Immer wieder wird über Einsatz, Ideen und Freude bei der Ferienspielstadt Bärenhausen gestaunt. Rita Oswald hat zwar weder Kind noch Enkel beim dreitägigen Event, besucht die Zeltstadt aber trotzdem regelmäßig und lässt sich die einzelnen Projekte erklären. Sie ist beeindruckt: "Das Engagement der Leiter und des Teams, die sich schon Monate vorher Gedanken machen, wie sie die Kinder beschäftigen können, die Zeit, die sie ehrenamtlich in Planung und Organisation investieren, das ist unglaublich. Das beginnt bei der Materialbeschaffung und endet noch nicht bei der Betreuung. Und dass die Kinder begeistert mitmachen, spürt man auch."

Autsch, das tut weh! Lukas, Felix, Tim und Sven (von links) sind "Opfer" eines Unfalls mit täuschend echt imitierten Wunden geworden und haben sich im Bärenhausener Krankenhaus verarzten lassen.
Autsch, das tut weh! Lukas, Felix, Tim und Sven (von links) sind "Opfer" eines Unfalls mit täuschend echt imitierten Wunden geworden und haben sich im Bärenhausener Krankenhaus verarzten lassen. | Bild: Christiane Keutner

In der Tat: Besonders gut kommt das Krankenhaus an, das seit langem wieder einmal eingerichtet wurde. Hier sind wahre Künstler am Werk: Sie zaubern ihren Möchtegern-Patienten mit roter Farbe und Kleber tiefe, blutige Risswunden, schienen Unterarme und kleben Pflaster. Wie die Behandelten Bärenhausen finden? "Das ist eine gute Beschäftigung, das macht Spaß. Man kann Sachen basteln und kann sie sogar nach Hause mitnehmen", meint Tim, 7 Jahre. "Ja, mit den Bärentatzen, die man verdient", ergänzt Lukas, 8 Jahre. "Das ist wie im richtigen Leben. Man kann sich richtig erwachsen fühlen und kann mit dem Geld von der Bank echt leckere Sandwiches kaufen", sagt Felix, 8 Jahre. Hinzu kommt der Spaß, in die Uniform des Postboten zu schlüpfen und Briefe und Karten zu verteilen oder als Müllmann für Sauberkeit auf dem Platz zu sorgen.

Wo Anna den Durchblick hat, steckt ein Röhrle und der Smiley ist ein gebastelter Deckel, den man auf ein Glas legt, um Insekten fernzuhalten.
Wo Anna den Durchblick hat, steckt ein Röhrle und der Smiley ist ein gebastelter Deckel, den man auf ein Glas legt, um Insekten fernzuhalten. | Bild: Christiane Keutner

Etliche neue Projekte halten die Stadt lebendig. So ist Aileen tief in ihre Arbeit versunken. Die Zehnjährige hat ein großes "A" mit einem Flamingo und mit silbernene Noten beklebt, weil sie mal Flöte gespielt hatte. Künftig wird das Schild ihre Türe schmücken.

Upcycling: In der Nähwerkstatt von Katja Wenzel entsteht Neues aus Altem, wie hier die Werkzeugtasche aus alten Jeans, die Alexia, 10, angepasst wird.
Upcycling: In der Nähwerkstatt von Katja Wenzel entsteht Neues aus Altem, wie hier die Werkzeugtasche aus alten Jeans, die Alexia, 10, angepasst wird. | Bild: Christiane Keutner

Kurzfristig umbenannt haben Sandy Miez und Yasmin Bieser ihre Werkstatt: "Insektenschutzdeckel" zog nicht, aber seit Partydeko auf dem Zelt steht, laufe es ganz gut. Zudem würden Untersetzer aus Perlenmaterial gefertigt; Wildtiere, Blumen und Schmetterlinge sind bevorzugte Motive.

Und jetzt noch ein Gürkchen aufs Auge – fertig ist die Maske. Mia legt letzte Hand an Maelle an.
Und jetzt noch ein Gürkchen aufs Auge – fertig ist die Maske. Mia legt letzte Hand an Maelle an. | Bild: Christiane Keutner

Neu ist auch der Beauty-Palast. Hier werden Fußbäder und Handpeelings angeboten, Gesichtsmasken aus Quark und Gurken aufgetragen, Fuß- und Fingernägel lackiert. Was die elfjährige Marie von ihrer Maske erwartet? "Dass die Haut weicher wird."

