Überlingen Karin Krämer arbeitet als Goldschmiedin in London

Die 39-jährige Ex-Überlingerin Karin Krämer kam 2002 nach London, um in einer Service-Werkstatt bei einem Ableger des Konzerns De Beers zu arbeiten. Mittlerweile fertig sie in ihrer Wahl-Heimat als selbstständige Goldschmiedin Schmuck für einen festen Kundenstamm.

"Bei uns auf der Insel ist das anders", sagt Karin Krämer bisweilen, wenn sie über ihre Wahlheimat London und England redet. Rund 14 Jahre lebt die ehemalige Überlingerin inzwischen in der englischen Metropole, arbeitet dort als Goldschmiedin und hat keine Ambitionen, dort wegzugehen. Gern kommt sie allerdings an den Bodensee, wo sie aufgewachsen ist, und besucht regelmäßig Eltern und Freunde. Ja, auf der Insel ist noch manches anders, wie Karin Krämer erzählt, auch was die Gepflogenheiten beim Verschenken von Schmuck angeht. Nicht nur, dass sich angehende Paare vor der Ehe verloben. "Eine Verlobung ist kaum vorstellbar, ohne dass dazu ein Diamantring geschenkt wird", sagt sie. Beste Voraussetzungen für die Branche, in der sich Krämer mit Erfolg eine eigene Nische geschaffen hat.

Das hätte sie 1994 sicher nicht zu träumen gewagt, als sie auf dem Kunstmarkt beim Promenadenfest im Überlinger Badgarten erstmals einen Stand mit selbst gefertigtem Modeschmuck hatte und auf Anhieb ganz guten Umsatz machte. Was sie damals verkauft habe, heiße in England heutzutage gleich "Designer Schmuck", beschreibt Karin Krämer einen Unterschied in der Terminologie. Bodenständig und sehr praxisorientiert war ihre dreijährige Ausbildung zur Goldschmiedin an Staatlichen Berufsfachschule in Kaufbeuren-Neugablonz. Als Gesellin war der Sprung in die bayerische Landeshauptstadt nicht mehr weit. "Am Anfang musste ich zwar Klinken putzen", erinnert sich die Wahl-Engländerin. Bei ihrer letzten Station erreichte sie jedoch ein Anruf aus London. "Die suchen jemanden wie dich zur Ladeneröffnung", habe ihre damalige Chefin gesagt.

Sechs Jahre arbeitete Karin Krämer ab 2002 in einer Service-Werkstatt bei einem Ableger des Konzerns De Beers. "In der Old Bond Street habe ich fast alle Größen und Formen von Diamanten auf der Werkbank gehabt", erinnert sie sich. Die Schönsten sollte sie aber anschließend als freie Mitarbeiterin eines australischen Juweliers kennenlernen. "Die intensiven Rosa- und Blautöne der Argyle-Diamanten haben mich sofort in den Bann gezogen", sagt Karin Krämer. Die Werkstatt in London war zwar winzig, doch sollte sie beim Besuch der Mine die Weite Australiens kennenlernen.

Schmuck ist zwar ihr Leben. Doch Karin Krämer ist an jeglicher Kultur interessiert. Deshalb ist sie selbstständig geblieben und hat sich inzwischen eine eigenständige erfolgreiche Nische geschaffen. "Für mich zählt die kreative Idee", sagt Karin Krämer, "und ich habe bei meiner Arbeit niemanden im Nacken, der sagt: Mach' es billiger!" Auch wenn es in London viele Trendsetter in allen Branchen gibt, will die Ex-Überlingerin "keine Mode mitmachen", wie sie sagt: "Ich muss nichts kopieren."

So hat sie sich in ihrer Wahl-Heimat einen eigenen Kundenstamm erarbeitet, von dem sie regelmäßig Aufträge erhält. "Ich wohne lieber in einer schönen Umgebung und kaufe mir ein paar Schuhe weniger", kommentiert Karin Krämer ihr wohlhabendes Umfeld unter dem Parliament Hill bescheiden.

Auch berufliche Kontakte pflegt Karin Krämer zum Bodensee. Im Haus des Vaters in der Luziengasse stellte sie 2014 bei einer "Art Luga" aus. Schon seit einiger Zeit kooperiert die Goldschmiedin auch mit der Überlingerin Jutta Werling und verarbeitet teilweise deren fair gehandelte Edelsteine.

Noch bis zum morgigen Samstag stellt Karin Krämer in Werlings Schmuck-Atelier Aurhen in der Pfennigturmgasse Teile ihrer besonderen Sepia-Kollektion aus. Die verdankt ihre besondere Oberflächenstruktur und Maserung der Herstellung mithilfe eines lamellenartig geschichteten Tintenfischknochens aus leichtem Kalk.

Diese besondere, aber schon alte Technik ist ebenso Gegenstand eines Vortrags am heutigen Freitagabend um 19 Uhr wie deren Nutzung zum Edelmetall-Recycling unter dem Motto "Aus Alt mach Neu".

Zur Person

Karin Krämer ist 39 Jahre alt, lebt im Londoner Stadtteil Hampsted und arbeitet selbstständig als Goldschmiedin überwiegend für Privatkunden. Nebenbei steht die an jeglicher Kultur interessierte ehemalige Überlingerin gerne als Komparsin für Kinofilme am Set.

Geboren wurde Karin Krämer 1976 in Konstanz, aufgewachsen ist sie in Nußdorf und Überlingen. Hier besuchte sie Grundschule und Gymnasium, war als Jugendliche aktivers Mitglied bei Pfadfindern und Bund für Umwelt und Naturschutz. Selbstgefertigten Modeschmuck verkaufte sie erstmals 1994 auf dem Kunstmarkt während des Promenadenfests in Überlingen.

Anschließend absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Goldschmiedin an der Staatlichen Berufsfachschule Kaufbeuren-Neugablonz mit Gesellenabschluss. Ihre ersten Stelle fand Krämer in München unter anderem in der Maximilianstrasse bei Juwelier Fochtmann.

Im November 2002 zog sie nach London, wo sie zunächst im Kundendienst und als Hausgoldschmiedin für ein Geschäft des Konzern De Beers tätig war. 2008 machte sie sich selbstständig, arbeitete unter anderem mit einem australischen Partner zusammen, kooperiert inzwischen mit verschiedenen Designern, bedient jedoch in erster Linie ihre eigenen Privatkunden.

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