Überlingen Überlingen bekommt ein Kletterzentrum

Die Mitglieder des DAV stimmen mit einer überwältigen Mehrheit für den Bau einer Kletter- und Boulderhalle bei den Schulen. Das Gebäude soll im Februar 2020 öffnen und wird voraussichtlich 1,7 Millionen Euro kosten. Dass sich die Stadt nicht an der Finanzierung beteiligt, sorgte für viel Unmut unter den Vereinsmitgliedern.

Der Deutsche Alpenverein (DAV) Sektion Überlingen setzt auf Risiko: Mit einer überwältigen Mehrheit von 95 Prozent stimmten die 150 anwesenden Mitglieder bei der außerordentlichen Vereinsversammlung am Donnerstagabend für den Bau eines Vereins- und Kletterzentrums bei den Schulen – sehr zur Freude von Klaus Haberstoh: "Es ist schön, dass wir so ein klares Ergebnis haben und soviel Rückhalt erfahren", sagte der Sektionsvorsitzende, der gemeinsam mit seinem Vorstandsteam eine professionelle Präsentation vorbereitet hatte, um die Mitglieder umfassend über die Chancen und Risiken des Großprojekts zu informieren.

Angesichts der kalkulierten Baukosten von 1,7 Millionen Euro sei eine derart große Zustimmung nicht unbedingt zu erwarten gewesen. "Als Bergsteiger ist man es gewohnt, auch kurz vor dem Gipfel abzubrechen, wenn das Risiko zu groß wird", hatte Haberstroh bereits im Vorfeld der Abstimmung sein Verständnis für diejenigen geäußert, die nicht für den teuren Hallenbau stimmen wollen. Er zeigte aber auch klar auf, dass das neue Vereins- und Kletterzentrum aus seiner Sicht deutlich mehr Chancen als Risiken bringe. Unter anderem sei die Halle enorm wichtig, um neue, und vor allem jugendliche Mitglieder zu gewinnen. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass wir überaltern", sagte Haberstroh. Auch als Treffpunkt für die Mitglieder sei das Zentrum sehr wichtig.

"Überhang" haben die Planer das Gebäude in Industriebauweise genannt und greifen so auch die Architektur der Halle auf. Nicht nur im Inneren wird es Klettermöglichkeiten geben, auch im Außenbereich ist eine Kletterwand geplant. Bild: DAV
"Überhang" haben die Planer das Gebäude in Industriebauweise genannt und greifen so auch die Architektur der Halle auf. Nicht nur im Inneren wird es Klettermöglichkeiten geben, auch im Außenbereich ist eine Kletterwand geplant. Bild: DAV

"Überhang" haben die Planer das Bauwerk genannt, mit dessen Bau nun im Februar 2019 begonnen werden soll. Das Vereins- und Kletterzentrum soll abschließen zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten bieten. So sind neben zahlreichen Kletter- und Boulderwänden im Innen- und Außenbereich auch ein Bistro, ein Aufenthalts- und Vortragsraum sowie ein Büro für die Geschäftsstelle vorgesehen. Läuft alles nach Plan, soll die neue Halle im Februar 2020 eröffnet werden.

So groß die Freude über die Entscheidung und die Vorfreude auf die neue Kletter- und Boulderhalle auch waren, so sehr machte sich bei vielen der anwesenden Mitglieder Enttäuschung über die Haltung der Stadt und des Gemeinderats breit. Diese blieben wie schon im Vorfeld angekündigt bei ihrer Aussage, keinen finanziellen Zuschuss zum Bau der Halle zu wollen. Bereits in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend hatten die anderen Fraktion den Antrag von Stadtrat Roland Biniossek (Linke), einen Zuschuss von 300 000 Euro zur Kletterhalle in den Haushalsplan aufzunehmen, einstimmig abgelehnt.

Den Vorwurf, dass die Stadt den Kletterhallenbau nicht unterstütze, wollte Oberbürgermeister Jan Zeitler, der gemeinsam mit Raphael Wiedemer-Steidinger, verantwortlich für die Vereinsförderung, an der Veranstaltung teilnahm, so aber nicht stehen lassen. Als Hilfe der Stadt zählte er die Übernahme der bisher angefallenen Planungskosten sowie die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur (Parkplätze und Außenanlagen) auf, die nach dem Bau des Schulcampus auch den Besuchern der Kletterhalle zur Verfügung stehe. Außerdem wurde Zeitler nicht müde, zu betonen, das die Stadt dem DAV ein Grundstück in exponierter Lage zu einem niedrigen Erbpachtzins von 4 Prozent anbiete.

150 DAV-Mitglieder sind zur außerordentlichen Mitgliederversammlung gekommen, um über den Bau der Kletterhalle abzustimmen. Auch OB Jan Zeitler und Raphael Wiedemer-Steidinger, selbst DAV-Mitglied, waren anwesend.
150 DAV-Mitglieder sind zur außerordentlichen Mitgliederversammlung gekommen, um über den Bau der Kletterhalle abzustimmen. Auch OB Jan Zeitler und Raphael Wiedemer-Steidinger, selbst DAV-Mitglied, waren anwesend. | Bild: Martin Deck

Das entspricht rund 9000 Euro, die der DAV jährlich an die Stadt überweisen muss. "Ich denke, dass das ein sehr gutes Angebot ist." Für die mehrfache Wiederholung dieser Aussagen musste er jedoch auch spöttisches Raunen hinnehmen.

