Überlingen Landesgartenschaugelände wächst im Westen: Wege rund um die Silvesterkapelle

Stadt und Kirche sind sich weitgehend einig, dass die Silvesterkapelle an das Landesgartenschaugelände angeschlossen werden soll. Die Stadt darf auf dem Grundstück vor der Kapelle einen öffentlichen Weg anlegen, der ein von der Stadt gekauftes Seegrundstück zusätzlich an das LGS-Gelände anschließt. Damit verlieren die Goldbacher ihren exklusiven eigenen Strand, die Öffentlichkeit gewinnt neue Seezugänge.

Das Thema weckt Emotionen: Bei den einen wird sich Begeisterung regen, weil Überlingen einen neuen öffentlichen Strandabschnitt erhält, und weil das Kleinod Silvesterkapelle fortan von seiner schönsten Seite her bestaunt werden kann. Bei den anderen wächst Sorge in zweierlei Hinsicht: Sorge vor Müll und wilden Gelagen, und Sorge vor einer Entweihung eben dieses Kleinods. Außerdem verlieren die Goldbacher ihren exklusiven Seezugang an die Öffentlichkeit und Privatmann Carsten Prinz seinen ganz privaten Garten am See.

Was tut sich? Die katholische Kirchengemeinde von Überlingen, beziehungsweise ihr Stiftungsrat, stimmt einer Vereinbarung mit der Stadt Überlingen zu, wonach auf ihrem Grundstück unterhalb der Silvesterkapelle ein zwei Meter breiter Fußweg angelegt werden darf. Eine Absichtserklärung unterzeichnete der Stiftungsrat am Dienstagabend. Bisher war die Kapelle nur über eine Fußgängerfurt an der Bahnlinie erreichbar. Die Vereinbarung ermöglicht zweierlei: Sie verbindet den Uferpark, der im Zuge der Landesgartenschau entsteht, mit der Silvesterkapelle. Außerdem wird auf diese Weise eine Verbindung geschaffen zwischen Uferpark und einem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück westlich des Killbachs. Dieses Dreieck gehörte der Deutschen Bahn AG, wurde aber, wie LGS-Geschäftsführer Roland Leitner sagte, 2016 von der Stadt gekauft. Auf Frage an Bürgermeister Matthias Längin, zu welchem Preis, herrschte gestern Funkstille. Keine Antwort der Stadt.

Für LGS-Geschäftsführer Leitner erfüllt sich ein Ziel, das bereits beim Bürgerentscheid 2013 formuliert worden sei, den Uferpark im Westen bis zur Silvestekapelle zu erweitern. "Damit wird das Kleinod aus seinem Dornröschenschlaf geweckt." Zum Schutz der wertvollen Wandmalereien, die ältesten aus dem neunten Jahrhundert, bleibe die Kapelle weitgehend geschlossen. Jedoch bestehe durch die neue Wegeführung die Möglichkeit, sie von Süden her zu betrachten. Der Weg setze sich weiter nach Westen fort, über den Killbach, bis zum neuen städtischen Grün, wo es als einem von wenigen Stellen einen Sandstrand gebe, gebildet durch die vom Killbach angeschwemmten Sedimente. Der Uferpark werde damit "wunderbar abgerundet".

Der katholische Stadtpfarrer Karl-Heinz Berger, Vorsitzender des Stiftungsrates, betonte, dass dem Schutz der Kapelle die oberste Priorität gelte. Mit der Stadt sei vereinbart, dass sie Schäden, etwa durch Graffiti an der Außenwand, beseitigt, und durch einen begrünten Zaun oder eine Hecke den Friedhof vor dem Betreten schützt. Berger: "Die Friedhofsruhe ist absolut zu schützen. Nicht, dass noch jemand auf die Idee kommt, ihn als Liegewiese zu betrachten. Auf einem Friedhof liegen sie noch früh genug." Roland Gaus, Mitglied im Stiftungsrat, sagte, dass es mit der Stadt noch keinen Vertrag gebe, aber eine mündliche Absprache und eine Absichtserklärung, die der Stiftungsrat am Dienstag gutgeheißen und am Donnerstag dieser Woche an Baubürgermeister Matthias Längin gemailt habe. Eine Begrenzung der Laufzeit sei nicht formuliert worden. Wobei Stadtpfarrer Berger im Telefonat mit dem SÜDKURIER sagte: "Wir haben das erst mal bis zur Landesgartenschau genehmigt." Doch auch wenn der Weg über das kirchliche Grundstück irgendwann wieder gesperrt werden sollte: Das Seegrundstück unterhalb der Heckeneinfassung bleibt öffentlicher Seezugang, sofern er bei Hochwasser nicht untergeht. Der "Goldbacher Strand" ist städtisch, das folgende Stück bis zum Killbach werde dem Bodensee zugerechnet, so Leitner, gehöre also dem Land. Wer die Mauer und den Steg dort baute, die abgerissen werden sollen, sei unklar.

Pächter des ganz im Westen liegenden Dreiecks jenseits des Killbachs war unter anderem die Familie von Carsten Prinz. "Für ein Nasenwasser", wie der Überlinger, Jahrgang 1972, auf Anfrage sagte, konnte seine Familie das Grundstück von der Bahn pachten. Sein Großvater sei Bahnmeister im Bodenseegebiet gewesen, und mit seiner Stellung habe er bereits vor 50 bis 60 Jahren das Recht erhalten, dieses Grundstück zu nutzen. Wie Prinz sagte, habe sein Opa am Standort Überlingen keinen Nachfolger gehabt, weshalb seine Familie das Grundstück weiter pachten durfte. Mit einem weinenden Auge verliere er nun zwar die exklusive Nutzung, "für uns war es ein Wochenendparadies". Für die Öffentlichkeit betrachte er die Öffnung aber als Gewinn. Prinz wuchs im Überlinger Westen auf, wohnt dort heute noch und legte sich für die Landesgartenschau stets ins Zeug, vor allem via Facebook. Prinz: "Bisher war der Westen hässlich, unbenutzbar. Meine Eltern sagten immer: Bleib weg, sonst ertrinkst Du. Jetzt wird das Gelände zum See hin geöffnet. Wenn ich heute mit meinen Kindern in den Uferpark gehe, habe ich viel mehr davon."

Die Sicht der Goldbacher: Die Bürgerschaft von Goldbach wird vertreten durch Gassenpfleger Hubert Regenscheit. Wir baten ihn gestern um eine Stellungnahme: Regenscheit: "Dass unser Strändle aufgemacht wird, war uns klar. Den Weg unterhalb der Kapelle finde ich problematisch, da dieses Grundstück der alte Friedhof von Goldbach ist. Unsere Kapelle und der Friedhof bedarf eines besonderen Schutzes, da meines Wissens nach in dem westlichen Bereich keine Toiletten geplant sind. Das ist vielleicht während der LGS nicht unbedingt ein Problem, aber danach, wenn das Gelände frei zugänglich ist, und das dann so kontrolliert wird wie der "Thermegarten". Ebenso ist noch völlig offen, wo die künftigen Besucher ihre Vehikel parken. OB Zeitler wusste bei der Bürgerlounge auch noch keine Antwort. Ich bezweifle, dass hier irgendeine Lösung angedacht wird, und wir Goldbacher dieses Problem allein zu schultern haben." Mit Ironie fügte Regenscheit hinzu: "Es herrscht bei uns im Dorf Begeisterung ungeahnten Ausmaßes."

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