Die Bärenzunft Bermatingen feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen mit einem großen Festwochenende vom 22. bis 24. Februar und möchte mit dem Motto "Bermatingen, wie wunderbar, wir feiern dich wie vor 70 Jahr" an die Fasnet aus der Gründungszeit des Vereins erinnern. Natürlich wurde auch schon vorher eine ursprüngliche Dorffasnet in Bermatingen gefeiert, doch 1949 entschloss man sich, einen Narrenverein zu gründen, um fortan die Veranstaltungen besser organisieren zu können. Mit der Erschaffung der Bären 1964 durch den Künstler Erich Kaiser wurde der Verein zur Bärenzunft. Bis heute hat sich der Narrenfahrplan in seinem Ablauf wenig verändert, wie Zunftmeister Alfons Müller erzählt. "Der Hemdglonker, das Narrenbaumstellen, der Umzug durch das Dorf und auch der bunte Abend oder der Eröffnungsball sind in den frühesten Schriftführerprotokollen zu finden. Das ist einfach gelebte und aufrechterhaltene Tradition."

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Früher mehr Motivwagen bei den Umzügen

Das Motto soll in erster Linie einen Bezug zur Gründung haben, aber die gesamte Zeit von heute bis damals einbeziehen. "Bei der Kostümierung sehen wir das ganz offen, hier darf jeder seiner Fantasie und Kreativität freien Lauf lassen." Beim Studieren der alten Protokollbücher – die ältesten erhaltenen sind von 1964 und 1965 – habe er festgestellt, dass es etwas schlichter zuging als heute. "Tiere waren eher selten, dafür viele Cowboys, Piraten, Indianer und Clowns. Erwachsene trugen oft auch feine Abendkleidung, wie Frack oder ein schickes Kleid mit einem bunten Hut", erzählt Alfons Müller. Aber auch Matrosen, Sanitäter und Polizisten seien auf den Bildern auszumachen. Was im Gegensatz zu heute auffalle: Früher habe es mehr Motivwagen bei den Umzügen gegeben. "Da wurden gerne mal Themen aus dem Lokalen auf die Schippe genommen."

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"Die Fasnet war immer etwas wunderschönes für uns Kinder"

Noch besonders gut daran erinnern kann sich Hildegard Möglich, denn sie ist die Tochter des ersten Zunftmeisters Karl Müller und wurde im Jahr der Gründung geboren. "Die Fasnet war immer etwas wunderschönes für uns Kinder, einfach der Höhepunkt im Jahr." Einen Feiertag stellte für sie – und wahrscheinlich auch alle anderen Kinder im Dorf – das Narrenbaumstellen dar, denn es gab je eine Wurst und Brezel für jeden, der den Narrenbaum zog. "Und da waren wirklich alle Kinder aus dem Dorf dabei, ohne Ausnahme."

Kostüme wurden selbst genäht

Schon damals startete der Schmotzige mit der Abholung der Schulkinder, wie die 70-jährige sich erinnert: "Das hat sich bis heute überhaupt nicht verändert. Nur der Weg beim Narrebaumziehen ist nicht mehr so lang wie früher." Was wohl daran liege, dass es keine Versorgungsstationen in der Bahnhofstraße und Siedlung mehr gebe. "Als die wegfielen, ist der Baum dort nicht mehr vorbeigezogen." Bei den Kostümen erinnert sie sich, ging es vor allem darum, sich warm anzuziehen, denn damals war es während der Fasnet meist richtig kalt. "Hexen und Kobolde waren sehr beliebt, denn da konnte man sich richtig dick einpacken." Aber Cowboy und Indianer mussten auch nicht frieren, denn "da hat man die Kostüme einfach etwas größer genäht". Überhaupt wurden Kostüme früher nicht gekauft, sondern von den Müttern selber genäht, erzählt sie.

Fasnet in der Tradition der vergangenen 70 Jahre

Alfons Müller und sein Elferrat haben vor, die diesjährige Fasnet in die Tradition der vergangenen 70 Jahre zu stellen. Daher wünsche er sich, dass die Leute vor allem närrischen Spaß und einfach eine schöne Fasnet in Bermatingen erleben werden, sagt Müller.

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Das Motto ist eine Herausforderung

"Ich kann das Wochenende kaum erwarten, es wird toll." – Sylvia Wollschläger, Zunftdame
"Ich kann das Wochenende kaum erwarten, es wird toll." – Sylvia Wollschläger, Zunftdame | Bild: Jan Manuel Heß

Kostüme und Häser sind ihr Ding: Sylvia Wollschläger ist seit mehr als 24 Jahren die gute Seele, was die Häser der Bärenzunft angeht. Zusammen mit einer Freundin macht sie sich jedes Jahr Gedanken, wie sie das ausgewählte Motto kostümtechnisch umsetzen. Beim diesjährigen Motto "Bermatingen, wie wunderbar, wir feiern dich wie vor 70 Jahr" will sie sich zeitlich am Ende der 40er bis Anfang der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts orientieren. "Dieses Jahr", gesteht sie ein, "ist das Motto schon eine Herausforderung, denn viele lokale Bildquellen aus der Zeit gibt es nicht." Auf der Suche nach Kostümen aus der Zeit ist sie unter anderem auf ein Bild von zwei Pierrots gestoßen. Dieser Clowntyp – die weibliche Form heißt Pierrette – ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt und stellt einen eher "seriösen" Clown dar, wohingegen der "Dumme August" für allen Unfug zuständig ist. Sylvia Wollschläger geht die Sache närrisch und optimistisch an: "Mal schauen ob und was draus wird. Wir haben ja noch etwas Zeit."

Alte Tanzgarde-Häser passen leider nicht

Robin Homburger (Mitte, vorn) ist im Bermatinger Jungelferrat aktiv.
Robin Homburger (Mitte, vorn) ist im Bermatinger Jungelferrat aktiv. | Bild: Jan Manuel Heß

Robin Homburger und der Jungelferrat der Bärenzunft sind für ihre fantasievollen und ausgefallenen Gruppenkostüme bekannt. Doch bevor es soweit ist, müssen Ideen zum jeweiligen Motto gesammelt und die Machbarkeit besprochen werden – man muss ja darauf achten, dass die Idee auch umsetzbar ist. "Das kann manchmal schon etwas dauern, bis wir dann auch wirklich ein tragfähiges Ergebnis zustande bekommen haben, da wir mitunter bis zu elf Meinungen haben können", erzählt Robin Homburger. Am liebsten hätten sie die originalen Häser der Tanzgarde angezogen, doch leider passen sie ihnen nicht. "Also wird es sehr wahrscheinlich eine fidele Oma- und Opa-Gruppe werden, die aber ordentlich auf Zack sein wird", sagt er.