Überlingen So will die CDU-Fraktion das historische Überlingen sichtbar machen

Die CDU-Fraktion will mit einem Antrag im Gemeinderat die historischen Stadttore wieder aufleben lassen. Die entsprechenden Grundrisse sollen durch den Kontrast zwischen grauer und schwarzer Pflasterung visualisiert werden. Der Antrag umfasst außerdem noch zwei weitere Projekte.

Jörg Bohm hat eine Vision: Er möchte die Überlinger Stadtgeschichte sichtbarer machen. In der vergangenen Gemeinderatssitzung brachte er im Namen der CDU-Fraktion deshalb einen entsprechenden Antrag ein. „Die Stadt bietet so viel Kapital, man muss es bloß freilegen“, sagt Bohm, der sich dabei selbst am liebsten gar nicht erwähnt wissen möchte. Ihm gehe es um die Sache, nicht um seine eigene Person. Deswegen bittet Bohm auch darum, auf eine große Abbildung von ihm zu verzichten.

Vor 100 Jahren wurde an der Halde unterhalb des Museums noch Wein angebaut. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1913. Bild: Archiv Jörg Bohm
Vor 100 Jahren wurde an der Halde unterhalb des Museums noch Wein angebaut. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1913. Bild: Archiv Jörg Bohm | Bild: Jörg Bohm

Dennoch fußt der Antrag auf seiner Idee. „Ich habe etwas Zeit benötigt, um mich mit der Arbeitsweise im Gemeinderat vertraut zu machen“, gesteht der gebürtige Überlinger, der vor gut einem Jahr für Andreas Wissmann in den Gemeinderat nachgerückt ist. "Ich habe als Stadtrat die Möglichkeit mit der Fraktion Anträge einzubringen, dann kann ich diese auch nutzen, wenn ich etwas für sinnvoll erachte." Gleichwohl räumt er der Umsetzung des gewünschten Projekts einen Zeitraum von fünf Jahren ein. Im Hinblick auf die anstehenden Vorhaben im Zusammenhang mit der Landesgartenschau und dem Stadtjubiläum sei diese Zeitspanne angemessen. Der Antragsteller möchte damit aber auch seiner Befürchtung entgegenwirken, "dass nach den Großveranstaltungen erst mal nichts mehr für das Stadtbild getan wird".

Hier soll ein Weinlehrpfad entstehen: Die Museumshalde stellt heute nur noch einen kleinen Teil des Bereichs dar, der einst das wohl größte Rebwerk am Bodensee war. Bild: Christoph Heuser
Hier soll ein Weinlehrpfad entstehen: Die Museumshalde stellt heute nur noch einen kleinen Teil des Bereichs dar, der einst das wohl größte Rebwerk am Bodensee war. Bild: Christoph Heuser | Bild: Heuser, Christoph

Vor zehn Jahren hat Bohm den Platz und Neustadtbrunnen vor seinem Büro im Gunzoweg für den Verschönerungsverein Überlingen (VVÜ) umgestaltet. Doch auch darüber möchte der Kommunalpolitiker nicht viele Worte verlieren. Nur so viel: „Wenn jeder den Bereich vor seiner Türe schön gestaltet, wäre doch allen geholfen.“

Daran stört sich Jörg Bohm besonders: Die Aufmachung des Chantillyplatz am Mantelhafen sei beliebig und erinnere in keinster Weise an das Hölltor, welches im Mittelalter den östlichen Stadtzugang darstellte. Bild: Christoph Heuser
Daran stört sich Jörg Bohm besonders: Die Aufmachung des Chantillyplatz am Mantelhafen sei beliebig und erinnere in keinster Weise an das Hölltor, welches im Mittelalter den östlichen Stadtzugang darstellte. | Bild: Heuser, Christoph

Sein Antrag ist eine Reaktion auf die durch fortschreitende Bebauung immer mehr verwischten Grenzen zur historischen Stadt. Der Antrag ist betitelt als einer „für Gestaltungsvorhaben zur Stadtgeschichte“. Er umfasst insgesamt drei Punkte.

  1. Während Jörg Bohm von seiner Intention erzählt, hat er auf einem Schreibtisch in seinem Architekturbüro den Merianstich, Abdruck eines historischen Kupferstichs, vor sich liegen. „Dieser zeigt eindeutig, wo sich die Stadtgrenzen befunden haben.“ Durch die Skizze wird deutlich, von welchem Ausmaß der historische Stadtgraben und die Stadtmauern mitsamt den Toren waren. „Eine Anlage, die laut manchem Historiker in Mitteleuropa einzigartig war“, betont Bohm. Also etwas, auf das die Stadt stolz sein könne. Und etwas, das die Stadt nutzen müsse, um weiterhin attraktiv zu bleiben. Zunächst soll es dabei um drei Bereiche gehen: Das Hölltor als östlichen Stadtzugang, das Grundtor und Christophtor als westlichen und das Obertor im Norden. Gerade die zur Zeit beliebige Aufmachung des Chantillyplatzes, dort wo früher das Hölltor stand, stört Jörg Bohm enorm. Im Moment erinnere nichts daran, dass sich dort einmal ein Stadtzugang befand. Die besagten Stellen sollen mit grauem Granitpflaster ausgelegt und darauf Grundrisse der Stadttore durch schwarze Basaltpflastereinlagen abgebildet werden. Später sollte dies auch bei allen weiteren abgegangenen Toren, wie dem Wiestor, realisiert werden.

  2. Des Weiteren möchte Bohm die aktuell brach liegende Museumshalde aufwerten. Ihm schwebt vor, dort einen Weinlehrpfad anzulegen. Seit dem Mittelalter machte der Verkauf des Rebensafts einen großen Teil der Handelserlöse aus und verhalf Überlingen zu sprudelnden Kassen. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts wurden jährlich 2,5 Millionen Liter Wein produziert. Von den damals 268 Hektar Anbaufläche, dem damit wohl größten Rebwerk am Bodensee, sind heute nur noch 25 Hektar zu sehen. Die bereits bestehende Ausstellung im städtischen Museum, mit dem riesigen Torkel aus dem Jahr 1697, soll durch den Weinlehrpfad sinnvoll ergänzt werden.

  3. Die dritte Forderung bezieht sich auf die Schanze beim St.-Johann-Turm. Im 30-jährigen Krieg war sie ein strategisch bedeutungsvoller Verteidigungsposten. Mit dort aufgestellten Kanonen wurden von Osten kommende Feinde bekämpft, aber auch im Süden, in Richtung Mantelhaften, ungebetene Gäste vom Leib gehalten. Mit einfachen Mitteln soll dort ein beeindruckender Aussichtpunkt entstehen.

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