Manuel und Niklas bei ihrem Stadtführer-Job auf Zeit. Sie zeigen (weiter von links) Kersti und Bruno Becker sowie Birgit und Timo Welte Bärenhausen.
Manuel und Niklas bei ihrem Stadtführer-Job auf Zeit. Sie zeigen (weiter von links) Kersti und Bruno Becker sowie Birgit und Timo Welte Bärenhausen. | Bild: Christiane Keutner

Die knusprigen Sandwiches werden am liebsten mit Nussaufstrich geordert und Wasserträger sorgen dafür, dass niemand Durst leiden muss. Mittags werden die Kinder vom Landgasthaus Zollerstuben versorgt: Auf der Speisekarte stehen Kinder-Klassiker und stets eine Variante für Vegetarier. Das ganze Spielgeschehen wird von der Radiostation begleitet: Hier wird vom Schlager bis Heavy Metal alles gespielt – die Titel via Tablet ausgesucht und angekündigt. Auch Wünsche können die Bürger äußern.

Zu erste Mal Projektleiterinnen: Lisa Hilpert und Layana Miez.
Zu erste Mal Projektleiterinnen: Lisa Hilpert und Layana Miez. | Bild: Christiane Keutner
Verena Müller und Jasmin Yanik sind sich einig: Bärenhausen bereichert die Ferienzeit ihrer Kinder.
Verena Müller und Jasmin Yanik sind sich einig: Bärenhausen bereichert die Ferienzeit ihrer Kinder. | Bild: Christiane Keutner

Abends wird noch bekanntgegeben, wer Bürgermeister und Stellvertreter wird. Acht Jungen und ein Mädchen haben sich beworben. Ob hier Beliebtheit oder Argumente überzeugen? Mit "Mehr Kohle – das achtfache", wirbt ein Kandidat, ein anderer: "Ich werde helfen, ich werde Streit schlichten."

Zum ersten Mal Projektleiter

Lisa Hilpert und Layana Miez leiten zum ersten Mal ein Projekt in der Ferienspielstadt. Beide kennen Bärenhausen schon von Kindheit an und hatten auch bei den Projekten der Konkret-XL-Gruppe mitgemacht. Nun wollten sie weiter dabei sein – aber auf der anderen Seite. Im Internet sind sie auf die Idee gestoßen, die Kinder zum Bau eines „Mensch ärgere Dich nicht“-Spiels anzuleiten. Korken sind die „Männchen“, mit denen man über die Felder hüpft. „Es kommen viele“, freuen sie sich. Als Kinder mochten sie die Basteleien, „aber jetzt wäre es nichts mehr für uns“, sagt Layana. Ihr gefällt generell der Umgang mit Kindern, „ihnen zu zeigen, wie es geht und wenn sie es dann verstehen, freue ich mich“. Beide Projektleiterinnen wissen schon jetzt: „Nächstes Jahr sind wir wieder dabei!“ (keu)

Mütter finden Aktion großartig

Verena Müller und Jasmin Yanik sind Mütter von Kindern, die sich in der Ferienspielstadt vergnügen und gegenseitig Paten der Töchter. „Das ist ein kleines Dorf, wo die Kinder richtige Aufgaben haben“, freut sich Jasmin Yannik über die sinnvolle Einrichtung. Verena Müllers Tochter Emma bastelt sehr gerne. „Vergangenes Jahr hat sie Bärenhausen schon besichtigt und fand es ganz toll. In diesem Jahr war sie dann alt genug und darf das erste Mal dabei sein.“ Die elfjährige Aleyna Yanik nimmt die Kleine etwas unter ihre Fittiche. Während sich Verena Müller noch um ihren Besuch und den kleinen Sohn kümmern muss, kann Jasmin Yanik die betreuungsfreie Zeit etwas genießen und Dinge erledigen, zu denen sie sonst nicht kommt. Beide fürchten wegen der in diesem Jahr geringen Zahl der Kinder, dass es Bärenhausen einmal nicht mehr geben könnte. (keu)