Überlingen Parkhausbau an der Therme: Bürgersinn schlägt Standort in Nußdorf als Alternative vor

Nicht nur die Höhe des geplanten vierstöckigen Parkhauses, sondern der Standort bei der Therme sei generell zu überdenken: Wie der Verein "Bürgersinn" in einem Brief an Oberbürgermeister Jan Zeitler schreibt, gebe es noch genügend Zeit für "eine Standortalternative mit Langfristperspektive".

Geht es nach dem Bürgersinn, so sei im Osten der Stadt auf dem ehemaligen Gelände der Straßenmeisterei, gegenüber des Bahnhofs Nußdorf, eine geeignetere Fläche zum Bau eines Parkhauses. Der Bedarf direkt an der Therme sei "vorerst" gedeckt. Die Fläche zwischen Therme und Tunnelportal sei zu klein, das Gebäude zu hoch, eine Pfahlgründung zu teuer und der Standort wegen der Nähe zum Bahnübergang an der Goldbacher Straße verkehrlich ungeeignet. Städtebaulich sei er ungeeignet, weil das Parkhaus unmittelbar neben der Straße errichtet werde und dadurch "ein sehr massiver Baukörper am neuen Stadteingang entstehen würde".

Der Bürgersinn reagierte mit seinem Schreiben von Montag dieser Woche auf einen Brief Zeitlers, den der OB vergangene Woche auf einen ersten Brief des Bürgersinns geschrieben hatte. Zeitler argumentierte darin, dass gegen einen Bau in die Tiefe ein schwieriger Baugrund spreche, dass eine Erhöhung des Parkhauses von drei auf vier Obergeschosse die nötige Zahl an Stellplätzen bringe, und dass sich das Gebäude städtebaulich gut in die Umgebung einfüge. Das Argument Zeitlers, dass ein Spezialtiefbau mit drei Tiefgeschossen zu teuer sei, könne man nachvollziehen, schreibt der unter Vorsitz von Joachim Betten stehende Bürgersinn. Dagegen bezweifelt der Verein, dass bei einem Bauwerk von 1,90 Metern im Untergrund die von Zeitler angesprochenen "überschnittenen Bohrpfähle" nötig seien. Grundwasser, so die Annahme des Bürgersinns, sei auf dieser Höhe noch nicht anzutreffen. Zugleich erinnert der Verein daran, dass mit schwierigen und unterschiedlichen Untergrundverhältnissen auf engstem Raum zu rechnen gewesen sei.

"Die Ergebnisse lagen schon im Juli 2016 vor, und man hätte sich zu diesem Zeitpunkt, als die Kosten aus dem Ruder liefen, bereits grundsätzliche Gedanken machen müssen." Der Bürgersinn habe diesen Standort von Anfang an abgelehnt. Die aktuell fast 100 Autostellplätze an der Therme "genügen augenscheinlich", so der Bürgersinn, der Therme und Stadtwerke dazu auffordert, Zahlen über Bescher und Autos zu liefern. Therme-Betriebsleiter Peter Koop sagte gegenüber dem SÜDKURIER, dass man wegen einer nicht ausreichenden Zahl an Parkplätzen Badegäste verliere. Man gebe sich alle Mühe, etwa mit dem Angebot von zwei Stunden kostenlosem Parken im Parkhaus West. Doch erwarteten die Besucher, dass sie direkt an der Therme parken können.

Der Parkhausbau ist heute Thema im Gemeinderat. Alle Stadträte hatten den Brief des Bürgersinns erhalten. Jörg Bohm (CDU) forderte den Bürgersinn dazu auf, bei den Kommunalwahlen 2019 für den Gemeinderat zu kandidieren, "damit Sie Ihre Anliegen auch direkt vertreten und diskutieren können". Betten lehnt dies ab. Er sei überzeugt, dass Überlingen eine Opposition außerhalb des Gemeinderats benötige. Denn aus dem Gremium heraus sei jeweils nur eine Meinung zu hören, "auch wir würden vereinnahmt werden".

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