Überlingen Interview auf dem Segelboot: Erstes Seegespräch mit Oberbürgermeister Jan Zeitler

Kinder und Jugendliche interviewen Prominente: Gespräche auf der "Seemops" sind ein Kooperationsprojekt von Kinder- und Jugendheim Linzgau, Verein Rückenwind und SÜDKURIER. Zum Auftakt stellte sich OB Jan Zeitler den Fragen.

Was war für Jan Zeitler wichtig, als er so alt war wie jene Teenager, die ihn gerade interviewen? Die Antwort Zeitlers: "Die Schule, der Sport, und ab einem gewissen Alter auch die Mädchen."

Überlingens Oberbürgermeister ließ sich nicht lange bitten, als er im Frühling die Anfrage des Linzgau Kinder- und Jugendheims erhielt: Ob er ein Interview auf einem Segelboot geben möge? Ihm gegenüber würden auf engem Raum, unter vollen Segeln, und auf schwankendem Boot aber keine Journalisten sitzen, sondern Kinder und Jugendliche, die vom Kinderheim Linzgau und dem Verein "Rückenwind" sozialpädagogisch unterstützt werden. Zeitler sagte sofort zu, wie der Leiter des "Linzgau", Roland Berner, beim Auftakt im Osthafen zu würdigen wusste. Dazu der OB: "Ich habe sehr gerne zugesagt, das ist mal eine andere Herausforderung, und es ist ein tolles Format". Natürlich macht auch die SÜDKURIER-Redaktion als Kooperationspartner gerne mit. Schon alleine deshalb, weil bei den "Seegesprächen" Fragen beantwortet werden, die Erwachsene nicht stellen.

 
 

Bei bestem Segelwetter stach die Crew vergangene Woche in den Bodensee. Zeitler streifte bereitwillig eine Schwimmweste über, Kapitän und Heilpädagoge Vinzenz Kraft machte die Leinen los, der 14-jährige Karim richtete die Videokamera aus, und die 14-jährige Lena zückte ihren Fragenkatalog. "Was nehmen Sie auf eine einsame Insel mit", wollte sie vom Oberbürgermeister wissen. "Wann haben Sie eine Flaute, und was verschafft Ihnen Rückenwind?" Auf die Frage von Lena, wo Jan Zeitler einen sicheren Hafen findet, antwortete der OB: "Zu Hause bei uns im Garten.

Wir haben einen kleine Teich. Hier kann ich meine Gedanken sortieren und die Goldfische zählen. Es sind elf Stück. Von den elf sind drei noch golden, acht sind schwarz. Keine Ahnung, warum."

Mit an Bord war Claudia Mayer, Kulturpädagogin bei Rückenwind. Sie verrät, dass die Nervosität unter den Kindern und Jugendlichen im Vorfeld der ersten Segeltörn schon so groß war, dass davon die ganze Gruppe angesteckt wurde. Somit erhalten die jungen Leute, die sonst eher auf der Schattenseite des Lebens stehen, mit dem Projekt "Seegespräche" eine wohltuende Aufmerksamkeit, eine sonnenbeschienene Bühne. Die "Seegespräche" werden nicht nur hier in der Zeitung abgebildet, sondern als Video auf suedkurier.de präsentiert. Technisch werden die jungen Leute beim Filmen und Schneiden von Alexander Friedrichs unterstützt, dem Pressesprecher des "Linzgau" und Leiter der "Fetten Welle", eine vom Linzgau betriebene Internet-Plattform. Im Herbst wird die Serie fortgesetzt, dann steigt Gastwirt Michael Reutlinger, der "Narr mit Herz", der mit einer entsprechenden Spende schon einmal ein Herz für das Kinderheim bewies, an Bord

Der 14-jährige Karim führte die Kamera.
Der 14-jährige Karim führte die Kamera. | Bild: Stefan Hilser

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An Land, im Osthafen, bekamen Dustin (9) und Helene (12) Aufgaben zugewiesen. Sie begrüßten den Oberbürgermeister mit Handschlag, reichten ihm ein kühles Getränk – und geleiteten ihn sicher an Bord der "Seemops". Lena wollte auf der Segelfahrt Richtung Dingelsdorf vom OB wissen, was sie tun müsse, wenn auch sie mal "Kapitän, also Oberbürgermeisterin von Überlingen" werden möchte. Zeitler empfahl ihr "ein gehöriges Maß an Berufserfahrung zu sammeln, um die vielfältigen Aufgaben wahrnehmen zu können". Wobei nun auch dieses Interview zu den neuen Berufserfahrungen zählte, die Zeitler für sich sammeln konnte. Bei der Hafeneinfahrt sagte Zeitler, dass er sich auch deshalb auf das Abenteuer eingelassen habe, weil er als Schirmherr lieber über jene Einrichtungen und Veranstaltungen den Schirm halte, die sonst keine Aufmerksamkeit bekämen. Nach der letzten Frage bedankte er sich bei Lena. "Dankeschön, hat Spaß gemacht." Lena: "Mir auch."

Mit diesen Partnern kooperiert der SÜDKURIER im Medienprojekt "Seegespräche"

  • Rückenwind für Familien ist eine Jugendhilfeeinrichtung im Bodenseekreis mit Sitz in Überlingen. Der Verein verfügt über fünf tagesflexible und zwei soziale Gruppen, eine Wohngruppe mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und eine Wohngruppe für betreutes Jugendwohnen. Rückenwind unterstützt Kinder, Jugendliche und Familien, die auf Grund ihrer aktuellen Situation eine zeitlich begrenzte sozialpädagogische Begleitung benötigen. 50 Familien werden aktuell über die Arbeit in den tagesflexiblen Gruppen begleitet. 16 Plätze Soziale Gruppenarbeit stehen in Friedrichshafen zur Verfügung. 11 Unbegleitete minderjährige Ausländer werden in einer Wohngruppe in Owingen begleitet. 3 junge Menschen leben im betreuten Jugendwohnen.
  • Das Linzgau Kinder- und Jugendheim in Überlingen ist eine sozialpädagogische Facheinrichtung mit unterschiedlichen Wohngruppen, einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung sowie (VAB) Vorqualifizierungsmaßnahmen in Arbeit und Beruf, ambulanten Hilfen sowie Beratung und therapeutische Angebote am Bodensee. Die Konzepte sind ausgerichtet auf junge Menschen und deren Familien, die aufgrund psychischer Entwicklungsstörungen, Gewalterfahrung oder sexuellem Missbrauch Verletzungen erfahren haben, die es ihnen schwer oder unmöglich machen, soziale Bindungen einzugehen. Die Trägervereine beider Einrichtungen (Linzgau und Rückenwind) sind Mitglied im Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband. Informationen im Internet:www.linzgau-kinder-jugendheim.dewww.rueckenwind.io

 

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