Überlingen Podiumsdiskussion von Schülern für Schüler am Gymnasium Überlingen: Bundespolitik auf Augenhöhe

Schüler am Gymnasium organisierten eine Podiumsdiskussion mit den lokalen Bundestagskandidaten. In der Aula herrschte eine gelöste Stimmung, die Diskussionsrunde stellte Grundlagenarbeit zur Steigerung der Wahlbeteiligung dar.

Eine Podiumsdiskussion ist Politik in seiner klassischsten Ausprägung. Kann man mit so einem Format junge Menschen von Politik begeistern? Ganz offensichtlich ja. Den Schülern am Gymnasium Überlingen, die eine Podiumsdiskussion mit den Bundestagskandidaten organisierten, ist das gelungen.

Auf dem Podium saßen Vertreter von SPD und Grünen, Linken und FDP sowie der AfD. Die CDU war nicht vertreten. Christian Natterer, der Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen vertreten sollte, meldete sich kurzfristig ab mit dem guten Argument, dass er seine Frau in den Kreißsaal begleiten müsse. Das aber führte dazu, dass dem AfD-Vertreter, der für Alice Weidel gekommen war, das konservative Feld überlassen wurde. Man könnte auch sagen, er war auf verlorenem Posten mit seinen Ansichten zum Umgang mit Homosexuellen und Haschisch, wie sich dem Beifall der Schüler entnehmen ließ, die verstärkt für die „Ehe für alle“ sowie eine Legalisierung von Haschisch applaudierten. Solche Themen standen auf dem Programm, aber auch die Sicherheitspolitik und die Bildungspolitik wurden diskutiert.

Jonas Hertwig, Schüler am Gymnasium Überlingen, bei einer von ihm moderierten Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl 2017.
Jonas Hertwig, Schüler am Gymnasium Überlingen, bei einer von ihm moderierten Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl 2017. | Bild: Stefan Hilser

Die 18-jährige Abiturientin Antonia Raichle kam mit der Erwartung, Politikern auf Augenhöhe zu begegnen. Und ja, das sei ihr geboten worden, sagte sie nach der Podiumsdiskussion, die bis zum Gong zwei Schulstunden umfasste. Die ebenfalls 18-jährige Schülerin Leonie Mayer sammelte wichtige Aussagen und Meinungen der Kandidaten, die ihr die Wahl im September erleichtern werden, wie sie sagte. „Die Podiumsdiskussion hat mein Interesse geweckt, in den Wahlprogrammen noch genauer nachzuschauen.“ Ein größeres Kompliment können die beiden Schülerinnen ihren Mitschülern, die die Diskussion souverän organisiert, vorbereitet und geleitet haben, eigentlich nicht machen.

Gut aufeinander eingespieltes Duo: Die Gymnasiasten Naemi Dittes und Jonas Hertwig moderierten die Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl.
Gut aufeinander eingespieltes Duo: Die Gymnasiasten Naemi Dittes und Jonas Hertwig moderierten die Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl. | Bild: Stefan Hilser

Charmant, aber bestimmt, ist es dem Moderatorenduo Naemi Dittes und Jonas Hertwig gelungen, die Redezeit der Politiker zu begrenzen. Klar strukturiert zogen sie die eineinhalbstündige Veranstaltung auf: Stellten die Kandidaten vor, baten um einen Satz zum eigenen politischen Werdegang, stellten diverse großpolitische Themen zur Debatte und gaben den Schülern für ergänzende Fragen das Wort. Die Politiker bemühten sich, weniger in Politikersprech zu verfallen, sondern sich so zu artikulieren, dass sie bei den jungen Leuten ankamen. Wie Antonia Raichle und Leonie Mayer am Ende der Veranstaltung bestätigten, sei das gelungen.

Ein Heimspiel auf dem Podium hatte Leon Hahn, Bundestagskandidat der SPD. Er ist ehemaliger Schüler des Gymnasiums Überlingen und berichtete, dass zu seiner Schulzeit vor rund zehn Jahren die politische Bildung an der Schule noch zu wenig ausgeprägt gewesen sei, weshalb er sie selbst in die Hand genommen habe – und selbst dabei am meisten lernte. Dass man sich, was oft in Abrede gestellt werde, als junger Mensch politisch sehr erfolgreich einmischen könne, habe er am eigenen Leib erfahren. „Wir haben in Überlingen das Jugendforum gestartet“, erinnerte er. „Für mehr ÖPNV kämpfen, Partys veranstalten – das war mein Einstieg“, sagte er. Über den Landesvorstand der Jusos habe er dann Landespolitik „relativ konkret“ erlebt. Leon Hahn, Landesvorsitzender der Jusos, ermunterte die Schüler: „Junge Leute können politisch wahnsinnig viel bewegen, wenn man weiß, was man möchte.“

Schulleiter Hans Weber erinnerte an die Aufgabe von Schule, nämlich die Schüler als mündige Bürger zu entlassen, damit sie ihrer staatsbürgerlichen Pflicht nachkommen und sich an Wahlen beteiligen. Wie die Aufmerksamkeit, der Applaus und die gelöste Stimmung bei der Veranstaltung zeigten, ist auch das gelungen.


Auf dem Podium saßen, von links nach rechts:

  • Claudia Haydt, Die Linke, Bundestagskandidatin, bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion.
    Claudia Haydt, Die Linke, Bundestagskandidatin, bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion. | Bild: Stefan Hilser
    Claudia Haydt (Die Linke), 49 Jahre, Dozentin für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Bundestagsabgeordneten Inge Höger, Bundestagskandidatin.
  • Markus Böhlen, Bündnis90/Die Grünen, Bundestagskandidat, bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion.
    Markus Böhlen, Bündnis90/Die Grünen, Bundestagskandidat, bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion. | Bild: Stefan Hilser
    Markus Böhlen (Bündnis 90/Die Grünen), 50 Jahre, verheiratet, drei Kinder, Lehrer an der Hugo-Eckener-Schule in Friedrichshafen, Bundestagskandidat.
  • Leon Hahn, SPD, Bundestagskandidat, bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion.
    Leon Hahn, SPD, Bundestagskandidat, bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion. | Bild: Stefan Hilser
    Leon Hahn (SPD), 26 Jahre, Mitarbeiter des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesjustizministerium, Landesvorsitzender der Jusos, Studium der Wirtschaftswissenschaften an der ZU in Friedrichshafen, Bundestagskandidat.
  • FDP-Bundestagskandidat Christian Steffen-Stiehl bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion.
    FDP-Bundestagskandidat Christian Steffen-Stiehl bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion. | Bild: Stefan Hilser
    Christian Steffen-Stiehl (FDP), 44 Jahre, verheiratet, Vater, nach seinem Dienst auf Zeit bei der Bundeswehr absolvierte er ein Ingenieurstudium und ist seit 2006 bei Airbus Defence and Space beschäftigt, Friedrichshafen, Bundestagskandidat.
  • CDU: Nicht auf dem Podium vertreten.
  • Christoph Höge, AfD, bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl 2017.
    Christoph Höge, AfD, bei einer von Schülern des Gymnasiums Überlingen organisierten Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl 2017. | Bild: Stefan Hilser
    Christoph Högel (AfD), 27 Jahre, Elektrotechnik-Ingenieur, tätig als Hardware-Elektronikentwickler, Abschluss 2013 Bachelor of Engineering der DHBW, Beisitzer im Kreisvorstand der AfD.

 

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