Überlingen Herbsttagung der Weltbürger in Überlingen

Herbsttagung mit Beiträgen zur weltbürgerlichen Verantwortung: Kant und Schweizers Ethik sind auch heute noch der Maßstab. Die Tugenden der westlichen Welt werden infrage gestellt.

Die Herbsttagung der Association of World Citizens (AWC), übersetzt ist dies die Vereinigung der Weltbürger, fand am Samstag in Überlingen statt. Dahinter steht eine Art Friedensbewegung, eine pazifistische und antimilitärische Grundeinstellung. Der deutsche Ableger wurde vor mehr als zwölf Jahren in San Francisco gegründet, Gründungsmitglied war die Überlingerin Ingrid Schittich. Daher verwundert es nicht, dass die Tagung in Überlingen stattfand.

Zur Tagung hatten sich erstklassige Referenten angekündigt: Till Bastian, ein bekannter Arzt und Schriftsteller, die Freiburger Journalistin Elizabeth Fleckenstein sowie der Konstanzer Filmemacher und Autor Jürgen Weber. "Unser Bild vom Menschen – Beiträge zu einer weltbürgerlichen Verantwortung": Unter diesem Titel stand die Herbsttagung des AWC, und schon bei der Eröffnung sprach Ingrid Schittich von einer seltsamen Zeit, die Leben vernichtet. Auslöser ist laut ihren Worten die Giergesellschaft, die sich durch Egoismus, Schamlosigkeit und Menschenverachtung auszeichnet: "Das sind die Tugenden der westlichen Welt, in der man alles erreichen kann, ohne innere Erfüllung zu erfahren."

Ziel der Veranstaltung war der Versuch, ein weltbürgerliches Bild vom Menschen zu entwerfen. In seinem Beitrag "Psychosoziale Voraussetzungen für das Gelingen einer Weltgesellschaft" fragte Bastian zuerst nach, was einerseits einen Weltbürger ausmache, und andererseits arbeitete er die Bedeutung der Verantwortung des Menschen heraus. Schon bei der Definition des Weltbürgers zeigte Bastian auf, dass ein Weltbürger frei von irgendwelchen politischen, räumlichen oder sozialen Grenzen denkt und handelt.

Der Kreistagsabgeordnete Bastian prangerte auch intensiv an: Alles habe seine Grenzen, nur "bei der Macht ist nie Schluss, wie bei der nach oben offenen Richterskala bekommt man davon nie genug". Bei der Kultur der Ethik listet er Kant auf, ebenso wie Albert Schweizer. Und viele andere auch, deren ethische Leitbilder im zwischenmenschlichen Umgang für Bastian heute maßgeblich sind. Zurecht fragt er, warum Flüchtlinge aus dem Osten einst mit einem Willkommensgeld begrüßt wurden, während heute Flüchtlinge aus dem Süden ein Problem sein sollen.

Das war ein gelungener Übergang zu den Beiträgen der beiden anderen Redner, bei denen ging es um die rechtlichen Aspekte der Flüchtlingshilfe (Fleckenstein) sowie um die Flüchtlingsfrage "Wie konntet ihr das zulassen?" (Weber).

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