Überlingen Rekord: Finanzamt verbucht erstmals über 500 Millionen Euro Steuern

Überlingens Finanzamtschefin Anette Schmermund stellt die Steuer-Entwicklung der letzten Jahre dar. Ein Blick in die Statistik zeigt: In den letzten Jahren stiegen die Steuereinnahmen kontinuierlich an. 2017 waren es über eine halbe Milliarde Euro. Unterdessen schreiten auch in der Finanzbehörde Digitalisierung und Automatisierung bei Bearbeitung der Steuererklärung voran. Berge von Belegen wollen die Finanzbeamten unaufgefordert gar nicht mehr sehen.

Mehr als eine halbe Milliarde Euro flossen im vergangenen Jahr zumindest elektronisch durch die Kassen des Finanzamts Überlingen – Rekord. Nach kontinuierlichen Anstiegen in den vorausgegangenen Jahren nahm die Behörde mit 517,78 Millionen im Jahr 2017 damit zugleich eine magische Schwelle, wie Anette Schmermund, seit 2012 Vorsteherin des Finanzamts, in einem Pressegespräch deutlich machte. Zum einen sei dies vor allem der positiven wirtschaftlichen Entwicklung geschuldet, zum anderen teilweise auch dem Zuzug wohlhabender Einwohner, darunter vieler reicher Pensionäre in die Region.

Über das Finanzamt Überlingen laufen neben der Einkommen- und Lohnsteuer unter anderem Umsatzsteuer, Körperschaftssteuer und Grunderwerbssteuer. Das Gesamtvolumen – ohne Kirchensteuer – ist von 390,23 Millionen Euro im Jahr 2013 über 421,85 Millionen (2014), 447,93 Millionen (2015) und 498,99 Millionen Euro (2016) erstmals über 500 Millionen Euro gestiegen. In dieser Summe finden sich die Steuerbürger mit erstem Wohnsitz und die Betriebe des westlichen Bodenseekreises wieder. Ein Indiz für die zunehmende finanzielle Prosperität der rund 94 000 Einwohner, für die die Überlinger Behörde zuständig ist, zeigt sich bei der Gegenüberstellung von Einkommensteuer und Lohnsteueraufkommen im Verlauf der letzten Jahre. Mit rund 138 Millionen Euro machte die Lohnsteuer 2013 noch nahezu doppelt so viel aus wie die Einkommensteuer (76,6 Millionen Euro). Im vergangenen Jahr standen einem Lohnsteuervolumen von 163,4 Mio. Euro schon 126,6 Mio. Euro an Einkommensteuer gegenüber. Im Landesdurchschnitt machte die Einkommensteuer in den zurückliegenden Jahren nur rund ein Drittel der Lohnsteuer aus.

"Über einzelne Städte oder Gemeinden haben wir keinerlei separate Statistiken", erklärt Anette Schmermund, "das interessiert uns auch gar nicht." Zudem hat die Kommune selbst auch keinen direkten Vorteil von höheren Einkommensteuerzahlungen ihrer Bürger. Das Aufkommen des Finanzamts fließt zu 50 Prozent an den Bund und zu 50 Prozent an das Land. Der Einkommensteueranteil, den die Stadt vom Land wieder überwiesen bekommt, hängt indessen lediglich von der Kopfzahl der Einwohner ab. Allerdings nur von jenen, die ihren Erstwohnsitz hier haben. Von ihrem Büro sieht die Vorsteherin des Finanzamts Überlingen über die Seestraße hinweg nicht nur auf das Wasser, sondern auch auf die Yachtvillen. "Hier sind meistens die Rollläden unten, allenfalls der Gärtner pflegt regelmäßig die Anlage", kann Schmermund praktisch vom Schreibtisch aus beobachten. Doch für diese eher sporadischen Mitbewohner habe Überlingen ja in den 1970er Jahren die Zweitwohnungssteuer quasi erfunden.

Anders ist es bei der Gewerbesteuer: Hier ermittelt das Finanzamt aus dem Ertrag eines Unternehmens den Gewerbesteuermessbetrag (3,5 Prozent des Ertrags), auf den die Kommune ihren individuellen Hebesatz anwendet und die Gewerbesteuer selbst erhebt. Ausdruck der wirtschaftlichen Entwicklung ist auch der Anstieg der Umsatzsteuer, die an das Finanzamt geht, und binnen vier Jahren von 91,5 Millionen auf 154,1 Millionen Euro im Vorjahr gestiegen ist.

