Überlingen Turmalin-Ausstellung auf dem Andreashof bei Deisendorf

Eine außergewöhnliche Sammlung von Michael Benner zeigt faszinierende Mineralien: Erst Licht lässt die Kristalle leuchten

Ganz unscheinbar und schwarz wirkt der Kristall bisweilen von außen. Doch beleuchtet man ihn von hinten, tut sich ein wahres Feuerwerk von Farben auf. Turmaline sind ebenso komplexe wie faszinierende Mineralien, die ihr Geheimnis nicht so leicht preisgeben. Mit dünnen und präzise in der richtigen Ebene geführten Schnitten enthüllen sie nicht nur leuchtende Farben und bemerkenswerte geometrische Strukturen, eine komplette Serie dieser Durchsichten macht das Innenleben und die Entstehung eines Turmalin-Kristalls nachvollziehbar.

Beeindruckend zu sehen ist dies derzeit bei der Ausstellung auf dem Andreashof bei Deisendorf, mit der der Berliner Michael Benner zugleich die schönsten Bestandteile seiner Sammlung zeigt, die zu den außergewöhnlichsten dieser Art gehört. Organisiert hat sie der Überlinger Waldorflehrer Wilko Braa, der schon vor neun Jahren die Ausstellung des Experten Dieter Decker in der Schule und vor drei Jahren eine erste Turmalin-Schau auf dem Andreashof präsentiert hatte. „Die absolute Fangemeinde der Turmalin-Verrückten ist relativ klein“, sagt der jetzige Aussteller Michael Benner: „Das sind insgesamt vielleicht 30 bis 40 Leute.“ Man kennt die Sammler, man kennt auch die Quellen, wo die Raritäten ab und zu bekommen sind. „Bisweilen kommt ein Anruf aus Idar-Stein“, sagt Benner. Dann müsse man hinfahren und das Objekt in Augenschein nehmen. Die Entstehungsgeschichte jedes Turmalins und damit auch dessen Struktur ist so speziell und einzigartig, dass die Herkunft eines Schnittes für Experten oft schnell zuzuordnen ist.

„Mehr als 90 Prozent der Turmaline stammen aus Madagaskar“, sagt Michael Benner: „Dort müssen zu einer bestimmten Zeit einmal besondere Bedingungen geherrscht haben, die es sonst nirgends gab.“ Mehr als diese vage Erklärung bekommt Benner auch von den Spezialisten unter den Mineralogen nicht. „Es sind kleine Höhlen im Granitgestein, so genannte Pockets, in denen die Turmaline quasi gewachsen sind“, sagt Wilko Braa. Man muss dies wissen, denn von außen ist den dunklen Gesteinsknollen das feingliedrige farbige Innenleben für Laien in keiner Weise anzusehen. Manche hat es auch in Flüsse gespült und sie wurden dort schon deformiert oder „abgerollt“, wie Michael Benner sagt. Zwischen normalen Kieseln am Fluss- oder Meeresufer würde dies niemand vermuten. Erwischt hatte es den Berliner bei einer großen Ausstellung in München vor 30 Jahren, als er erstmals die faszinierenden Mineralien zu Gesicht bekommen hatte.

Seitdem haben sie ihn nicht mehr losgelassen. Aus seiner großen Sammlung hat er ein so genanntes „Turmalin-Zimmer“ gefertig, mit rund zwei Meter hohen Wandelementen, in die transparente Fenster mit den Dünnschnitten der Mineralien eingelassen sind. Bisweilen sind die Schnitte, die mit speziellen Diamantsägen gefertigt werden, wenige Millimeter dick, bisweilen nur einen halben Millimeter. Deshalb werden sie zur Sicherheit auf Glasplatten fixiert. Für die verschiedenen Farben sind die Spuren von Metallen verantwortlich.

In Madagaskar war Benner selbst noch gar nie. „Das entlastet mich von der ethischen Fragen, wieviel man für so einen Fund bezahlen muss“, sagt er. Stattdessen unterstützt er das Projekt „Zaza Faly“ für Straßenkinder auf der armen afrikanischen Insel, das in Werkstätten verschiedene Ausbildungen ermöglicht.

Im Märkischen Viertel betreibt er seit fast 20 Jahren die Schülerfirma „Steinbrücke“ als GbR, die mit Mineralien und Edelsteinen handelt und damit in diesem Zeitraum schon rund 100 000 Euro erwirtschaftet hat. Ein großer Teil davon ging auch an das Straßenkinderprojekt in Madagaskar.


Die Ausstellung

Die Ausstellung ist bis 10. Januar auf dem Andreashof bei Deisendorf täglich von

11 bis 17 Uhr zu sehen. Führungen gibt es samstags, sonntags und feiertags jeweils um 12 und um 15 Uhr. Eine Lesung mit Musik findet am 6. Januar um 17 Uhr statt. Turmaline zählen zu den perfektesten Edelsteinen. Kein anderer Kristall zeigt eine solche Vielfalt an Farben und einen so komplexen Formenaufbau. Über Jahrmillionen hinweg sind sie in Hohlräumen von Granitgesteinen entstanden. Die größten und schönsten Beispiele stammen aus Madagaskar.

Erst 1908 wurden sie von Alfred Lacroix und Pierre Termier erstmals aufgesägt und enthüllten ihre Zonierung von geometrisch angeordneten Farbschichten, die auf unterschiedlichen Metalleinschlüssen in einem Grundgerüst aus Borsilikaten beruhen. Eisen, Mangan, Vanadium, Chrom, Kupfer und Lithium sind dabei nur die wichtigsten. (hpw)

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