Überlingen Pflanzenhaus: Der Standort im Rosengarten ist vom Tisch

Das Pflanzenhaus soll wie im Siegerentwurf von Marianne Mommsen vorgesehen am Ufer beim Haus des Gastes entstehen. Der Gemeinderat hat einen Antrag von LBU/Grüne für einen Alternativstandort im Stadtgarten mehrheitlich abgelehnt.

Beim Pflanzenhaus bleibt die Planung wie gehabt – zumindest was den Standort angeht. Wie im Sieger­­entwurf von Marianne Mommsen vorgesehen, soll das Gebäude für die historische Kakteensammlung der Stadt im Uferbereich beim ehemaligen Haus des Gastes entstehen. Einen Alternativstandort beim Rosengarten, den die Fraktion LBU/Grüne ins Spiel gebracht hatte, lehnte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Mittwochabend mehrheitlich ab.

Damit entsprach das Gremium dem Wunsch der Stadtverwaltung, die für das Festhalten am bisherigen Standort geworben hatte. "Für uns als Verwaltung ist es wichtig, dass wir Klarheit haben, wie wir voranschreiten sollen", sagte Oberbürgermeister Jan Zeitler zu Beginn der Diskussion und erinnerte daran, dass der Gemeinderat in der Vergangenheit schon für den Standort beim Haus des Gastes gestimmt hatte. "Wir haben eine Beschlusslage, an die ich mich gebunden sehen möchte."

Dass zudem weitere Gründe gegen den Bau eines Pflanzenhauses im Stadtgarten sprächen, machte Rolf Geiger deutlich: Die Stadtgärtnerei habe sich schon in den vergangenen Jahren "verwaltungsintern" intensiv mit der Standortsuche beschäftigt, sagte der Leiter des Grünflächenamts. Dabei habe man selbst auch schon an den Rosengarten gedacht. Zwar sei es "inhaltlich richtig", die Kakteengruppe im Stadtgarten zu belassen, gab Geiger zu. Allerdings sei das auch das Einzige, was für diesen Standort spreche.

Viel gravierender seien hingegen die Nachteile, so Geiger: So brauche man eine Mindestgrundfläche von 600 Quadratmetern (450 m² Ausstellungsfläche, 150 m² Infrastruktur), um die historische Kakteengruppe angemessen präsentieren zu können. "Unsere Sammlung hat einen bedeutenden Ruf", so Geiger. "Da brauchen wir etwas Repräsentatives." Gemessen an dieser Mindestgrundfläche müsste massiv in die Topografie des Stadtgartens eingegriffen werden. Selbst bei einer terrassenartigen Abstufung des Gebäudes wären massive und hohe Betonwände zur Hangsicherung erforderlich. Auch müsste das Dach des Pflanzenhauses gegen eventuell bei Sturm herunterfallende Äste oder umstürzende Bäume gesichert werden. Zudem würde die Bebauung des von LBU/Grüne vorgeschlagenen Standortes unwiederbringlich die Geometrie und die Sichtachsen der historischen und denkmalgeschützten Parkanlage unterbrechen. Und mehrere alte und große müssten Bäume weichen. Während der Bauzeit müsste der komplette Rosengarten rückgebaut werden, um die Baustelle überhaupt andienen zu können. Für die Unterhaltung des Gebäudes wäre eine dauerhafte LKW-fähige Erschließungszufahrt erforderlich. Diese wäre auch wiederum nur durch den ebenfalls denkmalgeschützten Rosengarten möglich.

Angesichts dieses Szenarios wunderte es nicht, dass mit Ausnahme der antragstellenden Fraktion und der Linken alle Räte für das Festhalten am Standort Haus des Gastes stimmten. "Wir möchten nicht mehr über Los gehen", sagte Lothar Thum für die Freien Wähler/ÜfA. "Einen weiteren Zeitverlust können wir uns nicht leisten." Sein Parteifreund Robert Dreher sprach gar von einer "Überlinger Krankheit", dass man bereits getroffene Beschlüsse wieder rückgängig machen wolle. Ähnlich argumentierten auch Reinhard Weigelt für die FDP und Günter Hornstein für die CDU: "Wir sind jetzt 36 Monate vor der Landesgartenschau. Da ist es unrealistisch, dass wir an einem anderen Standort noch Planungs- und Rechtssicherheit bekommen", so Hornstein. Einzig Roland Biniossek (Linke) unterstützte den Vorschlag von LBU/Grüne: Er finde es schade, das Seeufer zu verbauen und das "wunderbare Ensemble" im Stadtgarten zu zerstören.

Doch selbst die Antragssteller selbst schienen die Argumentation der Verwaltung nachvollziehen zu können. So betonte Ulf Janicke, dass aufgrund der geänderten Rahmenbedingungen, was die Architektur des Pflanzenhauses betrifft, auch der Standort hinterfragt werden sollte. Würden die Vorteile am ursprünglichen Standort gegenüber der Alternative überwiegen, würde man das auch akzeptieren. Auch Walter Sorms, der federführend beim Entwurf eines Alternativmodells am Alternativstandort war, stellte klar, dass er nicht gegen ein Pflanzenhaus sei. Im Gegenteil: "Ich brenne dafür." Im sei es jedoch wichtig, dass die Pflanzen die richtigen Bedingungen bekämen.

So sah es auch OB Jan Zeitler, der ankündigte, jetzt möglichst schnell in die weitere Planung einsteigen und den bisherigen Entwurf architektonisch und technisch überarbeiten lassen zu wollen. Bezüglich der Ausgestaltung habe Bürgermeister Matthias Längin mittlerweile Kontakt mit dem Büro Schaltraum in Hamburg aufgenommen.

Auflage des Denkmalamts

Für die Umsiedlung der alten Kakteensammlung in ein Pflanzenhaus an einem anderen Standort hat das Landesdenkmalamt die Auflage gestellt, im Stadtgarten am gleichen Standort und nach historischem Vorbild wieder eine Kakteen-Kulisse mit Sukkulenten aufzubauen. Dieser Forderung will die Stadt mit dem Aufbau einer Sammlung mit winterharten Kakteen am historischen Standort nachkommen, erklärte Zeitler. Der enorme Aufwand für die Stadtgärtnerei, die Pflanzen "auszubuddeln und umherzufahren", würde dadurch entfallen. Roland Biniossek (Linke) befürchtete hingegen, dass eine zweite Sammlung den Wert der historischen Pflanzen herabstufen könnte.

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