Trotz zahlreichen Nachfragen, ob sich die Stadt angesichts des Mehrwerts, der durch den Bau der Halle entstehe, nicht doch dazu durchringen könne, sich an den Kosten zu beteiligen oder dem DAV in sonstiger Weise entgegenzukommen, blieb der Oberbürgermeister hart. Immer wieder verwies Zeitler darauf, dass die Kletterhalle eine sogenannte Freiwilligkeitsleistung sei, die man angesichts des sich auferlegten Sparprogramms nicht finanzieren könne – anders als etwa die benachbarte Turnhalle, die zu den Pflichtaufgaben der Stadt zähle: "Klettern ist kein Bestandteil des Lehrplans und damit nicht unter die Pflichtaufgaben zu subsumieren", erklärte der OB. Ein Finanzierungszuschuss sei also eine Vereinsförderung, die er nicht verantworten könne: "Wie soll ich mit den über 200 anderen Vereinen umgehen, wenn ich diesen Präzedenzfall schaffe?"

Dies wollte Klaus Haberstroh so nicht hinnehmen: "Es ist ein Unterschied, ob ein Verein für sich etwas Exklusives baut, oder ob er er etwas schafft, das von allen genutzt werden kann und der Stadt einen Mehrwert bringt." Zudem machte er der Stadt zum Vorwurf, dass nur aufgrund von deren Planungsfehlern bei der Entwicklung des Schulcampus die ursprünglich angedachten Synergien (Tiefgarage, gemeinsames Treppenhaus, Heizanlage) weggefallen und die Kosten für den Bau der Kletterhalle dadurch angestiegen seien.

OB Jan Zeitler im Gespräch mit dem DAV-Vorsitzenden Klaus Haberstroh bei einer Sondersitzung, in der sich die DAV-Mitglieder für den Bau einer Kletterhalle entschieden – auch wenn Zeitler dafür keinen direkten Zuschuss der Stadt gewährt. Bild: Martin Deck
OB Jan Zeitler im Gespräch mit dem DAV-Vorsitzenden Klaus Haberstroh bei einer Sondersitzung, in der sich die DAV-Mitglieder für den Bau einer Kletterhalle entschieden – auch wenn Zeitler dafür keinen direkten Zuschuss der Stadt gewährt. Bild: Martin Deck | Bild: Martin Deck

Dementsprechend enttäuscht zeigte sich der DAV-Vorsitzende nach der Versammlung. Zwar habe er nicht erwartet, dass der Oberbürgermeister mit einer Finanzierungszusage komme, die stark abweisende Haltung habe ihn aber dennoch überrascht. "Ich hoffe, dass wir im Laufe des Projekts doch noch eine Möglichkeit finden, wie wir den einen oder anderen Euro sparen können", sagte Haberstroh in Richtung der Vertreter der Stadt.

Dem erteilte OB Zeitler aber direkt eine Absage: "Die Stadt hat sich positioniert", sagte er nach der Bekanntgabe des Ergebnisses gegenüber dem SÜDKURIER. Ganz so deutlich sahen das seine Stadträte nicht. So äußerten sich Lothar Fritz und Günter Hornstein (beide CDU) sowie Ulf Janicke und Walter Sorms (LBU/Grüne) im Gespräch mit dem SÜDKURIER durchaus wohlwollend, was eine künftige Unterstützung des DAV beim Bau der Halle betrifft. "Es war wichtig, dass der DAV den ersten Pfahl einschlägt", sagte Ulf Janicke. "Jetzt müssen wir versuchen, den richtigen Hebel zu finden."

 

Finanzierung und Preise

  • Das Vereins- und Kletterzentrum wird nach derzeitigem Stand rund 1,7 Millionen Euro kosten. Hierfür bringt die DAV-Sektion Überlingen 300 000 Euro Eigenkapital mit. Zudem wird es eine Förderung durch den Dachverband mit 250 000 Euro und vom Badischen Sportbund mit kalkulierten 200 000 Euro geben. Der Verein ist bereit, 800 000 Euro als Darlehen zu finanzieren – um die 1,7 Millionen zu erreichen, fehlen also noch rund 200 000 Euro.
  • Um diese Finanzierungslücke zu stopfen, hofft der DAV auf Sponsoren und Spender. Hierzu hat die Sektion eine Crowdfunding-Aktion gestartet, bei der kleine Gegenleistungen für den Spendenbetrag angeboten werden. Für 10 Euro wird etwa einer der Griffe nach dem Spender benannt, für 150 Euro gibt es zwei Übernachtungen auf der DAV-Hütte in Au. Die Spendenaktion finden Sie im Internet unter: www.startnext.com/ueberhang
  • Die Eintrittspreise sind Teil des Finanzierungsplans, da die Abzahlung des Kredites sowie der Betrieb der Kletter- und Boulderhalle ausschließlich über die Einnahmen in der Halle (Eintritt, Bistro, Schulnutzung) finanziert werden soll. Ein erster, noch zu beratender Entwurf sieht folgende Preise vor: Erwachsene DAV-Mitglieder werden um die 10 Euro (ermäßigt 7,50 Euro) zahlen, während der Eintritt für Nicht-Mitglieder 13 Euro (ermäßigt 10 Euro) kostet. Kinder mit DAV-Ausweis zahlen um die 5 Euro, Kinder ohne Mitgliedschaft 7,50 Euro. Bei den Jahreskarten wird mit 280 Euro (ermäßigt 200 Euro) für Mitglieder, sowie 360 Euro (ermäßigt 280 Euro) für Nicht-Mitglieder kalkuliert, sodass sich ein Beitritt in den DAV trotz Jahresbeitrag auch finanziell anbietet. Geplant sind zudem Rabattkarten, bei denen elf Eintritte zum Preis von zehn angeboten werden. (mde)

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