Überlingen Gefahren lauern auf der Baustrecke

Die Situation in der Mühlenstraße erregt die Gemüter. Die Stadt sieht keine Möglichkeiten zur Optimierung. Anwohner beobachten Beinahe-Zusammenstöße.

Baustellen sind laut und dreckig, soweit ist das bekannt. Das sie für Anwohner und Verkehrsteilnehmer zu einer echten Gefahr werden können, zeigt das Beispiel der Überlinger Mühlenstraße. Hier befinden sich auf engem Raum seit Beginn des Jahres gleich drei große Baustellen, deren Arbeiten noch bis Jahresende andauern werden. Ein neuer Lebensmittelmarkt entsteht direkt am Kreisel Parkhaus Post und durch die Baufahrzeuge entsteht Stau, der sich dann in die Mühlenstraße fortsetzt. Fast gleichzeitig starteten im März die Neubauten auf dem Gelände des ehemaligen Löhle-Hauses und gegenüber an der ehemaligen Braus-Villa. Durch die einseitige Fahrbahnverengung, von Osten kommend stadteinwärts, und die zahlreich auf beiden Seiten der Straße befindlichen Baufahrzeuge, Betonmischer, Tieflader und Kipper entsteht für Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer gleichsam eine äußerst brisante Situation, wie das Beispiel von Claus Keferstein deutlich macht.

Am Kreisverkehr Parkhaus Post sorgt die Baustelle des neuen Lebensmittelmarktes für Stau in der Mühlen- und in der Hafenstraße.Auch hier stehen große Baufahrzeuge. besonders eng wird es wenn zusätzlich die Müllabfuhr im Einsatz ist, oder ein LKW-Fahrer mit dem engen Kreisel nicht zurecht kommt.
Am Kreisverkehr Parkhaus Post sorgt die Baustelle des neuen Lebensmittelmarktes für Stau in der Mühlen- und in der Hafenstraße.Auch hier stehen große Baufahrzeuge. besonders eng wird es wenn zusätzlich die Müllabfuhr im Einsatz ist, oder ein LKW-Fahrer mit dem engen Kreisel nicht zurecht kommt.
Keferstein war am 21. August als Fußgänger auf dem Bürgersteig stadtauswärts auf Höhe der Baustellen nach eigenen Angaben fast überfahren worden. "Ein Pkw fuhr mit stark überhöhter Geschwindigkeit in einem Abstand von nur 30 Zentimetern auf dem Bürgersteig an mir vorbei", berichtet der Ingenieur empört. Er habe das Fahrzeug aufgrund des herrschenden Baulärms überhaupt nicht gehört und ging zur Polizei. "Der freundliche Polizist dort hat mir die Häufigkeit dieser gefährlichen Situationen bestätigt und mich an die Stadt Überlingen verwiesen. Diese habe schließlich die Genehmigung zu diesen Baustellen erteilt."

Dazu erklärt Günter Hornstein, stellvertretender Revierleiter der Polizeidienststelle Überlingen: "Ja, auch die Polizei wurde miteinbezogen in die Betrachtung zur Sicherheit dieser Baustellen. Zuständig bei Ordnungswidrigkeiten ist das Ordnungsamt. Bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung ist aber selbstverständlich die Polizei zuständig."

Claus Keferstein kann einen umfangreichen Schriftverkehr mit diversen Mitarbeitern des Ordnungsamts vorlegen, gerichtet an Markus Rößler dokumentierte er mit vielen Fotos das Geschehen in der Mühlenstraße und machte auch alternative Vorschläge zur Beruhigung der Lage wie beispielsweise eine Umleitung des Fahrradverkehrs über die Seestraße, eine Ampelschaltung oder Geschwindigkeitsüberwachung. Die Verengung der Fahrbahn in Kombination mit den parkenden Baustellen-Fahrzeugen auf beiden Seiten der Straße führte zu einem Befahren des Fußgängerweges, konstatiert der Ingenieur Keferstein. Wie Markus Rößler, der Leiter der Straßenverkehrsbehörde, dem Betroffenen mitteilte, nahm man seine Schreiben zum Anlass, die Situation am 28. August zusammen mit der Landespolizei nochmals zu begutachten. Die Bauleiter seien darauf hingewiesen worden, das Beparken mit Baufahrzeugen auf das Nötigste zu begrenzen. „Als hiesiges Bauunternehmen achten wir sehr auf die Sicherheit innerhalb unserer Baustelle und auch,so weit wie möglich, auf Rücksichtnahme zur Nachbarschaft. Wir sind in der Mühlenstraße als ausführendes Unternehmen tätig, die Planung der Baustelle liegt aber beim Bauherren und Architekten“, sagt Frank Schappeler, Geschäftsführer des gleichnamigen Bauunternehmens.

