Überlingen Geschichtsstunde zum Auftakt des Bambergener Dorfjubiläums

750 Jahre seit der Ersterwähnung sind vergangen. Bambergen (seit 1971 ein Teilort von Überlingen, zuvor selbstständige Gemeinde) feiert sich mit vielen Veranstaltungen das ganze Jahr über. Zum Auftakt gab es bei einem Bürgertreffen einen Vortrag von Stadtarchivar Walter Liehner mit neuen Erkenntnissen, die weit über die 750 Jahre zurück reichen.

Dass ihr Geburts- und Heimatort Bambergen höchstwahrscheinlich viel älter ist als die derzeit gefeierten 750 Jahre und die Besiedelungsgeschichte bis ins frühe dritte Jahrhundert und noch viel weiter zurückreicht, hat den zahlreichen Besuchern des Bürgertreffens am Samstagabend, darunter "Eingemeindungsbürgermeister" Reinhard Ebersbach, sehr gut gefallen. Neben der von Stadtarchivar Walter Liehner aufgedröselten Dorfhistorie genossen sie die mundartlichen Histörchen von Hermann Keller und die musikalischen Beiträge des Musikvereins Harmonie Lippertsreute um Uwe Keller. Ortsvorsteher Siegfried Weber moderierte.

Schon Oberbürgermeister Jan Zeitler hatte zu Beginn des Abends in Aussicht gestellt, dass der Archivar tiefer in die Geschichte des Jubiläumsdorfs eintauchen werde. "Auch die Römer wussten, wo es schön ist, nämlich in Bambergen", sagte Zeitler, der sich die Amtskette des letzten Bürgermeisters von Bambergen umgehängt hatte. Erstmals werde sie wieder in offizieller Mission getragen, sagte Zeitler, und nur ihm als Rechtsnachfolger des Bürgermeisters sei dies gestattet. "Ich weiß, Ortsvorsteher Weber würde sie auch gerne tragen." Zeitler sagte dem "liebenswerten Dorf ein lebhaftes Jahr mit tollen Jubiläumsveranstaltungen" und eine positive Entwicklung voraus. Er kündigte an, dass an der Entwicklung eines neuen Baugebiets am Ortseingang, wie 2015 schon einmal angedacht, zügig weitergearbeitet werde.

Stadtarchivar Walter Liehner bezog sich in seinem Vortrag auf neuere, archäologische Erkenntnisse auf Grund optischer Abstands- und Geschwindigkeitsmessungen, so genannter Lidar Scans, die eine Villa Rustica ausgemacht hätten in dem idyllischen Teilort nördlich von Überlingen. Die Geschichte gehe aber noch weiter zurück, es gebe dank elektromagnetischer Untersuchungen aus dem Jahr 2006 Erkenntnisse darüber, dass in der Nähe dieser römischen Siedlung bereits in der Zeit von etwa 400 bis 800 vor Christus Hügelgräber gebaut wurden. Sie liegen ebenfalls auf dem Gelände des Neuhofs der Familie Plessing im Auental.

Bei der ersten Erwähnung des Dorfs im Jahr 1268 sei es lediglich um eine Wiese gegangen. Die Schenkungsurkunde bezeichnete Archivar Liehner als "einfachen Pergamentlappen", der allerdings unterschrieben durch 23 adlige Zeugen zu etwas Besonderem werde. Die Ortsentwicklung sei immer eng verknüpft zu sehen mit der Stadt. Liehner berichtet davon, wie Alemannen im 6.und 7. Jahrhundert auch im Bodenseeraum erste Ortschaften gründeten. "Sie benannten sie nach ihren Oberhäuptern und hängten ein 'lingen' an wie bei Überlingen oder Sipplingen." Nach und nach entstanden dann neue Rodungssiedlungen, die nicht mehr den Namen von Oberhäuptern trugen, sondern nach geografischen Begebenheiten bezeichnet wurden. Und so kam Walter Liehner zur Beantwortung der Frage, warum Bambergen Bambergen heißt. Mit großer Wahrscheinlichkeit sei die Ortsbezeichnung eine Ortsbeschreibung und bedeute soviel wie "mit Bäumen bewachsener Berg". Demnach steht Bam für alemannisch "Bom" oder Mehrzahl "Bem". Dass "Bam" nach dem mittelhochdeutschen Begriff für "Bann" steht, glaube er nicht, "denn, was soll verboten gewesen sein auf diesem Berg"?

