Bodenseekreis Nach Unwetter: Neues Sicherheitskonzept für Promenadenfest

2017 musste das Promenadenfest in Überlingen wegen eines Unwetters erstmals abgebrochen werden. Die Verantwortlichen haben jetzt ein neues Sicherheitskonzept erarbeitet. Es sieht unter anderem Schutzräume für die Besucher vor sowie eine umfassende und schnelle Kommunikation mit allen Verantwortlichen, den Standbetreibern und den Besuchern.

Ein neues Sicherheitskonzept für das Promenadenfest 2018 soll Besucher und Betreiber besser vor den Auswirkungen eines Unwetters schützen. Im Juli hatte der Veranstalter, die Kur und Touristik Überlingen, das Fest erstmals wegen eines Sturms abgebrochen. Der Anweisung, die Stände zu räumen, waren nicht alle Angesprochenen nachgekommen, wie der SÜDKURIER berichtet hatte. Zahlreiche weitere Kritikpunkte, wie das unkoordinierte Verlassen des Festgeländes und die für Ortsfremde nicht klar ausgewiesenen Schutzräume, führten im Oktober zu einem Treffen der Verbindungsgruppe und zu einer neuen Konzeption.

In dieser Verbindungsgruppe sind Vertreter von Feuerwehr, Polizei, Deutschem Roten Kreuz, Vereinen und Stadt aktiv. Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer Kur und Touristik, erklärte, er nehme die Lücken im bisherigen Sicherheitskonzept sehr ernst. "Wir können durchaus davon ausgehen, dass wir es erneut mit einer solchen Wetterlage zu tun kriegen. Deshalb ist es jetzt sehr wichtig, vorausschauend zu handeln".

Nada Kosanovic und Giuseppe Sutera aus Bonndorf: "Wir haben uns beim Verlassen des Zeltes überhaupt nicht mehr sicher gefühlt und ärgerten uns über die ruppige Security."
Nada Kosanovic und Giuseppe Sutera aus Bonndorf: "Wir haben uns beim Verlassen des Zeltes überhaupt nicht mehr sicher gefühlt und ärgerten uns über die ruppige Security." | Bild: Stef Manzini

Ein zentrales Thema ist für ihn die Kommunikation mit Besuchern und Vereinsvertretern. Hier denkt man über eine verbesserte technische Ausstattung nach, die aber unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit zu betrachten wäre, sagt Jankowiak. Alle Besucher und Standbetreiber sollen zum selben Zeitpunkt über einen Festabbruch informiert werden und genaue Anweisungen erhalten. "Nun haben wir keine Lautsprecheranlage und denken darüber nach, wie das über die Lautsprecher der Bühnen und die Megafone an den Ständen zu machen wäre.

" Ein weiterer Punkt ist für die Verbindungsgruppe die Schaffung von Schutzräumen. Beim Unwetter dieses Jahr wurden spontan der evangelische Pfarrsaal und die Greth bereitgestellt. Nada Kosanovic und ihr Partner Giuseppe Sutera aus Bonndorf erinnern sich: "Wir waren im Zelt der Bonndorfer auf dem Landungsplatz und fühlten uns dort sehr sicher. Die Security zwang aber alle Menschen, das Zelt zu verlassen. Dabei ging sie nicht gerade zimperlich um und ältere Menschen und diejenigen, die sich in Überlingen nicht auskannten, wussten doch gar nicht so schnell, wohin sie flüchten sollten."

So sah es nach dem Unwetter in Überlingen am 21. Juli beim Promenadenfest aus: nasse Bierbänke und keine Besucher mehr.
So sah es nach dem Unwetter in Überlingen am 21. Juli beim Promenadenfest aus: nasse Bierbänke und keine Besucher mehr. | Bild: Dieter Leder

Bei einem Sturm fliegen auch Äste und Dachziegel. Deswegen überlegt die Gruppe um Jankowiak nicht nur, wo Schutzräume bereitgestellt werden können, sondern auch, wie man sie gefahrlos erreichen kann. Das Münster und die Parkhäuser, auch der Kursaal sind im Gespräch. Definiert werden solle auch, welchem Abschnitt der Promenade welcher Schutzraum zugeordnet wird. Tausende von Festbesuchern im Ernstfall sicher unterzubringen, sei eine große Aufgabe. Aber man habe aus 2017 gelernt, versichert Jankowiak. Das Verhalten der Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts, die zum ersten Mal mit einem solchen Fall konfrontiert gewesen seien, sei ebenfalls Thema gewesen.

Das neue Sicherheitskonzept sehe auch Straßensperrungen vor, damit die Festbesucher die Schutzräume gefahrlos erreichen könnten. Jürgen Jankowiak kann sich sogar eine generelle Sperrung der festnahen Straßen, wie Jakob-Kessenring- oder Marktstraße, vorstellen, um das Fest für die Besucher noch attraktiver zu machen. Allerdings müsse dies noch mit der Polizei abgesprochen werden, denn auch für die Anlieger der Straßen müsse gesorgt werden.

Alle Stände werden mit Nummern versehen und es gibt eine gemeinsame Begehung des Festgeländes mit allen Beteiligten. Bei regelmäßigen Treffen während des Fests wertet die Verbindungsgruppe die aktuelle Lage auf dem Festgelände aus. Die Schichtleiter der Vereine sollen farbige Warnweste tragen. Damit sei es für Einsatzkräfte einfacher, wichtige Informationen direkt weitergeben zu können. Man habe in der Verbindungsgruppe das Geschehen dieses Jahr äußerst kritisch reflektiert und wolle mit den neuen Maßnahmen die Sicherheit verbessern. "Eine absolute Sicherheit kann es jedoch auch damit nicht geben, aber wir haben dazugelernt und werden tun, was möglich ist", resümiert Jürgen Jankowiak.

Das Unwetter

Das Promenadenfest, das größte Fest in Überlingen mit über 10 000 Besuchern, wurde am 21. Juli wegen eines schweren Sturms mit Starkregen erstmals abgebrochen. Die Unwetterwarnungen des Wetterdienstes hatten die Festleitung zu diesem Abbruch veranlasst. Der Anweisung zum Räumen und Sichern der Stände wurde nicht in jedem Fall Folge geleistet. Die Festbesucher flüchteten sich in spontan geöffnete Schutzräume, wie den evangelischen Pfarrsaal. Menschen kamen nicht zu Schaden, aber nicht ausreichend gesicherte Stände wurden teilweise zerstört. Am Samstag und Sonntag konnte das Promenadenfest weitergehen.

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