Überlingen Salemer Musikdienst veranstaltet Benefizkonzert für "Jugend rettet"

Der Musikdienst der Schule Schloss Salem und des Salem Kolleg spielte ein Benefizkonzert für die Nichtregierungsorganisation "Jugend rettet", deren Schiff von italienischen Behörden beschlagnahmt wurde

Jakob Schoen, ehemaliger Schüler der Schule Schloss Salem, fasste mit 19 Jahren den Beschluss, Menschen in Seenot vor dem Tod zu retten. Schreckliche Fernsehbilder von ertrunkenen Flüchtlingen auf dem Mittelmeer, bewegten ihn dazu, die Nichtregierungsorganisation "Jugend rettet" zu gründen. Sie schützt seitdem in Seenot geratene Flüchtlinge auf dem Mittelmeer vor dem Ertrinken. Jetzt unterstützte seine ehemalige Schule im Salem College mit einem Benefizkonzert die Organisation.

Den Rahmen der Veranstaltung nutze "Jugend rettet", seine Arbeit und Ziele vorzustellen. Helena Uthoff und David Damin, zwei Schüler der Oberstufe, gehören aktuell zu den 78 Botschaftern der Organisation, die in der Öffentlichkeit für "Jugend rettet" werben. Sie nehmen etwa an Diskussionen teil, organisieren Vorträge und Spendenveranstaltungen. "Wir möchten nicht mehr nur dabei zusehen, wie Menschen, die vor Gewalt und Verfolgung fliehen, auf dem Mittelmeer hilflos ertrinken", sagte Helena Uthoff.

Allerdings kann "Jugend rettet" derzeit nicht aufs Mittelmeer hinaus fahren und nach in Seenot geratene Menschen suchen. Ihr Rettungsschiff "Iuventa" wurde von den italienischen Behörden präventiv beschlagnahmt. Der Vorwurf: Beihilfe zur illegalen Migration. Laut Julian Pahlke, Pressesprecher von "Jugend rettet", wird seinem Verein unter anderem vorgeworfen, mit den illegalen Schlepperbanden mehrmals kommuniziert zu haben. Seit 1. August 2017 steht das durch Spendengelder finanzierte Schiff im Hafen von Trapani auf Sizilien.

Julian Pahlke wies beim Benefizkonzert im Salem College die Vorwürfe entschieden zurück und erklärte, dass "Jugend rettet" an keinen illegalen Handlungen beteiligt gewesen sei. Oft seien hunderte Menschen in einer kleinen Nussschale zusammengepfercht. Die Gefahr, dass das Boot kentere sei riesig. Dass die Crew mit den Schleppern kommuniziere, sei laut Pahlke "vollkommen absurd". Sein Vorwurf: "Die italienische Staatsanwaltschaft versucht durch unhaltbare Argumente den Verein nach und nach zu zermürben." Die Crew könne gegenwärtig nicht viel ausrichten. "Wir gehen deshalb verstärkt in die Öffentlichkeit und wollen mit unserem Anwalt aus Italien so schnell wie möglich weiterkommen. Zur Not landet der Fall halt vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg und wird dort entschieden", erklärte der Pressesprecher.

Bernd Westermeyer, Gesamtleiter und Geschäftsführer der Schule Schloss Salem, zeigte sich von der Hilfsbereitschaft der jungen Menschen begeistert: "Ich bin stolz darauf, dass sie sich in der Verantwortung sehen zu helfen. Nur weil wir weit weg sind und die Menschen ein paar tausend Kilometer entfernt ertrinken, sollte man keinesfalls wegschauen", sagte Westermeyer. Für ihn gebe es in der Debatte zwei entscheidende Ebenen: "Einerseits können wir Europäer stolz darauf sein, dass wir uns in der Pflicht sehen zu helfen. Auf der anderen Seite sind wir uns alle darüber im klaren, nicht alle aufnehmen zu können." Völlig falsch sei jedoch diejenigen zu bestrafen, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen. Genau das passiere gegenwärtig bei "Jugend rettet".

Das Konzert wurde vom Musikdienst der Schule Schloss Salem und des Salem Kolleg getragen. Auf dem Programm standen etwa Stücke von Johann Sebastian Bach, Thelonius Monk und Frederic Chopin. Auch der Hit von Carlos Santana "Black Magic Woman", wurde mit Lehrerunterstützung vorgetragen.

Zum Rettungsschiff

Die Iuventa ist 33 Meter lang. Sie wurde ursprünglich als Fischereifahrzeug für die rauen Bedingungen der Nordsee konzipiert. An Deck können bis zu 220 gerettete Personen untergebracht werden. Zudem können Planen angebracht werden, die den Menschen Schutz vor Sonne, Wind und Regen bieten. Die Iuventa verfügt über zwei Rettungsboote, die mit einem Kran zu Wasser gelassen werden können, um die in Seenot geratenen Menschen zu bergen. Der Schiffsname geht auf das lateinische Iuventas zurück, die Göttin der männlichen Jugend bei den Römern.

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