Überlingen Gymnasium erhält Auszeichnung als Fairtrade-School

Es ist der Lohn für jahrelanges Engagement: Das Überlinger Gymnasium erhält die Auszeichnung als "Fairtrade-School". Damit wird das umwelt- und sozialpolitische Engagement der Schule gewürdigt. Der Auftritt des „Nairobi Hope Theatre“ schaffte bei der Preisverleihung einen passenden Themenbezug.

Warum die Äpfel nehmen, wo die Bananen doch viel süßer sind, warum die teure Schokolade, wo in der Billigvariante doch dasselbe steckt? Fragen, die gedankenlosen Konsum infrage stellen, und auf die es im Gymnasium Überlingen Antworten gibt. „Fairtrade School“ darf sich die Schule nennen – eine Auszeichnung, der intensives Engagement vonseiten der Schüler, Lehrer und Eltern zugrunde liegt. Seit 2015 setzen sich das gegründete Fairtrade-Schulteam und die Fairtrade-AG für den gerechten Handel ein. In Unterrichtseinheiten fächerübergreifend behandelt, durch Projekte und Aktionen praktisch umgesetzt, erfährt das Bewusstsein der Schüler Förderung für globale Herausforderungen.

Die rund 20 Mitglieder das "Nairobi Hope Theatre" begrüßen die Achtklässler des Gymnasiums, die zu ihrer Aufführung des "Fair Trade Play" gekommen sind.
Die rund 20 Mitglieder das "Nairobi Hope Theatre" begrüßen die Achtklässler des Gymnasiums, die zu ihrer Aufführung des "Fair Trade Play" gekommen sind. | Bild: Rebecca Rexroth

Die Weichen werden in der Schule gestellt

„In dem Alter interessieren sich Schüler besonders für aktives Umdenken“, beschreibt Linda Orlowsky, Englisch -und Gemeinschaftskundelehrerin und federführend am Projekt beteiligt, die Motivation der Jugendlichen. Die Schule sei der richtige Ort, diesen Wissensdurst in Form zu gießen und Handlungsmethoden zu vermitteln. Die Kampagne Fairtrade-Schools ändert Denkmuster und Einkaufsgewohnheit: „Ich kaufe nun immer eine ganz bestimmte Fairtrade-Schokolade. Die kostet einen Euro, der Erlösanteil, der an die Kakaobauern geht, steht drauf und sie schmeckt super“, sagt Schülerin Nina Renftle, die im Unterricht das erste Mal mit Fairtrade in Berührung kam. „Die Welt gerechter zu machen ist schwer, aber jeder kann seinen kleinen Beitrag dazu leisten“, reflektiert Schüler Cem Albayrak, der seit dem Schulprojekt beim Schokoladenkauf auf faire Herkunft achtet. Ob Kakao, Banane oder Jeans: Der Erlös, den Bauer, Näherin und Pflücker erhalten, ist verschwindend gering gegenüber dem, was Großkonzerne für vermarktete Produkte einheimsen. „It's just not fair“, fasst es Schulleiter Hans Weber zusammen, „in diesem Sinne wollen wir als Schule dagegen kämpfen, wollen das Bewusstsein Heranwachsender dafür schärfen.“ Es freue ihn sehr, die Auszeichnung „Fairtrade-School“ zu erhalten, „aber leben muss das jeder selber“.

Hochmotiviert sind die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse bei traditionellen Tänzen mit den Schauspielern des "Nairibi Hope Theatre" – ein Gemeinschaftserleben über Ländergrenzen hinweg.
Hochmotiviert sind die Schülerinnen und Schüler der achten Klasse bei traditionellen Tänzen mit den Schauspielern des "Nairibi Hope Theatre" – ein Gemeinschaftserleben über Ländergrenzen hinweg. | Bild: Rebecca Rexroth

Jeder Schüler kann kreative Vorschläge machen

Zahlreiche Flyer liegen parat, Rezeptbüchlein vermitteln faires Essen, Stellwände demonstrieren den Weg, den das Gymnasium auf diesem Gebiet bereits zurückgelegt hat, und was es noch anstrebt. „Smoothie-Days, faires Schulfest, Filmprojekte – die Aktionen haben sich bewährt“, sagt Orlowsky, „jeder Schüler kann sich mit kreativen Vorschlägen einbringen, das Projekt bedarf Stetigkeit.“ Zukünftig könne sie sich beispielsweise fair gehandelte Produkte im Mensa-Verkauf vorstellen. Auch Maria Gießmann von der Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit aus Stuttgart verleiht der Schule Zertifikat und Siegel. Sie mahnt: „Zurücklehnen gibt's jetzt nicht, in zwei Jahren prüfen wir die Kriterien für diesen Status erneut.“ Doch an Motivation und Innovation fehlt es den Schülern nicht: „Es reicht für ALLE“, so der Titel des selbstgedrehten Kurzfilms der Fairtrade-AG, der den Besuchern der Auszeichnungsveranstaltung auf eindrückliche Weise den Grundgedanken ungleicher Verhältnisse nahebringt. Schauspielerisch setzt diesen das „Nairobi Hope Theatre“ um: 2009 von Stephan Bruckmeier als Ergebnis einer Theaterarbeit mit Jugendlichen in Nairobi gegründet, tourt die Gruppe durch die Welt, klärt bildungspolitisch auf und erspielt mit dem „Fair Trade Play“ die Grundkonzepte fairen Handels. „Alle Menschen sind gleich wertvoll“, begründet Bruckmeier nach deren grandiosen Aufführung seine Intention. „Die Schule hat diese Werte zu mitteln“, pflichtet ihm Gemeinderat Oswald Burger bei. "Für uns als Stadt ist die Fairtrade-Schule genauso bereichernd wie der Weltladen.“ Er könne im Namen Überlingens versprechen, so Burger, dies auch auf politischer Ebene auszuweiten.

Akrobatik, Tanz, Schauspiel und Gesang: Die rund 20 Spieler des "Nairobi Hope Theatre" aus Kenia erarbeiten den GedankenfFairen Handels in ihrem "Fair Trade Play" .
Akrobatik, Tanz, Schauspiel und Gesang: Die rund 20 Spieler des "Nairobi Hope Theatre" aus Kenia erarbeiten den Gedanken Fairen Handels in ihrem "Fair Trade Play" . | Bild: Rebecca Rexroth

Fairtrade-School

Seit 2012 bietet die Kampagne "Fairtrade-Schools" deutschlandweit Schulen die Möglichkeit, sich aktiv für eine gerechtere Welt einzusetzen. Das Gymnasium Überlingen erhält als 76. Schule in Baden-Württemberg diese Auszeichnung, die für zwei Jahre gilt. Kriterien sind die Gründung eines Schulteams aus Lehrern, Eltern und Schülern; der Verkauf fair gehandelter Produkte; spezielle Aktivitäten wie themenbezogene Schulfeste und aufklärende Aktionen; die Einbindung des Fairtrade-Konzepts in Unterrichtsfächer. Über die Aktivitäten wird im Schools-Blog berichtet, Ergebnisse und Ideen fotografisch dokumentiert. Das Gymnasium bot neben Schulfest, Pausenverkauf, dem Verteilen fairer Schokonikoläuse und Valentinsrosen die Möglichkeit, bei Filmprojekten und Aktionen in Kooperation mit dem Weltladen mitzuwirken. Informationen zur Kampagne: http://www.fairtrade-schools.de

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