"Ein wichtiges Ziel ist es, die Bearbeitungsprozesse zu vereinfachen und nach Möglichkeit zu automatisieren", erklärt Anette Schmermund. Etwas mehr als die Hälfte der Lohnsteuerpflichtigen gebe inzwischen die Erklärung elektronisch ab, sagt sie. Dass die Formulare noch etwas mehr Freunde haben als bei manchen Kollegen, führt sie auf den hohen Altersdurchschnitt der Kunden zurück. "Manche sind noch sehr vorsichtig", beobachtet die Finanzamtschefin und macht bisweilen ganz spezielle Erfahrungen. Eine ältere Dame habe vor kurzem dezidiert darauf bestanden, eine schriftliche Abgabebestätigung für ihre Steuererklärung zu bekommen. "Ich habe ihr gesagt, das sei nicht notwendig, sie brauche sich keine Sorgen zu machen", erzählt Anette Schmermund: "Doch die Frau ließ nicht locker."

Nicht nur die Abgabe der Erklärung erfolgt mehr und mehr digital, auch die Bearbeitung und Beurteilung der Angaben soll mehr und mehr vom Computer übernommen werden. "Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Standardfälle gar nicht mehr persönlich bearbeitet werden müssen." Mittlerweile gleiche Verarbeitungssoftware die Zahlen mit den Vorjahren und damit dem Erwartungshorizont ab. Ist alles im Rahmen, läuft die Prüfung vollautomatisch durch. "Nur bei Ungereimtheiten meldet sich das Programm und mahnt eine Überprüfung an", sagt Schmermund. "Wenn jemand 50 000 Euro brutto verdient und eine Spende von 10 000 Euro angibt, fragen wir nach, ob vielleicht eine Null zu viel reingerutscht ist." Auch Berge von Belegen, Quittungen und Rechnungen wollen die Finanzbeamten gar nicht mehr sehen. "Belege fordern wir nur noch bei Bedarf an," sagt die Chefin.

Elektronische Steuererklärung: Belege nur noch auf Anforderung

  • Das Finanzamt: Insgesamt beschäftigt das Finanzamt 130 Mitarbeiter bei rund 110 Vollzeitstellen. „Wir sind um eine frühzeitige Vereinbarkeit von Familie und Beruf bemüht“, sagt Schmermund. „Deshalb bieten wir teilweise sogar 25-Prozent-Stellen an.“ Insbesondere für Frauen sei dies wichtig, um schnell wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren zu können und auf dem Laufenden zu bleiben. „Wenn heute jemand 15 Jahre raus ist, müsste man quasi mit der Ausbildung noch einmal beginnen“, erklärt die Chefin des Überlinger Finanzamts. In diesem Sinne ist die Behörde auch dabei, die Telearbeitsplätze zuhause weiter auszubauen.

  • Digitalisierung: Man muss beim Stichwort „Elster“ nicht gleich an einen diebischen Vogel denken, die Abkürzung steht für die Elektronische Steuererklärung. Mehr als die Hälfte der Steuerpflichtigen nutzt das Instrument bereits und die Finanzämter sind froh, damit die Papierflut eindämmen zu können. Doch auch die Bürger haben etwas davon. „Wenn sie ihre Steuererklärung frühzeitig und elektronisch abgeben, bekommen sie schneller ihr Geld zurück“, erklärte Andrea Heck, Präsidentin der Oberfinanzdirektion Karlsruhe vor kurzem, als die Finanzämter mit der Bearbeitung der Einkommensteuer für das Jahr 2017 begannen. Und noch eine Neuerung gibt es. „Bitte legen Sie uns bei Abgabe der Steuererklärung keine Belege mehr vor. Wenn wir sie brauchen, fragen wir nach“, sagt Andrea Heck. Zur Prüfung der Schlüssigkeit der Erklärung benötigten die Finanzämter aber „eine möglichst vollständige und aussagekräftige Beschreibung der Sachverhalte, bei Werbungskosten zum Beispiel die zutreffende Benennung der Ausgabe, das Datum und den Betrag.“

  • Info-Veranstaltungen: Das Finanzamt Überlingen bietet zwei Veranstaltungen zum Thema Elektronische Steuererklärung (Elster) an. Sie haben den Titel „So klappt es mit der Steuererklärung“. Sie finden am 14. Mai um 14 Uhr und am 17. Mai um 16 Uhr im Sitzungssaal des Finanzamts in der Mühlenstrasse 28 statt und dauern jeweils eine Stunde. Das Finanzamt bittet Interessenten, sich bei Finanzamt anzumelden, Telefon 0 75 51/836-0.

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