Ortsvorsteher Siegfried Weber freut sich mit Helen Vogler und Wilhelm Utz über die gelungene Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr. Die Drei werden zusammen mit Johannes Klotz die Pfingstwanderung begleiten und historischen Hintergrund zu den Höfen vermitteln.
Ortsvorsteher Siegfried Weber freut sich mit Helen Vogler und Wilhelm Utz über die gelungene Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr. Die Drei werden zusammen mit Johannes Klotz die Pfingstwanderung begleiten und historischen Hintergrund zu den Höfen vermitteln. | Bild: Martina Wolters

Der Stadtarchivar nimmt die Festgäste im gut gefüllten Dorfgemeinschaftshaus auf eine Zeitreise quer durch die Jahrhunderte. Sie erfahren, dass ihre Heimatgegend einst dem Bischof von Konstanz unterstand und kleine Adelsgeschlechter sich hier ein Herrschaftsgebiet unweit der explosionsartig wachsenden Stadt Überlingen aufbauen wollten. Das von Bürgern gestiftete Überlinger Spital habe genauso Höfe in der Bambergener Siedlung erstanden wie beispielsweise die Reichsabtei Salem oder das Domkapitel Konstanz. "Anfang des 15. Jahrhunderts gehörten zwei Drittel der Gemarkung dem Spital von Überlingen und das letzte Drittel dem Salemer Kloster." So könnte auch der hochwertige Altarschatz nach Renovierungsarbeiten in Spital oder Kloster in Bambergens Kapelle gelandet sein, vermutet Liehner. Mit dem wirtschaftlichen Niedergang Überlingens während des Dreißigjährigen Krieges geht es auch Bambergens Bauern schlecht. "Das Hinterland wurde leer gefressen."

Liehners Ausflug in Bambergens Geschichte endete 1971 mit der Eingemeindung nach Überlingen. Der Referent ließ die jüngere Geschichte bewusst aus, weil sei bei einem historischen Dorfspaziergang an Pfingstmontag auf dem Programm stehe, wenn Ureinwohner Bambergens Geschichten von früher erzählten, "so lebhaft, als seien sie selbst dabei gewesen".

 

Das Jubiläumsjahr

Pfingstmontag, 21. Mai 11 Uhr ab DGH: Wanderung bis zum Schönbuch- Hof , Ausstellungseröffnung und Einweihung von Wasserskulpturen an den Dorfbrunnen

13. Juli (Freitag): Historische Feuerwehrprobe unter Teilnahme von Überlingen, Bambergen und Owingen

4. bis 6. August: Dorffest mit Blasmusikabend, Frühschoppen, Frühschoppen und Kinderprogramm.

20. Oktober: Herbstfest zu Kirchweih, bei dem laut Ortsvorsteher Siegfried Weber 750 Kürbisse ins Spiel kommen.

 

 

Nachgefragt bei Jochen Schimpfle

Drei Fragen an den Künstler, wohnhaft in Bambergen, der im Jubiläumsjahr eine Kunstaktion an den Dorfbrunnen plant:

 

Warum wollen Sie die Dorfbrunnen mit Skulpturen versehen?

Seit 50 jahren lebe ich in Bambergen und habe hier Heimat und einen Ruhepunkt gefunden. Zum Dorfjubiläum möchte ich den Bambergern etwas zurück geben.

Welche Brunnen werden verschönert ?

Es sind die Wasserstellen vor dem Dorfgemeinschaftshaus, in der Dorfmitte und im Oberdorf.

Was planen Sie?

Die Wasserskulpturen sollen Bambergens Geschichte aufnehmen. Einer bezieht sich auf Landschaft und Wetter, der andere auf das Familiäre und der Dritte auf das Arbeiten mit dem lebenswichtigen Element Wasser. Ich würde mich freuen, wenn ich noch Sponsoren zur Umsetzung fände.

Der freischaffende Künstler und Wahl-Bamberger Jochen Schimpfle will zum 750. Dorfgeburtstag drei örtliche Wasserstellen durch Skulpturen verschönern.
Der freischaffende Künstler und Wahl-Bamberger Jochen Schimpfle will zum 750. Dorfgeburtstag drei örtliche Wasserstellen durch Skulpturen verschönern. | Bild: Martina Wolters

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