Ortsvorsteher. (keu)