Seit kurzem befinden sich nun Leitbaken auf dem Gehweg stadtauswärts, um die Fußgänger zu schützen. Diese Baken sind jedoch beweglich und können im Bedarfsfall beim Ankommen großer Baufahrzeuge zur Seite gestellt werden. "Die Gefahrensituation ist dadurch nicht entschärft", so Claus Käferstein.

Die Situation im Baustellenbereich. auch dieser PKW fährt über den Bürgersteig, da die Fahrbahn durch den Baustellen-LKW zu eng ist.
Die Situation im Baustellenbereich. auch dieser PKW fährt über den Bürgersteig, da die Fahrbahn durch den Baustellen-LKW zu eng ist.
Immer wieder kommt es zu Beinahe-Unfällen, beobachten auch Brigitte und Wolfgang Huber von ihrem Balkon aus. Sie sind Anwohner der Mühlenstraße. "Der Dreck und der Lärm beeinträchtigen uns natürlich sehr, ist aber unvermeidlich, wenn auch Baufahrzeuge mit laufendem Motor unnötig sind. Gefährlich ist jedoch, dass ich mich Zentimeter für Zentimeter aus der Tiefgarage mit dem Auto auf die Straße tasten muss, weil ich gar nichts sehen kann, es ist ja oft alles bis zum Zebrastreifen am Mantelsteig zugeparkt", berichtet Wolfgang Huber. Zwei Beinahe-Unfälle mit Radfahrern und Autos habe sie beobachtet, so Brigitte Huber, die dafür die nicht einsehbare Fahrbahnverengung verantwortlich macht. "Weil sie nichts sehen können, fahren alle gleichzeitig und dann quietschen die Bremsen, das geht doch so nicht."

Auch Hubert Merkelbach sieht eine Gefährdung seiner Patienten in der Orthopädiepraxis in der Mühlenstraße. "Das ist brandgefährlich für alle. Man sieht ja nicht, ob ein Auto kommt. Besonders Menschen mit Gehbehinderungen haben größte Mühe über die Straße zu kommen, die sie ja aufgrund der Baustelle wechseln müssen", so der Mediziner. Die Lärmbelästigung auf der Baustellen empfinden alle befragten Anlieger zwar als kaum erträglich. Sorgen machen sie sich aber wegen der durch die Baustellen entstandene Gefahr für Leib und Leben. Claus Keferstein, das Ehepaar Huber und Hubert Merkelbach können nicht verstehen, dass die Stadtverwaltung drei Baustellen gleichzeitig erlaubt, ohne ein Verkehrskonzept, das für mehr Sicherheit sorgt.

Das sagt die Stadt Überlingen zur Situation in der Mühlenstraße

  • Zur Häufung der Baustellen: Die Baurechtsbehörde kann den Eingang einzelner Bauanträge nicht beeinflussen. Eine Baugenehmigung gilt drei Jahre. Innerhalb dieser Geltungsdauer kann mit dem Bau begonnen werden.
  • Zu möglichen Umleitungen: Aufgrund des hohen Fußgänger- und Radverkehrsaufkommens entlang des Seesportplatzes in der Saison kommt eine Umleitung über die Jahnstraße und Seestraße nicht in Frage. Auch ist dieser Weg nicht für den Individualverkehr ausgelegt. Andere Umleitungsvarianten kommen ebenfalls nicht in Betracht.
  • Zur Höhe der Kosten für die jetzige einseitige Sperrung der Straße beziehungsweise zur Höhe der Kosten für eine Verlängerung der Sperrung zum Parken der Baustellenfahrzeuge innerhalb der Baustelle und den Kosten einer größeren Umleitung: 25 Cent pro Tag und Quadratmeter muss der Bauherr an Sondernutzungsgebühr für die einseitige Sperrung der Fahrbahn bezahlen. Für die Einrichtung und Umsetzung einer Umleitungsstrecke wäre die durchführende Baufirma verantwortlich.
  • Zu weiteren Maßnahmen zum Schutz der Verkehrsteilnehmer: Um das Befahren des gegenüberliegenden Gehweges bei Begegnungsverkehr zu unterbinden wurden durch die Baufirma Leitbaken aufgestellt. Zusätzlich wurde die Situation gemeinsam mit der Landespolizei nochmals begutachtet. Hierbei ist man zu dem Ergebnis gekommen, dass durch die Aufstellung der Leitbarken die Sicherheit der Fußgänger gewährleistet ist und eine weitere Optimierung nicht mehr möglich ist.

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